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Pressestimmen
Unter Denkmalschutz
Das böse Erwachen kam, als es, wie immer, zu spät war:
Madama Butterfly musste wieder einmal erkennen, dass schöne Worte den Moment
versüßen, aber oft nicht mehr bedeuten.
Zum 324. Mal ging die alte Inszenierung von (oder eher nach) Josef Gielen,
mit Bühnenbild und Kostümen (Tsugouharu Foujita) im liebenswürdig kitschigen
Fernost-Look über die Staatsopernbühne. Irgendwann sollte sich der Denkmalschutz
einschalten, und solche Überbleibsel aus der Frühzeit der Nachkriegs-Staatsoper
vor der Zerstörung bewahren. Nur aus historischen Gründen.
Die aktuelle Aufführung ist nur zum Teil angetan, der Nachwelt erhalten bleiben
zu müssen: Hui He lässt ihre Butterfly recht statisch und wunderbar naiv auf den
Herrn Leutnant reinfallen, ist ganz in ihrer Scheinwelt aus Pappe und schönem
Stoff gefangen. Eine gesunde Stimme nennt sie obendrein ihr Eigen, kann auch
ordentlich aufdrehen, ohne aus der Fassung zu geraten. Fast außergewöhnlich
also.
Gleiches gilt für Elisabeth Kulman (Suzuki-Rollendebüt), deren einst
blitzsauberer Sopran wunderbar verdunkelt ist und als veritabler Alt herhalten
kann.
Weniger erfreulich die Herren: Kamen Chanev (Pinkerton) singt zwar
hervorragend. Nur fehlt ihm auf die Wiener Staatsoper zumindest eine Schuhnummer
an Stimmvolumen. Ähnliches könnte für Boaz Daniel gelten, doch ist der Sharpless
als Figur wohl nicht lohnend genug für einen Gast.
Michael Halász werkte routiniert im Graben, konnte dennoch nicht jeden
kleinen Wackler zwischen Bühne und Orchester rechtzeitig abfangen. Etwa fünf
Minuten kräftiger Applaus. Die aktuelle Aufführung ist nur zum Teil angetan, der Nachwelt erhalten
bleiben zu müssen: Hui He lässt ihre Butterfly recht statisch und wunderbar naiv
auf den Herrn Leutnant reinfallen, ist ganz in ihrer Scheinwelt aus Pappe und
schönem Stoff gefangen. Eine gesunde Stimme nennt sie obendrein ihr Eigen, kann
auch ordentlich aufdrehen, ohne aus der Fassung zu geraten. Fast außergewöhnlich
also.
Markus Hennerfeind - WIENER ZEITUNG - 6. März 2007

Bereits zum 324.Mal wurde die dienstälteste Inszenierung des Hauses aufgeführt –
und nach wie vor wird dem Auge – und dieses Mal auch dem Ohr – etwas
außergewöhnliches geboten. Ich bin relativ oft in Japan und daher schätze ich
wirklich die Ausstattung und das Bühnenbild von Tsugouharu Foujita, die – natürlich
stilisierend – dem Japan der Meiji-Periode sehr gut nachempfunden ist. Dass der
Hochzeitskimono nicht wirklich einer war, fällt wahrscheinlich nur Experten auf,
dafür hat dann die Ärmellänge des Kimonos im 2. und 3.Akt gepasst (kurze Ärmel
bei verheirateten Frauen). Nach dem Rummel um Anna & Co. am Vortag zog
wieder der Alltag ins Haus an der Ringstraße ein – oder doch nicht ganz? Ich bin
mir nicht sicher – lag es am Stück, am Thema, am Dirigat oder an den Sängern ? –
auf jeden Fall hat mich vom ersten Ton weg bis ganz zum Schluss diese
Vorstellung emotionell bei weitem mehr berührt als am Vortag „Manon“. Michael Halász ließ die Philharmoniker
schwelgen, differenzierte vielleicht nicht ganz genau, aber das ist bei Puccini
sicherlich nicht das wichtigste – ich denke, da geht es um große Gefühle und
Emotionen, man soll, kann und will sich da reinfallen lassen.
Benedikt Kobel gab den Goro zum ersten Mal und
ich war angenehm überrascht von seiner Leistung. Er hat den Heiratsvermittler
gut dargestellt und ist ein Gewinn in dieser Rolle. Seit Wozzeck habe ich ihn
nicht mehr so überzeugend gehört. Die anderen kleineren Rollen wurden
rollendeckend besetzt – Marcus Pelz
(Kommissär), Peter Jelosits als
Yamadori und Alexandru Moisiuc als Onkel
Bonze waren solide. Waltraud Winsauer,
die in der Rolle als Kate Pinkerton vor 31 Jahren im Haus debütierte, war
zumindest von meinem Platz auf der Galerie aus kaum zu hören. Ein weiteres
sehr erfreuliches Rollendebüt gab Elisabeth Kulman – da wächst ein weiterer viel versprechender Mezzosopran heran.
