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Oper

Wilhelm Kienzl: Der Evangelimann

Ort
Wiener Volksoper

Termine
Samstag, 20. Januar 2007 - 19.00 Uhr (Rollendebüt)
Dienstag, 23. Januar
2007
- 19.00 Uhr
Dienstag, 20. Februar 2007 - 19.00 Uhr
Montag, 26.
Februar 2007- 19.30 Uhr

Besetzung
Mathias Freudhofer: John Dickie, Michael Baba (20.2.)
Johannes Freudhofer: Wolfgang Koch
Martha: Alexandra Reinprecht, Kristiane Kaiser (26.2.)
Magdalena: Elisabeth Kulman
Friedrich Engel: Sorin Coliban
Xaver Zitterbart: Christian Drescher, Wolfgang Gratschmaier
Anton Schnappauf: Einar Th. Gudmundsson, Josef Luftensteiner
Hans: Adrian Cave, Daniel Behle
Friedrich Aibler: Josef Forstner
Aiblers Frau: Sulie Girardi
Nachtwächter: Stefan Cerny

Dirigent: Alfred Eschwé

Inszenierung: Josef Ernst Köpplinger
Bühne: Johannes Leiacker
Kostüme: Marie-Luise Walek

Programm
Wilhelm Kienzl: Der Evangelimann

Text
"Kennen Sie die Oper, die es in vierzig Jahren zu 5.300 Aufführungen gebracht hat, die mit den blutrünstigen Opern des Verismo in erfolgreichen Wettstreit treten konnte? Es ist "Der Evangelimann" des Wagnerianers und Komponisten Dr. Wilhelm Kienzl. Diese würdige Gestalt mit wallendem weißen Vollbart würde - offenbar wegen des Welterfolgs seines Werkes - bisweilen selbst als Evangelimann angesprochen." (Viktor Redtenbacher) Die Wiener Volkstype Evangelimann wäre längst in Vergessenheit geraten, gäbe es nicht Kienzls Oper, die auf einer Novelle des Wiener Lokalhistorikers L. F. Meißner beruht. Der Evangelimann erschien bevorzugt an Samstagen oder Sonntagen in den Wiener Pawlatschenhöfen und war bestrebt, in seinem ganzen Auftreten Würde und Feierlichkeit auszudrücken. Er las aus der Bibel und bekam dafür einige Kreuzer. Die Berliner Hofoper brachte das Werk am 4. Mai 1895 zur Uraufführung. Es machte seinen Schöpfer mit einem Schlag berühmt, das Textbuch wurde in 13 Sprachen übersetzt. Birgit Meyer

Inhalt: Den Evangelimann in Kienzls Oper hat ein tragisches Schicksal in den Beruf getrieben: Früher Amtsschreiber im Kloster St. Othmar, liebte Mathias Freudhofer, so sein bürgerlicher Name, Martha, die Nichte des strengen Justiziärs Friedrich Engel. Sein Bruder Johannes begehrte das Mädchen ebenfalls und verriet die heimliche Liebe der beiden aus Eifersucht an den Justiziär. Der untersagte Mathias sofort jeglichen Kontakt. Während Mathias des Nachts bei der Tenne von Martha Abschied nehmen wollte, entzündete Johannes ein Feuer. Als Brandstifter bezichtigt, musste Mathias eine 20-jährige Haftstrafe verbüßen. Nach seiner Entlassung verweigerte man ihm jede Arbeit, bis er schließlich Evangelimann wurde... Für ein Wiedersehen mit Martha ist es zu spät, sie stürzte sich aus Gram in die Fluten der Donau, doch es kommt zu einer letzten Begegnung mit dem im Sterben liegenden Johannes ...

Links
Wiener Volksoper: www.volksoper.at

 

Evangelimann an der Wiener Volksoper

Evangelimann an der Wiener Volksoper

 

Presse

 

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Radio-TIPP
Ausschnitte aus "Evangelimann" (Arie der Magdalena), "Die Hochzeit des Figaro" und "Carmen" hören Sie am Sonntag, 18. Februar 2007, 15.06 Uhr auf Radio Österreich 1.

