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Pressestimmen
Nicht
denken - genießen! Martha in der Wiener Volksoper
- da müssen sie jubilieren, die Anhänger des althergebrachten,
schönen und nur repetierenden Regiestils: Ohne gedankliche
Arbeit investieren zu müssen, kann jeder dem Stück problemlos
folgen. Niemand wird vor den Kopf gestoßen, Bühnenbilder
und Kostüme (Julian McGowan) sind ganz reizend, und
Michael McCaffery inszenierte diese kunstvollste aller
komischen Opern der deutschen Romantik mit Witz, Geist
und beinahe ohne Klamauk. Dass nicht jedes Detail,
zumal im zweiten Teil, mit logischer Aktion ausgefüllt
ist, sondern dann und wann doch nur statisch ruht, tut
dem Ganzen keinen Abbruch. Den Sängern ist viel Raum
zum Ausleben individueller Natur gewährt: Alexandra
Reinprecht füllte die Bühne mit Charme und wechselte
meisterhaft von der gelangweilten Lady Harriet zur lieblichen
Magd Martha. Nur: dass sie die höheren Regionen ihrer
Stimme nicht ganz im Griff hatte, trübte das Vergnügen
immer wieder erheblich. Ihre
Partnerin Elisabeth Kulman stand ihr komödiantisch in
nichts nach, wusste aber ihren ruhig geführten, satten
Mezzo tadellos einzusetzen. Mehrzad
Montazeri versah den Lyonel mit ausreichend tenoralem
Schmelz, Klaus Kuttlers rosa gepuderter Tristan war
ein großer Spaß, ebenso der leider stimmkranke Plumkett
Anton Scharinger. All das leitete Alfred Eschwé mit
Verve, auch wenn's ab und an ein bisschen derb klang. Resümee?
Wollen Sie Ihren Intellekt schärfen, lesen Sie ein Buch.
Für zweieinhalb Stunden nette Unterhaltung lohnt sich
jedoch der Weg in die Volksoper. Markus
Hennerfeind - WIENER ZEITUNG - 28. Februar 2006

Die Wiederaufnahme dieser
Erfolgsproduktion sollte die Auslastungszahlen doch
deutlich positiv beeinflussen. Die Inszenierung von
Michael McCaffery in der Ausstattung von Julian McGovan
ist werkentsprechend, ästhetisch, praktikabel und kommt
dem eher konservativen Publikumsgeschmack sehr entgegen. Von
den Sängern ist erfreulicherweise nur Positives zu berichten.
Alexandra Reinprecht ist mit dem Verlauf ihrer Karriere
offensichtlich auf dem richtigen Weg. Ihre Martha ist
eine reine Freude. Sie kann alle Dimensionen dieser
Rolle, die gelangweilte junge Adelige genauso wie die
völlig unfähige Magd, aber auch die eher spät aufkeimende
Liebe zu Lyonel mit ihrem schönen Sopran zum Ausdruck
bringen. Eine große Überraschung bot Mehrzad Montazeri
als Lyonel. Mit schönem lyrischen Tenor bringt er die
Highlights dieser dankbaren Rolle zum Klingen. Er spielt
auch glaubhaft den Verliebten und den - wegen der Zurückweisung
- Verzweifelten mit schönen Lyrismen und sicheren Höhen.
Das zweite Paar erreichte ebenfalls sehr hohes Niveau.
Elisabeth
Kulman ist eine sehr gute Nancy, sieht blendend aus
und verfügt über einen substanzreichen Mezzosopran.
Die dankbare Rolle des Plumkett liegt Anton Scharinger
bestens in der Kehle. Seinem wohltimbrierten Bass kommt
diese Partie sehr entgegen. Der leicht degenerierte
Lord Tristan wird von Klaus Kuttler köstlich interpretiert.
Josef Forstner ergänzt zufriedenstellend als Richter. Das
Orchester wurde von Alfred Eschwé sehr gut auf diese
Aufführung vorbereitet. Ein kleiner Wermutstropfen ist
die enorme Lautstärke insbesondere des Blechs, was oft
dazu führt, dass die anderen Orchestergruppen kaum mehr
hörbar sind, wodurch die akustische Balance beeinträchtigt
wird. Auch der Chor war auf der Höhe seiner Aufgabe. Das
Publikum zeigte sich sehr angetan und spendete viel
Applaus, verstärkt noch durch zahlreiche Bravorufe.
Es hat sich klar gezeigt, dass die Volksoper trotz aller
Unkenrufe und widriger Rahmenbedingungen sehr wohl imstande
ist, Aufführungen von hoher künstlerischer Qualität
zu produzieren. Die Konsequenz müsste jetzt sein, rasch
die Weichen für eine gesicherte Zukunft zu stellen. Hans
Sabaditsch - DER NEUE MERKER - März 2006

