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Pressestimmen
Es war die 136. Vorstellung der Uralt-Inszenierung von Karl Dönch, die alle Jahre wieder um die
Weihnachtszeit in der Volksoper ins Repertoire genommen und mit beträchtlichem
Publikumserfolg (auch bei den diesmal "mucksmäuschenstillen" Kleinen) gezeigt
wird. Und wahrscheinlich ist es klug, an diesem Abend, so wie er ist, nicht zu
rühren: Denn wenn man sich schon auf "Hänsel und Gretel" einlässt, dann so – mit
Märchenwald, Knusper-Lebkuchenhaus, mit einer Hexe, die auf dem Besen in die
Lüfte reitet, und ja, auch die Engel, die den Schlaf der Kinder behüten, können
dann von Rechts wegen so golden und goldig sein (Ausstattung: Toni Businger). Das ist das Werk, und so
funktioniert es auch. Dabei ist es bis zur Pause gar nicht so furchtbar
interessant, einmal abgesehen von der Fülle bekannter Kinderlieder darin. Erst
mit dem Hexenhaus kommt Komik und sogar ein bisschen Dramatik, obwohl man
absolut nicht über den Applaus philosophieren möchte, der aufbrandet, wenn die
Hexe in den Ofen geschoben wird … und noch einmal, wenn man ihren
Lebkuchenabdruck daraus hervorzieht. Ist ja ein Märchen, da darf es bekanntlich
so grausam zu gehen wie nur möglich… Heuer ist das Geschwisterpaar meist
mit Barbara Pahya und Elisabeth Kulman und solcherart sehr
ansprechend besetzt: Die eine ist eine runde, liebe, bewegliche Gretel mit
leichtem Sopran, die andere ein schlaksiger, ausgelassener Hänsel mit
beweglichem Mezzo. Neu als ihre Eltern Heidi
Brunner als die "böse" Mutter (keine sehr ansprechende Rolle) und Einar Th. Gudmundsson, sehr sympathisch als
Vater, leider mit fast zu kleiner Stimme. Als Sandmännchen und Taumännchen
entledigen sich Reneé Schüttengruber und Martina Dorak je eines
Kurzauftritts. Star jeder "Hänsel und Gretel"-Aufführung ist die
Knusperhexe, einst eine Paraderolle von Karl Dönch, aber auch Heinz Zednik oder
Adolf Dallapozza haben in den letzten Jahren ihre Sache exzellent gemacht. Heuer
tritt wieder Mara Zampieri an, einst (in
den achtziger und neunziger Jahren) in der Staatsoper Lady Macbeth und Amelia,
Tosca und Fedora und noch viele große Damen der Opernliteratur. Keine Frage,
dass sie die Hexe – mit Riesennase, Riesenwarze und allem Fummel, den man nur
anhaben kann – sichtlich genießt. Dass ihr Deutsch wenig verständlich ist, würde
man hinnehmen, aber die Stimme ist leider eine Ruine, keine Phrase mehr, nur
noch Einzelteile. Man will gerne zugestehen, dass es bei dieser Rolle noch
verhältnismäßig am wenigsten ausmacht, das Hexenweib muss ja nicht Belcanto
singen, aber wer sie in ihren großen Zeiten gekannt hat… Wie schon bei
"Gräfin Mariza" donnerte Dirigent Andreas
Schüller die Musik auch hier ziemlich derb und kraftvoll, wobei
Humperdincks "Wagnerei" klangästhetisch so schön ist, dass man ihr wenig anhaben
kann. Und wie auch bei "Gräfin Mariza" saß der künftige Direktor Robert Meyer in der Loge und eignete sich das
Repertoire "seines" Hauses (demnächst sein Haus, um korrekt zu sein) an. Und es
wäre zu wünschen, dass seine Spielplanideen wieder in Richtung selten gespielter
Werke (auch im deutschen Repertoire) geht, wie es einst die absolute Stärke der
Volksoper war, und man nicht unbedingt auf dem Weg weitermacht, dieselben Stücke
wie die Staatsoper zu spielen (von "Carmen" bis "Figaro") – dazu braucht man
kein zweites Opernhaus, und damit wird es auch nicht ein zweites erstes Haus.
Das geht nur mit absolutem Eigenprofil auch in der Werkwahl.
Renate Wagner - Der neue Merker - 21. Dezember 2006

Zu den schönsten, wichtigsten, wertvollsten und auch spannensten Bühnenproduktionen, die derzeit zu sehen sind, zählt zweifellos "Hänsel und Gretel" an der Wiener Volksoper. Das wäre ja noch keine Kunst, könnte man einwerfen, denn so viele wichtige Produktionen gibt es auch nicht. Aber wenn es um die kleinen Besucher geht, und um die sollte es ja viel öfter gehen, ist das, was diesfalls zu erleben ist, superlativisch und längst ein Pflichttermin in der Weihnachtszeit.
Uralt ist sie schon, die Inszenierung von Karl Dönch, der einst selbst die Hexe war, nämlich aus dem Jahr 1985. Das macht aber gar nix, weil Qualität Bestand hat, und weil es bei einem Märchen sogar sympathisch ist, wenn es eine gewisse Patina hat. Und allerlei wichtige Sänger in der Geschichte dieses Hauses - Heinz Zednik, Alexandra Reinprecht, Fritzi Prager etc. - haben in dieser Humperdinck-Oper am Gürtel schon in verschiedenen Rollen mitgewirkt.
Diesmal ist wieder Mara Zampieri die Hexe, die am Ende ausgebuht wird - bestimmt nur deshalb, weil sie so böse ist. In den Titelrollen sind Elisabeth Kulman und Barbara Payha zu hören, die ein süßes Paar bilden. Einar Gudmundsson war erstmals der Vater, und noch dazu ein mächtiger. Heidi Brunner ist eine tadellose Mutter. Renée Schüttengruber (Sandmännchen), Martina Dorak (Taumännchen) und viele entzückende Kinder als Engel komplettieren das Ensemble.
Am Pult stand Andreas Schüller, der weniger überzeugte als zuletzt bei der "Gräfin Mariza". Aber was macht das schon bei den vielen strahlenden Augen.
Gert Korentschnig - KURIER - 22. Dezember 2006
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