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Geistliche Musik

J.S. Bach: Matthäus-Passion

Ort
München - Philharmonie im Gasteig

Termin
Karfreitag, 14. April 2006 - 14.00 Uhr
(Konzerteinführung: 13.00-13.30 Uhr - Näheres dazu s.u.)

Besetzung
Brigitte Geller, Sopran
Elisabeth Kulman, Alt
Torsten Hofmann, Tenor
Marcus Niedermeyr, Bass

Johannes Kalpers, Evangelist
Markus Marquardt, Christus

Münchener Bach-Chor
Regensburger Domspatzen
Bach Collegium München
Dirigent und Cembalo: Hansjörg Albrecht

Programm
Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion BWV 244

Text
Mit dem Leitmotiv "Bach modern" läutet Hansjörg Albrecht eine neue Ära des Münchener Bach-Chores ein. Albrecht, der seit der Saison 2005/2006 das Amt des Künstlerischen Leiters bekleidet, ist bekannt für seine sorgfältig ausgearbeiteten Bachinterpretationen sowie für seine Neigung zur historischen Aufführungspraxis. Aus der Sicht einer jungen Generation wagt der in Freiberg/Sachsen geborene Dirigent, Organist und Cembalist eine moderne und zeitgemäße Bach-Interpretation, die er zusammen mit seinem Chor behutsam umzusetzen versucht.
Albrecht setzt auf Traditionsbewusstsein einerseits, fordert aber andererseits von seinen Sängern und Musikern ein gemeinsames Neuentdecken und einen kreativen Umgang mit der Musik Bachs, die er selbst als "einen der größten Schätze der Menschheit" bezeichnet. Die großen Chorwerke Bachs stehen deshalb auch in dieser Saison wieder im Mittelpunkt des Programms.
Bachs "Matthäus-Passion" am Karfreitag zur Todesstunde Jesu ist für den Chor schon zur Tradition geworden. Das Konzert kommt im Bayerischen Rundfunk live aus der Münchner Philharmonie am Gasteig.

Konzerteinführung- "Kommt ihr Töchter helft mir klagen"
Historia von Christi Tod – Einblick in Bachs Kompositionstechniken
Nach dem großen Erfolg der Zwischenakkt-Musik beim Weihnachtsoratorium 2005 wird Hansjörg Albrecht erneut eine Einführung gestalten (13.00-13.30 Uhr).

Die Matthäuspassion in barocken, lebendigen Bildern, klingende Instrumente, Historie einfach erklärt und improvisatorisch vorgeführt. Dies alles mit dem jungen Dirigenten Hansjörg Albrecht und weiteren Musikern auf dem Podium der Philharmonie.
Herzliche Einladung an jung und alt.

Hansjörg Albrecht, Dirigent, Organist und Cembalist, zählt zu den vielseitigsten Musikern der jungen Generation. Er wurde 1972 in Freiberg/Sachsen geboren und erhielt seine erste musikalische Ausbildung als Mitglied des Dresdner Kreuzchors. In Hamburg und Köln studierte er Orgel bei Gerhard Dickel und Thierry Mechler sowie Dirigieren bei Klaus-Peter Seibel. Außerdem war er zugleich für sieben Jahre Assistenzorganist an der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis.
Seit 1995 hat er die musikalische und künstlerische Leitung der Kammermusikreihe "Freitag-Nacht-Musik" in St. Michaelis zu Hamburg inne. Anlässlich des Bach-Jahres 2000 gründete er das Instrumentalensemble "concerto agile". Als Leiter dieses Ensembles machte er mit seinen eigenwilligen Interpretationen und ausgefallenen Programmkonzepten auf sich aufmerksam.
Konzerte als Organist und Cembalist führten ihn durch Europa, nach Israel, Japan und in die USA. Als Solist und Continuospieler arbeitete er mit renommierten Orchestern und Chören.
Eine besonders intensive künstlerische Zusammenarbeit als Kammermusikpartner verbindet ihn mit dem Sänger und Dirigenten Peter Schreier.
Seit September 2005 ist Hansjörg Albrecht künstlerischer Leiter des Münchener Bach-Chores und des Münchener Bach-Orchesters, welches von ihm neu gegründet wurde und ab dieser Saison erstmals als professionelles Barockorchester konzertiert. Als Dirigent arbeitete er seitdem mit dem Bayerischen Staatsorchester und dem Bach Collegium München zusammen und leitete in München Konzerte im Herkules-Saal sowie der Philharmonie am Gasteig.