Wenn ein Opernhaus innerhalb einer Woche eine Premiere und eine
(geprobte!) Wiederaufnahme zusammen bringt, ist das überall auf der Welt
mehr als lediglich Tagesroutine. Für die Volksoper als eigenständige
Institution gehört in diesem Zusammenhang - denn das oben Genannte hat sich
hier ereignet - der symbolische Ruf "vor den Vorhang". Zur Aufführung
- mit all ihren Stärken und Schwächen. Diese Wiederaufnahme - mit
Rollendebuts von Lyonel und Nancy - wurde also eingehend geprobt. Dass diese
Probenarbeit die Inszenierung auch nicht rettet, liegt aber daran, dass die
Regie, das Bühnenbild und die Kostüme schon anlässlich der Premiere im Herbst
2003 extrem altmodisch waren (selbst die legendäre "Tosca"-Inszenierung der
Staatsoper, die kürzlich zum 500. Mal (!) gezeigt worden ist, wirkt im
Vergleich zeitloser). Alexandra
Reinprecht hat die Martha schon in der Premiere und seither immer
wieder gesungen. Sie füllt die Rolle aus, beweist ihre Musikalität und
ersingt sich den Beifall des Publikums zu Recht. Ihren Vetter Tristan
singt Klaus Kuttler, den das Publikum in dieser Rolle auch schon gut
kennt und der mit Routine seine Qualitäten zeigt. Nicht ganz auf der
Habenseite dieses Abends steht diesmal Anton Scharinger, der hörbare
stimmliche Probleme hatte und den Plumkett schon besser gesungen hat. Rollendebüt eins bot Mehrzad Montazeri, der erstmals im Haus am
Währinger Gürtel den Lyonel spielte und sang. Zu Beginn noch etwas
zurückhaltend, bot er vor allem nach der Pause eine mehr als achtbare
Leistung. Sollte mein Gefühl nicht ganz falsch sein, wächst mit ihm ein
kommender Mozart-Tenor heran - und so einen Sänger sucht die ganze Welt. Die
Direktion sollte ihn hüten und fördern. Das zweite Rollendebüt kam von
Elisabeth Kulman, bei der die in dieser Inszenierung sehr blasse Nancy
plötzlich zum Menschen wird. Man kann diese Figur also nicht nur (im
konkreten Fall sehr schön) singen, sondern auch spielen! Und in beiden
Komponenten war Kulman (erwartungsgemäß) mehr als rollendeckend und deutlich
überzeugender als Vorgängerinnen. Es sei am Rande und ergänzend
festgehalten, dass ihre Stimme immer schöner wird (und meine ganz
persönliche Wunschliste für künftige Rollen umfangreicher). In einem Ranking
der Haussänger, wäre sie in ihrer Stimmlage die unbestritene Nummer
eins. Nicht
ganz überzeugend waren an diesem Abend Dirigent (Alfred Eschwé) und
Orchester. Jedenfalls von meinem Platz (18. Reihe links) klang es im
Graben häufig laut, wenig differenziert und blechlastig. Gesamteindruck: Hingehen und zuhören! Michael
Koling - YAHOO! GROUP Vopera - 26. Februar 2006

Es ist sehr erfreulich und erholsam, diese Oper ganz ohne Neudeutungen erleben zu dürfen. Richmond bleibt Richmond (obwohl Castrop Rauxel im Jahr 2006 auch denkbar wäre), die wunderbaren Melodien sind in musikalisch gutem Zustand präsentiert worden. Alfred Eschwe sorgte dafür, dass das Volksopernorchester seine Vorzüge deutlich machte. Alexandra Reinprecht als Martha bot eine sehr gute Leistung, auch wenn sie ihre Stimme erst nach einer Anlaufzeit entfalten konnte. Mitunter wirkt es dann fast zu laut, aber die "Letzte Rose" war doch sehr berührend gesungen. Sehr gut auch Elisabeth Kulman als Nancy, es ist selten, einen so kultivierten Mezzo zu hören. Ismael Jordi war der Lyonel, seine schlanke Stimme war durchaus passend, allerdings musste man doch gewisse Grenzen des Volumens feststellen. Sehr gut auch Anton Scharinger als Plumkett. Den Minuspunkt des Abends darf man dem Publikum überreichen, es war erschreckend, wie dünn besetzt das Haus war, auch in Anbetracht der vielen, die sich lieber in Heringsfässer zurückzogen. Der Anwesenden waren jedenfalls sehr geizig mit Applaus, das dämpfte die Stimmung unverdienterweise beträchtlich.
members.chello.at/marksown - 1. März 2006
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