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Geistliche Musik

Igor Strawinsky: Requiem Canticles

Ort
Wiener Musikverein - Großer Saal

Termine
Dienstag, 1. November 2005 - 19.30 Uhr
Mittwoch,
2. November 2005 - 19.30 Uhr

Besetzung
Elisabeth Kulman, Alt
Andreas Jankowitsch, Bass

Singverein der Gesellschaft der Wiener Musikfreunde
The Cleveland Orchestra
Dirigent: Franz Welser-Möst

Programm
* Franz Schubert: "Gesang der Geister über den Wassern", D 714
* Igor Strawinsky: Symphonie de Psaumes (Psalmen-Symphonie)
* Igor Strawinsky: Requiem Canticles für Alt- und Bass-Solo, Chor und Orchester
* Franz Schubert: Symphonie Nr. 7 h-Moll, D 759 ("Die Unvollendete")

Links
Wiener Musikverein: www.musikverein.at
Radio Österreich 1: oe1.orf.at

 

Franz Welser-Möst

Franz Welser-Möst

 

Audio

Presse

 

Radio-TIPP
Das Konzert am 1. November 2005 wird live auf Radio Österreich 1 im Dolby Digital 5.1. Surround Sound übertragen.

Pressestimmen

Musikverein: Amerika versteht Schubert
Eine Lektion in Wiener Klang aus Cleveland.
Mit einer Orgie an bunten Klangfarbenmixturen verabschiedeten sich das Cleveland-Orchestra und sein Chefdirigent Franz Welser-Möst vom Publikum des Wiener Musikvereins. Die "Turangalila"-Symphonie stand auf dem Programm, Olivier Messiaens riesenhaftes konzertantes Werk über die Liebe. Inspiriert von philosophischen Vorstellungen ferner Kulturen, den Rufen der Vögel und christlicher Mystik, fand der Komponist da zu höchst unterschiedlichen Klangbildern, die von ekstatischem Jubel bis zur ruhevoll gelösten Hingabe alle Stadien leidenschaftlicher Zuwendung besingen. Die Clevelander mischten im Verein mit dem auswendig spielenden, phänomenalen Pianisten Pierre-Laurent Aimard lustvoll die kühnsten Farbkombinationen auf ihrer in allen Registern virtuos beherrschten Klangpalette.
Der Demonstration orchestraler Vollkommenheit war eine nicht minder bemerkenswerte Lehrstunde in Sachen wienerischer Klangkultur vorausgegangen. Zu Allerheiligen musizierten die Gäste aus dem Mittleren Westen Schuberts Unvollendete, was hiesige Hörer stutzen ließ: Gibt es noch so etwas wie einen Wiener Klangstil? Wenn ja: War er nicht hier in Reinkultur zu vernehmen?
Es ist schon so, die amerikanischen Orchester haben um die Mitte des 20. Jahrhunderts, geprägt von europäischen, vornehmlich ungarisch-jüdischen Dirigenten, die in der Zeit der Habsburger-Monarchie geboren wurden, ihren Stil entwickelt und vervollkommnet. Was heute, in Zeiten der Erosion überkommener Werte, aus den USA zurückkommt, ist nichts weniger als ein musikalischer Fast-Food-Klang.
Der Schubert-Klang der Clevelander, modelliert vom sensiblen österreichischen Maestro, durfte mit verletzlichem, gleichwohl technisch perfekt austariertem Ton durchaus als eine Art stilistischer Rückholaktion gewertet werden; die Betroffenheit im Auditorium blieb denn auch nicht aus, denn auf solche Weise entfaltet Schuberts Musik ihr expressives Potenzial aufs Natürlichste, wirkt also unausweichlich.
Sensationell auch die Klangregie in den Strawinsky-Werken. Die Psalmensymphonie (1930) und die hierzulande so gut wie unbekannten "Requiem canticles" aus Strawinskys letzten Lebensjahren, entstanden unter Welser-Möst wie auf dem Reißbrett nachgezeichnet, doch voll Poesie: Was sich im Finale der Symphonie auch dank des von Johannes Prinz phänomenal vorbereiteten Singvereins an ätherisch-entrückter Stimmung einstellte, blieb in den Requiem-Fragmenten trotz der zu Weber-Kürze verdichteten Sprache präsent. Soli: prägnant Andreas Jankowitsch,
besonders klangschön Elisabeth Kulmans Altstimme.
Wilhelm Sinkovicz - DIE PRESSE - 5. November 2005

Zarte Gottesnähe
Reichlich Rares stand jüngst am Programm, als das Cleveland Orchestra den dritten Abend seiner Konzertserie im Musikverein absolvierte – und doch sollte ein Klassiker vielleicht am meisten überraschen. Denn wenn Chefdirigent Franz Welser-Möst zu Schuberts "Unvollendeter" greift, tut er das mit Glacéhandschuhen. Und zeitigte einen fast unwirklichen Klang: Da kreiste der Rhythmus wie ein zarter Luftwirbel, fein, fast schon geschmäcklerisch nuanciert schwebten die Melodien. Ein Extremismus an Leichtigkeit, selbst in jenen Ausbrüchen hörbar, die hurtig, doch luzide anrollten.
Freilich: Ein wenig vermisste man schon das Herzhafte, die romantische, europäische Emphase. Aber erstens kommen die Gäste nicht eben aus der Nachbarschaft, zweitens bestimmte Mösts ätherisches Klangideal bereits zuvor den Abend. Nicht zum Vorteil des Singvereins, mochte man anfangs meinen, dessen Männerstimmen hörbar in Schuberts "Gesang der Geister über den Wassern" trudelten – einem eher lauwarmen Goethe-Poem, das musikalisch geheimnisvoll, aber doch plätschert.
Spirituelles Erlebnis
Mehr Sicherheit schuf der Linzer Maestro schon in Strawinskys "Psalmensymphonie". "Vernimm mein Schreien", heißt’s anfangs im Chorsatz, und doch blieb alles himmlisch leicht: wenn sich Holzbläserstimmen luftig kräuselten, der Chor ein lichtdurchflutetes "Halleluja" wisperte. Innige Spiritualität, in der sogar der jüngste Tag seinen Schrecken verliert: Mit expressivem Bass beschwor ihn Andreas Jankowitsch in Strawinskys "Requiem Canticles", melismatisch wand sich daneben Elisabeth Kulmans Mezzo im "Lacrimosa" – und doch obsiegte zarte Glaubensgewissheit,herrlich anzuhören im letzten orchestralen Farbenspiel.
Reichlich Beifall – und hohe Erwartungen an den spirituellen Showdown des Gastspiels, der am heutigen Donnerstag mit Olivier Messiaens "Turangalila"Symphonie bevorsteht.
Christoph Irrgeher - WIENER ZEITUNG - 3. November 2005

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Elisabeth Kulman - www.kulman.info