|
Pressestimmen
Passion,
hautnah erlebt Wolfgang Mayrhofer gestaltete in der Minoritenkirche am Donnerstag eine rundum gelungene Aufführung von Bachs Johannespassion, die in ihrer musikalischen Gestaltung und spirituellen Aussage schwer zu überbieten ist. Das Maß hiefür lieferten die Erhabenheit des Stoffes, die Dramatik der Handlung und der jeweilige Sinn der Worte, so dass der Besucher mitten ins biblische Geschehen versetzt war. Das Ergebnis: plastisch, direkt und beeindruckend, generell mehr auf der Seite der Expressivität als auf jener von oft geübter Kontemplation. Hiefür stand passend für die Größe des Kirchenraumes ein kleiner, aber feiner Apparat zur Verfügung. Der Linzer Jeunesse Chor zeigte in kammermusikalischer Stärke seine hohen Qualitäten von Präzision und Klangfülle, von Beweglichkeit und Pianokultur. Er überraschte auch dank sorgfältiger Einstudierung mit wertvollen Kleinigkeiten und Auskosten dramatischer Momente. Die vierstimmigen Choräle gerieten ihm wie Gebete in maßvoll zügigem Tempo, ohne dabei den poetischen Inhalt zu schmälern. Das i-Tüpferl an Sinn- und Wortdeutlichkeit lieferten die jungen Solisten mit klangvollen schönen Stimmen, deren Qualitäten auch das Gesamtkonzept - insbesondere die Ausdrucksintensität - umzusetzen erlaubten. Voran Johannes Chum (Evangelist, Tenorsolist), der sich mit kräftigem Organ in seine Aufgaben hineinsteigerte. Zusammen mit Elisabeth Kulman (Sopran), Markus Forster (Altus) und Matthias Helm (Bass) ließen die Arien nichts zu wünschen übrig. Der mächtige Bass von Klemens Geyrhofer war wie geschaffen für die Jesus-Partie. Das "Orchester Musica Sacra" gestaltete tadellos die vielen anspruchsvollen Solo- und Begleitaufgaben. Die Continuogruppe fand den richtigen unaufdringlichen Ton. Nach Sekunden von Stille dankte lauter Beifall. Franz Zamazal - OBERÖSTERREICHISCHE NACHRICHTEN
- 12. April 2003
|