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Oper

Friedrich von Flotow: Martha

Ort
Wiener Volksoper

Termine
Samstag, 24. Februar 2006 - 19.00 Uhr (Rollendebüt)
Mittwoch, 1. März 2006 - 19.00 Uhr
Samstag, 4. März 2006 - 19.00 Uhr

Besetzung
Martha: Alexandra Reinprecht
Nancy: Elisabeth Kulman
Lyonel: Mehrzad Montazeri, Ismael Jordi
Plumkett: Anton Scharinger, Michail Schelomianski
Lord Tristan Mickleford: Klaus Kuttler
Der Richter von Richmond: Josef Forstner, Markus Raab

Dirigent: Alfred Eschwé

Inszenierung: Michael McCaffery
Ausstattung: Julian McGowan
Dramaturgie: Birgit Meyer

Programm
Friedrich von Flotow: Martha, 1847

Text
Liebevoll und detailgetreu erzählt Michael McCafferys Inszenierung die Geschichte in ihrer Originalspielzeit, in England im Jahr 1710.

Inhalt: Einmal im Leben in die Rolle eines anderen schlüpfen! Davon träumt Lady Harriet Durham, Ehrenfräulein am Hof der Königin. Von ihrem aristokratischen Dasein zutiefst gelangweilt, sehnt sie sich nach einem Ausflug ins "richtige" Leben. Gemeinsam mit ihrer Vertrauten Nancy begibt sie sich als Magd verkleidet auf den Markt von Richmond. Schnell findet Lady Harriet einen Pächter, den jungen Lyonel, und aus dem heiteren Vergnügen wird bitterer Ernst: Lyonel verliebt sich Hals über Kopf in seine neue Dienstmagd mit Namen "Martha" und ist ein gebrochener Mann, als diese über Nacht die Flucht ergreift: "Martha, Martha, du entschwandest und mein Glück nahmst du mit dir!"

Links
Wiener Volksoper: www.volksoper.at

 

Martha an der Wiener Volksoper

"Martha" an der Wiener Volksoper

 

Presse

Pressestimmen

Nicht denken - genießen!
Martha in der Wiener Volksoper - da müssen sie jubilieren, die Anhänger des althergebrachten, schönen und nur repetierenden Regiestils: Ohne gedankliche Arbeit investieren zu müssen, kann jeder dem Stück problemlos folgen. Niemand wird vor den Kopf gestoßen, Bühnenbilder und Kostüme (Julian McGowan) sind ganz reizend, und Michael McCaffery inszenierte diese kunstvollste aller komischen Opern der deutschen Romantik mit Witz, Geist und beinahe ohne Klamauk.
Dass nicht jedes Detail, zumal im zweiten Teil, mit logischer Aktion ausgefüllt ist, sondern dann und wann doch nur statisch ruht, tut dem Ganzen keinen Abbruch.
Den Sängern ist viel Raum zum Ausleben individueller Natur gewährt: Alexandra Reinprecht füllte die Bühne mit Charme und wechselte meisterhaft von der gelangweilten Lady Harriet zur lieblichen Magd Martha. Nur: dass sie die höheren Regionen ihrer Stimme nicht ganz im Griff hatte, trübte das Vergnügen immer wieder erheblich.
Ihre Partnerin Elisabeth Kulman stand ihr komödiantisch in nichts nach, wusste aber ihren ruhig geführten, satten Mezzo tadellos einzusetzen.
Mehrzad Montazeri versah den Lyonel mit ausreichend tenoralem Schmelz, Klaus Kuttlers rosa gepuderter Tristan war ein großer Spaß, ebenso der leider stimmkranke Plumkett Anton Scharinger.
All das leitete Alfred Eschwé mit Verve, auch wenn's ab und an ein bisschen derb klang.
Resümee? Wollen Sie Ihren Intellekt schärfen, lesen Sie ein Buch. Für zweieinhalb Stunden nette Unterhaltung lohnt sich jedoch der Weg in die Volksoper.
M
arkus Hennerfeind - WIENER ZEITUNG - 28. Februar 2006

Die Wiederaufnahme dieser Erfolgsproduktion sollte die Auslastungszahlen doch deutlich positiv beeinflussen. Die Inszenierung von Michael McCaffery in der Ausstattung von Julian McGovan ist werkentsprechend, ästhetisch, praktikabel und kommt dem eher konservativen Publikumsgeschmack sehr entgegen.
Von den Sängern ist erfreulicherweise nur Positives zu berichten. Alexandra Reinprecht ist mit dem Verlauf ihrer Karriere offensichtlich auf dem richtigen Weg. Ihre Martha ist eine reine Freude. Sie kann alle Dimensionen dieser Rolle, die gelangweilte junge Adelige genauso wie die völlig unfähige Magd, aber auch die eher spät aufkeimende Liebe zu Lyonel mit ihrem schönen Sopran zum Ausdruck bringen. Eine große Überraschung bot Mehrzad Montazeri als Lyonel. Mit schönem lyrischen Tenor bringt er die Highlights dieser dankbaren Rolle zum Klingen. Er spielt auch glaubhaft den Verliebten und den - wegen der Zurückweisung - Verzweifelten mit schönen Lyrismen und sicheren Höhen. Das zweite Paar erreichte ebenfalls sehr hohes Niveau.
Elisabeth Kulman ist eine sehr gute Nancy, sieht blendend aus und verfügt über einen substanzreichen Mezzosopran. Die dankbare Rolle des Plumkett liegt Anton Scharinger bestens in der Kehle. Seinem wohltimbrierten Bass kommt diese Partie sehr entgegen. Der leicht degenerierte Lord Tristan wird von Klaus Kuttler köstlich interpretiert. Josef Forstner ergänzt zufriedenstellend als Richter.
Das Orchester wurde von Alfred Eschwé sehr gut auf diese Aufführung vorbereitet. Ein kleiner Wermutstropfen ist die enorme Lautstärke insbesondere des Blechs, was oft dazu führt, dass die anderen Orchestergruppen kaum mehr hörbar sind, wodurch die akustische Balance beeinträchtigt wird. Auch der Chor war auf der Höhe seiner Aufgabe.
Das Publikum zeigte sich sehr angetan und spendete viel Applaus, verstärkt noch durch zahlreiche Bravorufe. Es hat sich klar gezeigt, dass die Volksoper trotz aller Unkenrufe und widriger Rahmenbedingungen sehr wohl imstande ist, Aufführungen von hoher künstlerischer Qualität zu produzieren. Die Konsequenz müsste jetzt sein, rasch die Weichen für eine gesicherte Zukunft zu stellen.
Hans Sabaditsch - DER NEUE MERKER - März 2006 

