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Oper

Giacomo Puccini: Madama Butterfly

Ort
Wiener Staatsoper

Termine
Sonntag, 4. März 2007 - 19.00 Uhr

Besetzung
Butterfly: Hui He
Suzuki: Elisabeth Kulman
Pinkerton: Kamen Chanev
Sharpless: Boaz Daniel
Kate Pinkerton: Waltraud Winsauer
Goro: Benedikt Kobel
Yamadori: Peter Jelosits
Onkel Bonze: Alexandru Moisiuc
Kommissär: Marcus Pelz

Dirigent: Michael Halász

Nach einer Inszenierung von: Josef Gielen
Bühnenbild und Kostüme: Tsugouharu Foujita

Programm
Giacomo Puccini: Madama Butterfly

Text
Inhalt:
ERSTER AKT
In der Nähe von Nagasaki besichtigt der Leutnant der amerikanischen Marine Pinkerton ein Häuschen, das er von dessen Eigentümer Goro mieten will. Hier will er seine Flitterwochen mit der japanischen Geisha Cio-cio-San verbringen, mit jenem Mädchen, das er mit einem Schmetterling vergleicht und das er nach der damals tolerierten Sitte in temporärer Ehe zur Gattin zu nehmen gedenkt. Was Suzuki, Butterflys Dienerin, und Goro ihm von seiner Braut erzählen, kann seinen Leichtsinn nicht ändern, ebensowenig das Mitleid, das der amerikanische Konsul Sharpless zum Ausdruck bringt. Sie stoßen miteinander an, aber der Toast Pinkertons gilt Amerika und allem, was ihn an Amerika bindet.
Cio-cio-san erscheint, begleitet von ihren Freundinnen. Während die Hochzeitszeremonie vorbereitet wird, erzählt sie von ihrem Leben, ihrer Familie. Die Familie verarmte durch den Selbstmord ihres Vaters. Sie erzählt Pinkerton auch davon, daß sie seinen Glauben angenommen hat.
Dieses Zeichen der Liebe führt sofort nach der Zeremonie zu einem Zwischenfall: ihr Onkel, ein buddhistischer Priester, kommt, um sie wegen ihres Abfalls vom Glauben zu verfluchen. Doch mehr als das würde Butterfly opfern, um ihrem Gemahl gefällig zu sein. Und im Zauber der hereinbrechenden Nacht fühlt auch der Fremde für Augenblicke die Größe des Herzens, das ihm entgegenschlägt.

ZWEITER AKT
Drei Jahre wartet Cio-cio-San bereits auf ihren Gatten, dem sie ein Söhnchen geboren hat. Pinkerton hatte ihr vor seiner Abreise versprochen, zurückzukommen. In Gedanken sieht sie sein Schiff, aber auch die Gebete Suzukis, ihrer Dienerin, vermögen nicht, den Ersehnten herbeizubringen. Sharpless tritt ein; aber seine Mission geht über seine Kraft: er soll Cio-cio-San mitteilen, daß Pinkerton in Amerika geheiratet habe, daß die Geisha wieder frei sei. Cio-cio-San läßt den Konsul kaum lesen, was in Pinkertons Brief steht, außer sich vor Freude, endlich etwas von ihrem Geliebten zu hören, frägt sie. Goro hat von der Heirat Pinkertons erfahren und bringt den reichen Yamadori als Freier mit. In der Meinung, Sharpless habe Butterfly bereits unterrichtet, unterbreiten sie ihren Vorschlag und werden von der Ahnungslosen entrüstet zurückgewiesen. Goro hat aber eine Neuigkeit: Pinkertons Schiff werde im Hafen erwartet. Butterflys Freude ist so groß, daß Sharpless noch immer nicht den Mut findet, ihr die Wahrheit zu sagen. Sein Rat, Yamadori zu heiraten, findet nur Unverständnis. Sieht er denn nicht, daß sie und Pinkerton zusammengehören, sieht er es nicht in den Augen ihres Kindes? In ihrem geschmückten Haus wartet Butterfly mit ihrer Dienerin eine Nacht lang, eine letzte Nacht noch, auf ihren Gatten.

DRITTER AKT
Erst gegen Morgen ist Cho-cho-San vom Schlaf überwältigt worden. Als Pinkerton in Begleitung des Konsuls kommt, wird er von Suzuki empfangen. Ihre Schilderung von Butterflys Treue greift ihm ans Herz. Doch Suzuki muß sehen, daß das Verhängnis nicht mehr aufzuhalten ist: im Garten erblickt sie die Gattin Pinkertons, die Frau, die er aus Amerika mitgebracht hat. Von Reue gepackt, flieht Pinkerton, Kate und der Konsul sind erschüttert. Madame Butterfly erfaßt mit einem Blick die Situation. Ihre freudige Erregung weicht einer beängstigenden Ruhe: sie gibt dem Drängen nach, ihr Kind dem Vater zu übergeben, er selbst möge es in kurzer Zeit abholen. Allein geblieben, nimmt Butterfly Abschied von ihrem Kind. Dann tötet sie sich nach der Sitte ihrer Väter. "Ehrenvoll zu sterben, wer nicht länger in Ehren leben kann."