Pressestimmen

Vergangene Woche wurde der 150. Wiederkehr des Geburtstages von Wilhelm Kienzl gedacht. Das Werk des oberösterreichischen Komponisten erlebt rechtzeitig zum Jahrestag eine kleine Renaissance. Am Landestheater Linz gibt man "Das Testament", an der Volksoper Wien wurde "Der Evangelimann" wieder aufgenommen.
Regisseur Josef Ernst Köpplinger hat die Geschichte um die tragische Liebe zweier Brüder zu Martha an den Beginn des 20. Jahrhunderts verlegt. Das erlaubt ihm, feine Widerhaken in das "bürgerliche Rührstück" (wie es Eduard Hanslick nannte) zu setzen. Eine wilde Wirtshausszene um den Schneider Zitterbart wird zum Beispiel eines gelebten Alltags-Antisemitismus.
Ein Publikumserfolg
Zum Erfolg tragen auch die Kostüme von Marie-Luise Walek und die eindrucksvolle Bühne von Johannes Leiacker bei. Letztere spannt einen Bogen von Abstraktion im ersten Akt zu sozialer Tristesse im zweiten. Im Zwischenkriegs-Wien führt das Schicksal die zwei entzweiten Brüder wieder zusammen: Der eine todkrank, der andere ein verarmter "Evangelimann".
Gegenüber der vom Publikum umjubelten Premiere im April des letzten Jahres wurden zwei Titelpartien neu besetzt. Sorin Coliban gab einen mächtigen und Angst einflößenden Justiziär,
Elisabeth Kulman gelang ein berührendes Rollendebüt als Magdalena.
Alexandra Reinprecht ist eine liebenswerte und auch stimmlich agile Martha. Christian Dreschner debütierte als gedemütigter Xaver Zitterbart. Alfred Eschwé hatte das Orchester gut im Griff. Im zweiten Akt, er spielt dreißig Jahre später, wird ein jüdischer Bürger von Hahnenschwanzlern bedroht. Die historische Tiefenschicht gibt der schwülstigen "Evangelimann"-Handlung und dem sprachlich flachen Libretto einen Hauch von Authentizität und Glaubwürdigkeit.

Rainer Elstner - WIENER ZEITUNG - 23. Januar 2007

Die Volksoper spielt wieder Kienzls einst so beliebten "Evangelimann" - und der Erfolg gibt ihr Recht.
Selig sind, die der Volksoper zu diesem Erfolg verhalfen: Zum 150. Geburtstag Wilhelm Kienzls gibt man wieder den "Evangelimann" in der begeistert aufgenommenen, auf DVD gebannten Produktion vom April 2006, und feiert sich damit auch selbst. Schließlich geschieht es nicht alle Tage, dass sich ein Theater an ein scheinbar so zeitgebundenes Zugstück von anno dazumal wagt - und sich herausstellt, dass das Volk, soll heißen: Publikum für diese Art von Volksoper, nicht ausgestorben ist, im Gegenteil.
Nach unglaublicher Popularität als Rührstück desavouiert, dessen Schlager "Selig sind, die Verfolgung leiden" nur im Wunschkonzert-Reservat überdauerte, ist der "Evangelimann" glorreich auferstanden. Nicht zuletzt, weil Regisseur Josef Ernst Köpplinger ihn in ein historisch genau und überreich definiertes Ambiente versetzt: Im Hinterhof-Elend von 1930 verzeiht Mathias Bruder Johannes an dessen Totenbett, dass dieser ihn einst aus Rivalität um Martha als Brandstifter verleumdet hat, wofür er 20 Jahre im Kerker schmachten musste.
Der präzis formulierte Sozialrealismus färbt auf die Handlung ab, verleiht Mathias' Größe die nötige Glaubwürdigkeit. Schattenseite des Massenaufgebots an Komparserie: Da keine Großaufnahmen die Aufmerksamkeit bündeln, stört allzu viel Drumherum die finale Konfrontation der Brüder. Inszeniert Köpplinger quasi Verismo, huldigt Kienzl noch dem Pathos des Musikdramas. Epigone ist er dennoch nicht: dank des natürlichen Flusses seines Parlando, geglückter Synthese aus Leitmotivtechnik und pausbäckigem Spielopernflair. Etliche Pfunde der "Zentnerlast des Wagnerschen Erbes" (Kienzl) schüttelt er ab, indem er bruchlos Volkstümliches integriert.
Alfred Eschwé hat Kinderchor, Chor, Orchester voll im Griff: Alles tönt sicher, sauber, sogar ungewöhnlich klangschön; erst gegen Ende knallen die Höhepunkte zu sehr. Kriecherei, Brutalität, Selbstvorwürfe finden bei Charakterbariton Wolfgang Koch (Johannes) gleichermaßen intensiven Ausdruck, während John Dickie als gebrochener Antiheld überzeugender wirkt denn als jugendlicher Liebhaber, obwohl Alexandra Reinprecht (Martha) genug Anreiz böte.
Kleiner Luxus im übrigen, guten Ensemble: Elisabeth Kulmans Magdalena.