Mir gefiel sie schon sehr als Orlofsky, dieses Mal überzeugte sie mich als
Suzuki. Sehr schöne Höhen und auch die Mittellage und tieferen Töne gelangen
ausgezeichnet, dazu auch schauspielerisch überzeugend. Ich hoffe, sie bald
öfters am Ring zu hören. Der letzte Rollendebütant war Kamen Chanev, ein junger bulgarischer Tenor,
der das Publikum überzeugte und zu etlichen Bravo-Rufen animierte. Eine schöne,
kraftvolle und leicht metallische Stimme, die aber sehr flexibel ist, brachte
ihn großen Erfolg. Und dies trotz der Tatsache, dass er den meiner Meinung nach
fiesesten Bösewicht der Opernliteratur darstellte, dieses abgrundtief
verachtenswerte amerikanische Weichei B.F. Pinkerton. Jedes Mal dreht es mir den
Magen um, wenn ich das Libretto lese – leider gibt es diese so typisch
amerikanische Überheblichkeit noch heute, wo man über jede andere Art von Kultur
einfach drüberfährt und sich dann wundert, wenn einen die Menschen nicht
wollen… Der neben Adrian Eröd sicherlich vielversprechendste junge Bariton im
Ensemble ist Boaz Daniel. Es ist ein
Vergnügen die Entwicklung des jungen Israelis mitzuverfolgen. Ich möchte aber
trotz aller Begeisterung anmerken, dass er vielleicht für den Sharpless zu jung
ist – sowohl vom Aussehen her als auch stimmlich. Technisch hat er alles drauf –
es fehlen ihm die Jahre, die den Pragmatismus, der die Rolle verlangt, noch
überzeugender zu bringen. Großartig war Hui He in ihrer Paraderolle als Cio-Cio-San. Mit ihrem Volumen füllte dieser
Spinto-Sopran die Staatsoper mühelos aus. Obwohl körperlich nicht unbedingt, wie
Cio-Cio-San geschildert wird, gelang es ihr, die Zerbrechlichkeit dieses
japanischen Teenagers, der in seiner Naivität nicht sehen und verstehen kann,
was da in Wirklichkeit abgeht, überzeugend zu gestalten. Erschütternd die durch
den Zwischenvorhang unterbrochene Nachtwache zwischen dem 2. und 3.Akt, als sie
dann im Morgengrauen noch immer ungerührt auf den Vater ihres Sohnes wartete.
Berechtigter Jubel für eine tolle Leistung! Und vielleicht liegt es doch am
Stück, dass die "Butterfly" einen fixen Platz an den großen Opernbühnen hat und
dass man "Manon" nur als Event verkaufen kann …
Kurt Vlach - DER NEUE MERKER - 5. März 2007

Welche Produktion setzt die Staatsoper nach einer aufwendigen, großen Premiere wie Massenets "Manon" auf den Spielplan? Im Zweifelsfall Puccinis "Madama Butterfly". Denn hier sind die Kulissen nach einer Inszenierung von Josef Gielen, die heuer bereits 50 Jahre alt wird, leicht aufbaubar. Hier können sich auch Debütanten in diversen Rollen bewähren
WIe etwa der bulgarische Tenor Kamen Chanev. Er ist ein ordentlicher, noch etwas ungeschliffener Pinkerton, dem zumindest bei seinerm Debüt die nötige Strahlkraft fehlte. Dennoch eine anständige Leistung.
Gleiches gilt für Elisabeth Kulman, die im Haus am Ring erstmals die Suzuki sang. Sie verfügt über einen schönen, warm timbrierten Mezzo und überzeugt in vielen Szenen.
Star des Abends jedoch war einmal mehr die chinesische Sopranistin Hui He als sehr dramatische, expressive, dabei tragisch liebende Butterfly. Längst bewärt hat sich der Bariton Boaz Daniel in der Rolle des Konsul Sharpless. Sicher und meist Rollen deckend agierte auch das übrige Ensamble. Ordentlich, mitunter animiert das Orchester unter Dirigent Michael Halász. Solides Repertoire eben.
Peter Jarolin - KURIER - 6. März 2007
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