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Pressestimmen
Die Volksoper boomt, das ist ein Faktum. "Schuld" daran ist sicher nicht nur der neue Direktor, es kommen einige glückliche Umstände zusammen. Ich konnte mich davon überzeugen, dass auch diese mit zahlreichen Neubesetzungen gegenüber der offiziellen Wiederaufnahme gespickte Repertoireaufführung praktisch ausverkauft war. Und bei vollem Haus spielt es sich besser als bei leeren Rängen, tritt ein sogenannter "Heimspieleffekt" ein, der sich auf alle Mitwirkenden überträgt. Das beginnt beim diesmal wirklich guten Orchester. Julia Jones lässt zügig und ohne Durchhänger musizieren, der Kontakt zur Bühne klappt augenscheinlich. Franz Hawlata als Figaro spielt zwar in erster Linie Franz Hawlata - etwas polternd, aber stimmlich ist der staatsopernerfahrene Sänger natürlich voll da. Zumindest kann man ihm nicht nachsagen, dass er mehr blaues Blut in seinen Adern fliessen hat als sein Herr - wie jüngst beim Staatsopern-Figaro mit D´Arcangelo und Boaz Daniel. Obwohl das diesmal nicht schwierig gewesen wäre, denn Wolfgang Koch als Graf agiert eher "hemdsärmelig" und erweckt nicht den Anschein, als ob er sich in einem Stadtpalais sonderlich wohl fühlen würde. Aber er ist mit seiner kernigen Stimme an den wichtigen Stellen stets präsent. Der Graf und sein Figaro, da haben sich zwei gefunden! Seine Gräfin ist Elisabeth Kulman, einer der aufgehenden Sterne der Volksoper. Die Sopranistin hat - laut eigener Homepage (www.kulman.info) - erst 2001 offiziell ihre Ausbildung beendet, so gesehen ist der bisherige Verlauf der Karriere beachtlich und diese Leistung bereits reif. Ihre Contessa ist von Noblesse geprägt, dennoch aber erfrischend jugendlich. Ihr warm tönender, voller Sopran kommt in dieser Rolle besonders gut zur Geltung. Susanna Jeniffer O`Laughlin agiert geschäftig quirlig und musikalisch stilsicher. Adrineh Simonian wirbelt als Cherubino etwas zu betont burschikos (fast etwas zu kindlich) durch die Szenerie, darf aber diesen Auftritt unbedingt als Erfolg für sich buchen. Die übrige Besetzung war großteils in der bereits besprochenen offiziellen "Wiederaufnahme-Vorstellung" gegeben, ein ganz ausgezeichnetes Ensemble, auf das die Volksoper mit Recht aufbauen kann. Ob nun die deutsche Sprache wesentlich zum Erfolg dieser Produktion beigetragen hat, wage ich zu bezweifeln. Wer den Inhalt des Figaro nicht so genau kennt, kommt wahrscheinlich mit den Vilar-Titeln in der Staatsoper besser zurecht. Anderseits ist Figaro eher ein intimes Werk, deshalb ist ein kleineres Haus wie die Volksoper eigentlich ein guter Spielort. Fazit: Ein weiteres Mosaik zum Erfolgsbild des zweiten Opernhauses von Wien, das Direktor Berger aber gar nicht so sehen will. Er will Direktor des ersten Hauses für bestimmte Werke sein. Recht so, dafür ist ihm Glück zu wünschen! Anton Cupak - DER NEUE MERKER - 19. Februar 2004
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