Walter Weidringer - DIE PRESSE - 23. Januar 2007

Fast genau zum 150. Geburtstag des Komponisten (18. Jänner 1857) wurde die Produktion des "Evangelimann" (Premiere am 6. April 2006) von Wilhelm Kienzl gestern am Abend wieder aufgenommen. Das Interesse des Stammpublikums konzentrierte sich dabei vor allem auf das Debüt von Elisabeth Kulman in der Rolle der Magdalena. Dass dieser Wiederaufnahme eine Serie von Proben vorausgegangen war, merkte man vor allem auf der Bühne – weniger aber im Orchestergraben.
Der Realismus der Inszenierung (Regie: Josef Ernst Köpplinger, Bühnenbild: Johannes Leiacker, Kostüme: Marie-Luise Walek) gefällt den Besuchern weiterhin, wenngleich aus meiner Sicht in manchen Szenen doch zu viel des Guten auf die Bühne gebracht wird. Man kann Realismus auch übertreiben.
Das verfeindete Brüderpaar singen jetzt Wolfgang Koch (war schon in der Premiere der Johannes) und John Dickie (der als Matthias schon in Reprisen zu hören war). Dickie, eher ein lyrischer Tenor, muss sich in den dramatischeren Passagen der Partie doch abmühen, gewinnt aber das Publikum durch eine insgesamt überzeugende Rollengestaltung für sich. Sein baritonaler Gegenpart Wolfgang Koch trumpft mit Stimme und Persönlichkeit auf und beweist auch an diesem Abend, dass sein Premierenerfolg durchaus berechtigt war.
Sorin Coliban poltert als auch jähzorniger Justiziär Friedrich Engel durchaus rollendeckend. Seine Nichte Martha, die Frau zwischen den beiden Brüdern, singt wieder Alexandra Reinprecht. Und wie schon kürzlich als Rosalinde sind stimmliche Probleme unüberhörbar (ich habe das Gefühl, dass sie in letzter Zeit zu viel gemacht und sich überfordert hat).
Elisabeth Kulman ist die neue Magdalena und das 2. Bild gehört ihr. Der Zeitraum von 30 Jahren zwischen erstem und zweiten Bild und das daraus resultierende Altern wird nicht nur in Maske und Kostüm deutlich, szenische Kleinigkeiten beweisen schauspielerische Intelligenz. Das alles wird durch stimmliche Kompetenz ergänzt. Sie weiß um die Stärken ihrer dunklen Stimme und setzt diese Qualitäten auch vorteilhaft ein.
Rollendeckend besetzt sind auch die kleineren Partien im ersten Akt, ausgezeichnet – und berechtigt mit Szenenapplaus bedacht – singt der Kinderchor.
Leider nicht den besten Abend hatte das Orchester unter der Leitung von Alfred Eschwé. Da wackelte doch manch ein Einsatz und der eine oder andere Misston drang aus dem Graben ins Auditorium. Dennoch – gesamt gesehen ein durchaus positiver Abend.
Michael Koling - YAHOO GROUP VOpera - 21. Januar 2007

