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Pietro
Mascagnis: Sì
Ort Wiener
Volksoper
Termine Montag,
28. Oktober 2002, 19.00 Uhr (Rollendebüt)
Besetzung Sì: Eva Lind/Akiko Nakajima Vera: Elisabeth Kulman Luciano
di Chablis: Dario Schmunck/Johan Weigel Cleo de Mérode: Oliver Ringelhahn/Reinhard Alessandri
Musikalische Leitung: Marc Piollet
Inszenierung: Katja Czellnik Ausstattung: Vera Bonsen Licht: Frank Sobotta Choreografie: Lili Clemente
Programm Pietro
Mascagni: Sì - Oper(ette) in 3 Akten (1919)
Text WERK "Da ich Oper und Operette mit dem gleichen Maßstab beurteile und in Bezug auf Komposition und Erfindung beide auf dasselbe künstlerische Niveau stelle, hat diese Operette für mich die gleiche Bedeutung wie eine ernste Oper...", schrieb Pietro Mascagni im September 1919 an seine Geliebte Anna Lolli. Ernst ist auch die Geschichte der Tänzerin Sì aus den Follies Bergères. Ihr Name Sì (Ja) rührt daher, dass sie noch nie einem Mann gegenüber "nein" gesagt hat. Darum ist sie das ideale Objekt für den Lebemann Luciano. Er braucht eine Frau - doch nur, um eine Erbschaft anzutreten. Danach möchte er schnell wieder seinem ungezwungenen Leben nachgehen. Sì willigt ein. Doch als die Scheidung bevorsteht, sagt sie zum ersten Mal in ihrem Leben "nein", weil sie sich unsterblich in Luciano verliebt hat. Für ihn ist das "nein" von Sì nur lästig, denn er hat längst wieder eine neue Frau an seiner Seite. Am 13. Dezember 1919 erlebte Mascagnis erste Operette ihre Uraufführung im Teatro Quirino in Rom. Einige Anhänger des Komponisten waren enttäuscht, dass sich der Meister einem so modischen, unwürdigen Genre zugewandt hatte. Doch "Sì" macht ihren Weg und kam am 24. Jänner 1925 auch nach Wien, wo Mascagni selbst die Premiere im Bürgertheater dirigierte. Der Erfolg war groß, es folgten 25 Vorstellungen en suite. Jetzt ist das aussergewöhnliche Werk, das, obwohl durch und durch italienisch, z.T. auf einem Pariser Postamt spielt, wieder in Wien zu sehen.
Birgit Meyer
INHALT Der ausgebrannte Zyniker Luciano, stürzt sich aus einer Mischung aus Langeweile und Sehnsucht nach vergangenen Werten in die Ehe mit Sì, einer Frau, die zu allem "Ja" sagt, nicht, ohne zuvor eine Affäre mit der Angestellten Vera anzufangen, die er zwischendurch immer wieder aufnimmt. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf, als Sì zum ersten Mal "No" sagt, weil sie für Luciano echte Gefühle empfindet. Die Konflikte, in die die Protagonisten stürzen, reißen der Gesellschaft die Maske kalter Funktionstüchtigkeit herunter.
PRODUKTION "Sì" ist voll von feinnerviger Belcanto-Melodik, hinter denen sich jedoch das große Drama einer Frau, deren Leben zusammenstürzt, verbirgt. Während die Wiener Operette hauptsächlich von Rentiers bevölkert wird, ist die Möglichkeit von wahrhaftigem Leben in der modernen Arbeitswelt zentrales Thema in "Sì". Obgleich dem Operettengenre zugehörig, wird das Thema "Liebe" hier als vergebliche Illusion gezeigt, werden die Liebenden als Tauschgut zynisch demaskiert. Die Menschen im kalten Räderwerk der Technik müssen funktionieren oder sie werden zermalmt. "Sì" ist eine filmnahe "Zeitoperette" der "Modern Times", die nicht nur in ihrer musikalischen Qualität fasziniert, sondern einerseits an Ödön von Horváths gemahnende literarische Gestaltung eines Frauenschicksals erinnert und andererseits in Jura Soyfers Werken, in denen er sich mit der zunehmenden Verdrängung des Menschen durch die Maschine beschäftigt, Anklang findet. Dementsprechend werden in Katja Czellniks Inszenierung die musikalischen Nummern in den Vordergrund gestellt und in filmischer Weise zueinander montiert. Die seelenlose, empfindungslose Maschine und der von den damals neuen Verkehrs- und Informationsformen deformierte, entfremdete Mensch als Teil von schneller Bewegung und anonymen Kräften, sowie die Kälte und Einsamkeit produzierende Gesellschaft werden hier thematisiert.
AUSSTELLUNG 29. Oktober 2002, 19.00 Uhr, Österreichisches Theatermuseum: Eröffnung einer Ausstellung zu Pietro Mascagnis "Sì" 1010 Wien, Lobkowitzplatz 2
Links Wiener
Volksoper: www.volksoper.at
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Pietro
Mascagni
| TV-TIPP Sonntag, 20. Oktober 2002, 9.35 Uhr, ORF 2: Der ORF zeigt in einem 30-minütigen Bericht die Highlights dieser Inszenierung und lässt die
Mitwirkenden vor der Kamera zu Wort kommen. |

Vera
und Luciano
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