Links
Hansjörg Albrecht, Dirigent: www.hansjoerg-albrecht.com
Philharmonie im Gasteig: www.gasteig.de
Karten (24,- bis 66,- €): www.musikerlebnis.de
Münchener Bach-Chor:
www.muenchener-bachchor.de
Bach Collegium München:
www.bachcollegium.de
Radio Bayern 4 Klassik:
www.br-online.de/bayern4/ 

 

Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach

 

Presse

 

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Radio-TIPP
Der Bayerische Rundfunk Bayern 4 Klassik überträgt das Konzert live.

Pressestimmen

Schwindel erregender Strudel und höchste Konzentration
eit über 50 Jahren ist der Münchner Bach-Chor ein Garant für exemplarische Interpretation, ein Laienchor mit einer sagenhaften Leistungsfähigkeit. Und mit der Ikone eines Leiters, dessen Interpretationen auch auf vielen Einspielungen verewigt sind: Karl Richter. In den 60ern galt der Münchner Bach-Chor zusammen mit den Berliner Philharmonikern als Botschafter deutscher Kultur und wurde vom Auswärtigen Amt in die ganze Welt entsandt. Nach Karl Richter, der 1981 überraschend verstarb, hatte es jeder neue Leiter schwer. Jetzt aber steht seit kurzem ein junger Dirigent dem Chor vor, auf den sich einige Hoffnungen richten: Hansjörg Albrecht, Dirigent, Cembalist und Organist – und sicher einer der wendigsten Musiker der jüngeren Generation.
Wie sehr er auf die Programmkonzepte des Chores einwirkt, sieht man schon jetzt. Vor allem aber durfte man den neuen frischen Wind live erleben bei der Institution des Karfreitags-Konzerts mit Bachs Matthäuspassion in der Münchner Philharmonie.
Albrecht kommt von der Ästhetik der historischen Aufführungspraxis, ohne diese allerdings strikt durchziehen zu wollen. Aus den Erfahrungen verschiedenster Stilrichtungen findet er zu einer neuen Sprache, die mutig, glaubwürdig und in sich geschlossen wirkt.
Als Dirigent des Chores und des Bach-Collegiums München ist Albrecht ganz nach altem Vorbild gleichzeitig Continuospieler und somit – wie auch die Solisten – ein Teil des Ganzen. Was dabei entsteht ist eine Matthäuspassion, der es nicht eine Sekunde lang an Konzentration mangelt, die farbig und dynamisch klingt wie schon lange nicht mehr. Sicher: Der große, durchschlagende Chorklang weicht einem eher durchsichtigen Klangbild, das gegenüber dem Vorjahr aber noch an Dynamik und Ausdrucksstärke gewonnen hat. Das Wort wird zwar nicht überbetont, aber Hansjörg Albrecht arbeitet sehr genau an dessen musikalischer Ausdeutung. Seine Zeichensprache und die Exaktheit des Dirigats machen klar, wie wichtig ihm die musikalische Rhetorik ist, die hinter dieser großartigen Komposition steckt.
Dabei gestattet er sich immer wieder eigenwillige Generalpausen, die spannungssteigernd wirken, interessante Temposteigerungen und dynamische Kontraste, die der Härte des geschilderten Geschehens Rechnung tragen.
Besonders schön gelingt der zweite Teil: Hier treibt Albrecht das Geschehen gemeinsam mit dem herausragenden Evangelisten Johannes Kalpers in einen geradezu Schwindel erregenden Strudel, schafft eine unerhörte Klimax. Die Kontraste setzt er in den ruhig betrachtenden
Arien. Hier gelingen mit großem Atmen geradezu Kleinode. Etwa die Alt-Arie "Erbarme dich" (stimmlicher Samt in Reinkultur: Elisabeth Kulman) im Zwiegespräch mit Florian Sonnleitners innigen Geigen-Tönen, aber auch die Sopranarie (schön: Brigitte Geller) "Aus Liebe will mein Heiland sterben" mit Oboen- und Flötensoli, an der Albrecht so lange formt, bis menschliche und Instrumentalstimme miteinander zu verschmelzen scheinen. Es ist echte klangästhetische Arbeit, die da geleistet wird.
Wenn man so will, liegt der einzige Schwachpunkt dieser Interpretation im Eingangschor. Hier hatte man einen Chor der Regensburger Domspatzen einbezogen (nicht den A-Chor und somit zu wenig klangintensive Stimmen), den Albrecht häufig mit dem Rest des Chores zudeckte. Und auch die Partien des Tenors (Torsten Hofmann) und des (eingesprungenen) Basses (Marcus Niedermeyr) hätte man sich stimmlich markanter besetzt gewünscht. Was auch im besonderen auf den Christus von Markus Marquardt zutrifft. Insgesamt aber ein hoch spannender Einstieg in eine neue Ära des nach wie vor außergewöhnlichen Chores, auf dessen weitere Entwicklung man sehr gespannt sein darf.
Barbara Winterstetter - DONAUKURIER - 17. April 2006