Link
Wiener Staatsoper: www.staatsoper.at

 

Madama Butterfly an der Wiener Staatsoper

Madama Butterfly an der Wiener Staatsoper

 

Presse

 

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Pressestimmen

Unter Denkmalschutz
Das böse Erwachen kam, als es, wie immer, zu spät war: Madama Butterfly musste wieder einmal erkennen, dass schöne Worte den Moment versüßen, aber oft nicht mehr bedeuten.
Zum 324. Mal ging die alte Inszenierung von (oder eher nach) Josef Gielen, mit Bühnenbild und Kostümen (Tsugouharu Foujita) im liebenswürdig kitschigen Fernost-Look über die Staatsopernbühne. Irgendwann sollte sich der Denkmalschutz einschalten, und solche Überbleibsel aus der Frühzeit der Nachkriegs-Staatsoper vor der Zerstörung bewahren. Nur aus historischen Gründen.
Die aktuelle Aufführung ist nur zum Teil angetan, der Nachwelt erhalten bleiben zu müssen: Hui He lässt ihre Butterfly recht statisch und wunderbar naiv auf den Herrn Leutnant reinfallen, ist ganz in ihrer Scheinwelt aus Pappe und schönem Stoff gefangen. Eine gesunde Stimme nennt sie obendrein ihr Eigen, kann auch ordentlich aufdrehen, ohne aus der Fassung zu geraten. Fast außergewöhnlich also.

Gleiches gilt für
Elisabeth Kulman (Suzuki-Rollendebüt), deren einst blitzsauberer Sopran wunderbar verdunkelt ist und als veritabler Alt herhalten kann.
Weniger erfreulich die Herren: Kamen Chanev (Pinkerton) singt zwar hervorragend. Nur fehlt ihm auf die Wiener Staatsoper zumindest eine Schuhnummer an Stimmvolumen. Ähnliches könnte für Boaz Daniel gelten, doch ist der Sharpless als Figur wohl nicht lohnend genug für einen Gast.
Michael Halász werkte routiniert im Graben, konnte dennoch nicht jeden kleinen Wackler zwischen Bühne und Orchester rechtzeitig abfangen. Etwa fünf Minuten kräftiger Applaus. Die aktuelle Aufführung ist nur zum Teil angetan, der Nachwelt erhalten bleiben zu müssen: Hui He lässt ihre Butterfly recht statisch und wunderbar naiv auf den Herrn Leutnant reinfallen, ist ganz in ihrer Scheinwelt aus Pappe und schönem Stoff gefangen. Eine gesunde Stimme nennt sie obendrein ihr Eigen, kann auch ordentlich aufdrehen, ohne aus der Fassung zu geraten. Fast außergewöhnlich also.
Markus Hennerfeind - WIENER ZEITUNG - 6. März 2007