Wer erinnert sich nicht an vorweihnachtliche Weihnachtsgalas und anderen Fernsehevents gehobener Unterhaltung wenn ein verhärmt dreinblickender Tenor im grauen Wallehaar auf einer Bank sitzend eine Schar niedlich zurecht gemachter Kinder eines mehr oder minder plärrenden Kinderchores zum gemeinsamen Gebet aufruft und eine ältliche Altistin dazu orgelnde Stütztöne mitbrummt? Dann ertönte sie wieder die alte Weise, getreu dem Motto "immer wieder gern gehört", aus des glühenden österreichischen Wagnerianers - Wilhelm Kienzl - Feder um die unter Verfolgung leidenden. Vielleicht kennt der eine oder andere Connaisseur unter Opernfreunden noch den anderen "Schlager", Magdalenas Lied von den schönen Jugenstagen, aber wer kennt heute noch die gesamte Oper, die einst von keinem Spielplan wegzudenken war. Der bundesdeutsche Opernfreund wird es schwer haben, dieses Werk auf "seinen" Bühnen erleben zu dürfen, da hiesige Intendanten schon bei Nennung des Komponistennamens sich wie unter schlimmsten Leibschmerzen krümmen. Da heißt es schon nach Österreich zu fahren, aber auch da ist es inzwischen still geworden um den oberösterreichischen Tonsetzer.
Umso dankbarer darf man sein, daß die Volksoper Wien ihre viel beachtete, erfolgreiche Produktion von Kienzls Meisterwerk anläßlich dessen 150. Geburtstag am 20. 1. 2007 wieder auf den Spielplan setzte. Wer mit Schaudern an das eingangs erwähnte Szenario zurückdenkt, der kommt in der Inszenierung des designierten Klagenfurter Intendanten Josef Ernst Köpplinger voll auf seine Kosten: Köpplinger verlegt die Handlung von der Mitte des 19. Jahrhunderts in die Jahrhunderwende (1.Akt) resp. in die Jahre vor dem "Anschluß" (2.Akt). Die Handlung wird so völlig gegen den Strich gebürstet, ein frischer Wind weht durch den , vermeintlich, biedermeierlichen Mief und rückt in die Nähe eines Horvath'schen Genrestücks. Das ist handwerklich gut gemacht zumal dem Regisseur das kongeniale Bühnenbild Johannes Leiackers und die Kostüme von Marie-Luise Walek hilfreich entgegenkommen. Stilvoll mit leicht ironischem Augenzwinkern die an Lüftlmalerei gemahnenden Bauernschränke, die das Dorf St.Othmar stilisieren und deren edelste für die Klosterpforte steht, sowie die an Tristesse und Trostlosigkeit nicht mehr zu überbietenden Bilder des zweiten Akts. Eine finstere Straßenflucht in einem der ärmsten Bezirke Wiens und das Elendslazarett für das Schlußbild, hier können die Zeichnungen des Berliner Millieumalers Zille wie die Skizzen einer Käthe Kollwitz Pate gestanden haben. Köpplingers Personenführung ist vorzüglich, phantasiereich, allein die Nebenstränge die er sich erfindet, wie die Judenhatz oder das Kinderschicksal. Doch gerieten diese allerdings allzubald zum Selbstläufer, da Köpplingers Aufgabe es war, weder ein Stück Horvarths, Schnitzlers oder Thomas Bernhards zu inszenieren, sondern die Oper "Der Evangelimann" und da sieht die Sache dann doch nicht so positiv aus. Schon die Umdeutung des Schneidermeisters Zitterbart zu einem von der johlenden Bauernmenge zusammengeschlagenen Mitbürger jüdischen Glaubens ist fragwürdig, da nirgends im Text, noch in der Vorlage verankert. Noch ärger im zweiten Akt. Köpplinger scheint an die Wirkung der Oper nicht zu glauben und gönnt ihr keine Ruhepunkte. Wo Kontemplation und Innehalten vonnöten gewesen wäre, wie in der Arie der Magdalena, der Erzählung des Matthias oder in der Schlußszene setzt Köpplinger auf rüden Aktionismus und die Parallellhandlung zu Matthias' "Selig sind die Verfolgung leiden" einen Nazi-Mob eine Judenhatz veranstalten zu lassen ist nicht nur billig sondern obsolet. Fragwürdig auch die Verlegung des Schlußbildes aus dem Sterbezimmer Johannes' in die unpersönliche Tristesse eines Lazaretts, das so seiner Intimität beraubt wird. Versöhnend hingegen das Schlußbild wenn wie tröstende Menetekel die Korinther-Verse im schwarzen Bühnenhorizont zu den Klängen des Kinderchores den völlig alleingelassenen Matthias erleuchten.