Wenn ein Opernhaus innerhalb einer Woche eine Premiere und eine (geprobte!) Wiederaufnahme zusammen bringt, ist das überall auf der Welt mehr als lediglich Tagesroutine. Für die Volksoper als eigenständige Institution gehört in diesem Zusammenhang - denn das oben Genannte hat sich hier ereignet - der symbolische Ruf "vor den Vorhang".
Zur Aufführung - mit all ihren Stärken und Schwächen.
Diese Wiederaufnahme - mit Rollendebuts von Lyonel und Nancy - wurde also eingehend geprobt. Dass diese Probenarbeit die Inszenierung auch nicht rettet, liegt aber daran, dass die Regie, das Bühnenbild und die Kostüme schon anlässlich der Premiere im Herbst 2003 extrem altmodisch waren (selbst die legendäre "Tosca"-Inszenierung der Staatsoper, die kürzlich zum 500. Mal (!) gezeigt worden ist, wirkt im Vergleich zeitloser).
Alexandra Reinprecht hat die Martha schon in der Premiere und seither immer wieder gesungen. Sie füllt die Rolle aus, beweist ihre Musikalität und ersingt sich den Beifall des Publikums zu Recht. Ihren Vetter Tristan singt Klaus Kuttler, den das Publikum in dieser Rolle auch schon gut kennt und der mit Routine seine Qualitäten zeigt. Nicht ganz auf der Habenseite dieses Abends steht diesmal Anton Scharinger, der hörbare stimmliche Probleme hatte und den Plumkett schon besser gesungen hat.
Rollendebüt eins bot Mehrzad Montazeri, der erstmals im Haus am Währinger Gürtel den Lyonel spielte und sang. Zu Beginn noch etwas zurückhaltend, bot er vor allem nach der Pause eine mehr als achtbare Leistung. Sollte mein Gefühl nicht ganz falsch sein, wächst mit ihm ein kommender Mozart-Tenor heran - und so einen Sänger sucht die ganze Welt. Die Direktion sollte ihn hüten und fördern.
Das zweite Rollendebüt kam von Elisabeth Kulman, bei der die in dieser Inszenierung sehr blasse Nancy plötzlich zum Menschen wird. Man kann diese Figur also nicht nur (im konkreten Fall sehr schön) singen, sondern auch spielen! Und in beiden Komponenten war Kulman (erwartungsgemäß) mehr als rollendeckend und deutlich überzeugender als Vorgängerinnen. Es sei am Rande und ergänzend festgehalten, dass ihre Stimme immer schöner wird (und meine ganz persönliche Wunschliste für künftige Rollen umfangreicher). In einem Ranking der Haussänger, wäre sie in ihrer Stimmlage die unbestritene Nummer eins.
Nicht ganz überzeugend waren an diesem Abend Dirigent (Alfred Eschwé) und Orchester. Jedenfalls von meinem Platz (18. Reihe links) klang es im Graben häufig laut, wenig differenziert und blechlastig.
Gesamteindruck: Hingehen und zuhören!

Michael Koling - YAHOO! GROUP Vopera - 26. Februar 2006

Es ist sehr erfreulich und erholsam, diese Oper ganz ohne Neudeutungen erleben zu dürfen. Richmond bleibt Richmond (obwohl Castrop Rauxel im Jahr 2006 auch denkbar wäre), die wunderbaren Melodien sind in musikalisch gutem Zustand präsentiert worden. Alfred Eschwe sorgte dafür, dass das Volksopernorchester seine Vorzüge deutlich machte. Alexandra Reinprecht als Martha bot eine sehr gute Leistung, auch wenn sie ihre Stimme erst nach einer Anlaufzeit entfalten konnte. Mitunter wirkt es dann fast zu laut, aber die "Letzte Rose" war doch sehr berührend gesungen. Sehr gut auch Elisabeth Kulman als Nancy, es ist selten, einen so kultivierten Mezzo zu hören. Ismael Jordi war der Lyonel, seine schlanke Stimme war durchaus passend, allerdings musste man doch gewisse Grenzen des Volumens feststellen. Sehr gut auch Anton Scharinger als Plumkett. Den Minuspunkt des Abends darf man dem Publikum überreichen, es war erschreckend, wie dünn besetzt  das Haus war, auch in Anbetracht der vielen, die sich lieber in Heringsfässer zurückzogen. Der Anwesenden waren jedenfalls sehr geizig mit Applaus, das dämpfte die Stimmung unverdienterweise beträchtlich.
members.chello.at/marksown - 1. März 2006

ARCHIV.kulman.info 2006

Elisabeth Kulman - www.kulman.info