Auskosten der Affekte
"Wenn mich falsche Zungen stechen", heißt es in der "Matthäus-Passion", doch davor war der Münchener Bach-Chor mit seiner Aufführung von Johann Sebastian Bachs Oratorium am Karfreitag in der Philharmonie weit entfernt. Ausgesprochen schade, dass es im Vorfeld versäumt wurde, auf die Einführung hinzuweisen, zu der Dirigent Hansjörg Albrecht vor Konzertbeginn eingeladen hatte. Die Details, die er aus seinem außergewöhnlichen Interpretationsansatz erläuterte, hätten ein größeres Publikum erreichen sollen.
Albrecht beschränkte sich in dieser Passion nicht darauf, die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu Christi von seinen Solisten, Chor und dem Bach-Collegium München nur nacherzählen zu lassen, sondern legte mit einer naturalistischen, realen, teils gar schroffen Interpretation die Seelenzustände der in die Handlung verwickelten Personen frei. Albrecht setzte nicht auf Pathos, sondern lenkte mit außergewöhnlich straffen Tempi, scharfen, dynamischen Akzentuierungen und dem Auskosten der Affekte den Blick auf die letzten Stunden eines Gefangenen frei, der dem Tod entgegensieht. Mit Johannes Kalpers hatte er einen Evangelisten, der mit hellem, farbigem, tenoralem Timbre packend die dramatische Entwicklung schilderte. Ihm zur Seite ein sowohl markanter, als auch feinsinniger Markus Marquardt als Christus.
Das in sich
homogene Solistenensemble mit Brigitte Geller (Sopran), Elisabeth Kulman (Alt), Torsten Hofmann (Tenor) und Marcus Niedermeyr (Bariton) war inmitten von Doppelchor und -orchester platziert, wodurch es manchmal eher zu dezent wirkte. Ausgesprochen effektvoll die Doppelbesetzung mit zwei Chittaronen, sowie dem zweitem Cembalo-und Orgelspieltisch, an dem zurückhaltend souverän Olga Watts agierte, und die dramaturgisch von Petr Wagner wunderbar eingesetzte Viola da Gamba.
Dorothea Hußlein - MÜNCHNER MERKUR - 18. April 2006

ARCHIV.kulman.info 2006

Elisabeth Kulman - www.kulman.info