Bereits zum 324.Mal wurde die dienstälteste Inszenierung des Hauses aufgeführt – und nach wie vor wird dem Auge – und dieses Mal auch dem Ohr – etwas außergewöhnliches geboten.
Ich bin relativ oft in Japan und daher schätze ich wirklich die Ausstattung und das Bühnenbild von Tsugouharu Foujita, die – natürlich stilisierend – dem Japan der Meiji-Periode sehr gut nachempfunden ist. Dass der Hochzeitskimono nicht wirklich einer war, fällt wahrscheinlich nur Experten auf, dafür hat dann die Ärmellänge des Kimonos im 2. und 3.Akt gepasst (kurze Ärmel bei verheirateten Frauen).
Nach dem Rummel um Anna & Co. am Vortag zog wieder der Alltag ins Haus an der Ringstraße ein – oder doch nicht ganz? Ich bin mir nicht sicher – lag es am Stück, am Thema, am Dirigat oder an den Sängern ? – auf jeden Fall hat mich vom ersten Ton weg bis ganz zum Schluss diese Vorstellung emotionell bei weitem mehr berührt als am Vortag „Manon“.
Michael Halász ließ die Philharmoniker schwelgen, differenzierte vielleicht nicht ganz genau, aber das ist bei Puccini sicherlich nicht das wichtigste – ich denke, da geht es um große Gefühle und Emotionen, man soll, kann und will sich da reinfallen lassen.
Benedikt Kobel
gab den Goro zum ersten Mal und ich war angenehm überrascht von seiner Leistung. Er hat den Heiratsvermittler gut dargestellt und ist ein Gewinn in dieser Rolle. Seit Wozzeck habe ich ihn nicht mehr so überzeugend gehört.
Die anderen kleineren Rollen wurden rollendeckend besetzt – Marcus Pelz
(Kommissär), Peter Jelosits als Yamadori und Alexandru Moisiuc als Onkel Bonze waren solide. Waltraud Winsauer, die in der Rolle als Kate Pinkerton vor 31 Jahren im Haus debütierte, war zumindest von meinem Platz auf der Galerie aus kaum zu hören.
Ein weiteres sehr erfreuliches Rollendebüt gab Elisabeth Kulman – da wächst ein weiterer viel versprechender Mezzosopran heran. Mir gefiel sie schon sehr als Orlofsky, dieses Mal überzeugte sie mich als Suzuki. Sehr schöne Höhen und auch die Mittellage und tieferen Töne gelangen ausgezeichnet, dazu auch schauspielerisch überzeugend. Ich hoffe, sie bald öfters am Ring zu hören.
Der letzte Rollendebütant war Kamen Chanev
, ein junger bulgarischer Tenor, der das Publikum überzeugte und zu etlichen Bravo-Rufen animierte. Eine schöne, kraftvolle und leicht metallische Stimme, die aber sehr flexibel ist, brachte ihn großen Erfolg. Und dies trotz der Tatsache, dass er den meiner Meinung nach fiesesten Bösewicht der Opernliteratur darstellte, dieses abgrundtief verachtenswerte amerikanische Weichei B.F. Pinkerton. Jedes Mal dreht es mir den Magen um, wenn ich das Libretto lese – leider gibt es diese so typisch amerikanische Überheblichkeit noch heute, wo man über jede andere Art von Kultur einfach drüberfährt und sich dann wundert, wenn einen die Menschen nicht wollen…
Der neben Adrian Eröd sicherlich vielversprechendste junge Bariton im Ensemble ist Boaz Daniel
. Es ist ein Vergnügen die Entwicklung des jungen Israelis mitzuverfolgen. Ich möchte aber trotz aller Begeisterung anmerken, dass er vielleicht für den Sharpless zu jung ist – sowohl vom Aussehen her als auch stimmlich. Technisch hat er alles drauf – es fehlen ihm die Jahre, die den Pragmatismus, der die Rolle verlangt, noch überzeugender zu bringen.
Großartig war Hui He
in ihrer Paraderolle als Cio-Cio-San. Mit ihrem Volumen füllte dieser Spinto-Sopran die Staatsoper mühelos aus. Obwohl körperlich nicht unbedingt, wie Cio-Cio-San geschildert wird, gelang es ihr, die Zerbrechlichkeit dieses japanischen Teenagers, der in seiner Naivität nicht sehen und verstehen kann, was da in Wirklichkeit abgeht, überzeugend zu gestalten. Erschütternd die durch den Zwischenvorhang unterbrochene Nachtwache zwischen dem 2. und 3.Akt, als sie dann im Morgengrauen noch immer ungerührt auf den Vater ihres Sohnes wartete. Berechtigter Jubel für eine tolle Leistung!
Und vielleicht liegt es doch am Stück, dass die "Butterfly" einen fixen Platz an den großen Opernbühnen hat und dass man "Manon" nur als Event verkaufen kann …

Kurt Vlach - DER NEUE MERKER - 5. März 2007

Welche Produktion setzt die Staatsoper nach einer aufwendigen, großen Premiere wie Massenets "Manon" auf den Spielplan? Im Zweifelsfall Puccinis "Madama Butterfly". Denn hier sind die Kulissen nach einer Inszenierung von Josef Gielen, die heuer bereits 50 Jahre alt wird, leicht aufbaubar. Hier können sich auch Debütanten in diversen Rollen bewähren
WIe etwa der bulgarische Tenor Kamen Chanev. Er ist ein ordentlicher, noch etwas ungeschliffener Pinkerton, dem zumindest bei seinerm Debüt die nötige Strahlkraft fehlte. Dennoch eine anständige Leistung.
Gleiches gilt für Elisabeth Kulman, die im Haus am Ring erstmals die Suzuki sang.
Sie verfügt über einen schönen, warm timbrierten Mezzo und überzeugt in vielen Szenen.
Star des Abends jedoch war einmal mehr die chinesische Sopranistin Hui He als sehr dramatische, expressive, dabei tragisch liebende Butterfly. Längst bewärt hat sich der Bariton Boaz Daniel in der Rolle des Konsul Sharpless. Sicher und meist Rollen deckend agierte auch das übrige Ensamble. Ordentlich, mitunter animiert das Orchester unter Dirigent Michael Halász. Solides Repertoire eben.
Peter Jarolin - KURIER - 6. März 2007

ARCHIV.kulman.info 2007

Elisabeth Kulman - www.kulman.info