Auch der Dirigent der Aufführung Alfred Eschwé scheint nicht recht an die Wirksamkeit der Partitur zu glauben. Als wolle er den Tränenfluß des Publikums hemmen, zwingt er das Orchester der Volkoper Wien zu einem rauen unterkühlten Spiel, was zwar der Intention der Regie, nicht aber der Partitur entsprach.
Nach einer gewissen Schonung im ersten Akt lief John Dickie, der mit der Partie des Evangelimanns sein 30jähriges Bühnenjubiläum feiern wird, zu Höchstform auf. Ohne jegliche Larmoyanz und die Partie des Matthias kann im zweiten Akt dazu verleiten, verschaffte er sich mit den Bibelversen Gehör. Seine zu Herzen gehende Interpretation des großen Leidensmonologs stellte die Schönheit seines heldischen wohltimbrierten Tenors unter Beweis.
Eine grandiose Leistung bot Wolfgang Koch mit der pointierten Charakterstudie des sich vom Bösen zum siechenden Selbstzweifler wandelnden Johannes Freudhofer in dem Kienzl wohl eine Art weltliche Symbiose aus Klingsor und Amfortas sah. Der Ausnahmebariton und Metternich-Schüler Koch ließ sich allerdings im stupend dargestellten Fieberwahn nicht zu allzu klagendem Wehe verleiten. Hier hadert mit kernigem Bariton ein irdischer Prometheus mit sich und seinem Gott angesteckt vom süß verführerischen Vitriol mit dem er Martha, die Geliebte seines Bruders, im ersten Akt für sich zu gewinnen trachtete. Alexandra Reinprecht gab die Martha darstellerisch zwar mit resolutem Stolz, doch vermochte sich ihr schönklingender Sopran nicht den üppigen orchestralen Klanggewalten zu widersetzen.
Nach einem etwas bläßlichen Einstand im ersten Akt (die Partie der Magdalena ist da auch noch sehr schwach gezeichnet)
konnte die Rollendebütantin Elisabeth Kulman mit der pastos vorgetragenen Magdalenen-Arie den ersten Szenenapplaus für sich verbuchen und lieferte im weiteren Verlauf eine ergreifende Charakterstudie der in Köpplingers Regie zur Laienschwester umgedeuten Magdalena. Sorin Coliban spielte den gestrengen Justiziär Friedrich Engel, so wie es die Regie verlangte als beamtenstrenge Autoritätsperson, aber Coliban spielte seine Rolle eben nur. Weder besaß er von seiner Gestaltung, noch von der Art der Stimmführung die Überzeugungskraft - und somit blieb Colibans Justiziär nur ein papiernes Schemen. Hätte man ihm nicht eher die Partie des Schnappauf anvertrauen sollen, die Einar Th. Gudmundsson mit pointierter Markanz versah? Ihm hätte man den verstockten Vormund Marthas schon stimmlich eher abgenommen. Christian Drescher gefiel mit schlankem Charaktertenor als Debütant in der Rolle des gebeutelten Schneiders Xaver Zitterbart. Aus dem homogenen Ensemble stachen als köstlich grantelndes Ehepaar Aibler Josef Forstner und Sulie Girardi hervor, und mit den stimmgewaltigen Rufen des Nachtwächters machte Stefan Cerny auf sich aufmerksam. Spielfreudig erwiesen sich Komparserie, Chor und Kinderchor der Volkoper Wien.
Dirk Altenaer - DER NEUE MERKER - 24. Januar 2007

Wenn man eine Vorstellung des ernsteren Genres in der Volksoper besucht, darf man sich nicht wundern, dass hier pures Unverständnis, eventuell Desinteresse herrscht. Die Stimmung ist flau, das Haus unvoll, das Publikum schlummert vor sich hin. Dabei wäre es durchaus wert gewesen, an diesem Abend aufmerksam dem Tun der Künstler Aufmerksamkeit zu schenken. Das begann bei Alfred Eschwe, der hier ein sehr ordentliches Dirigat ablieferte und das Orchester zu einer ansprechenden Leistung bewog. Das setzte sich fort in der Partie der Magdalena in der Person von Elisabeth Kulman. Ihre warme und kräftige Stimme konnte auch in der wenig spektakulären Rolle gut gefallen. Auch Wolfgang Koch als der böse Bruder Johannes wirkte sehr präsent, wenngleich es ihm an Wortdeutlichkeit mangelt. Weniger zufrieden konnte man mit Alexandra Reinprecht als Martha sein. Ihre Stimme schwebt zwischen lyrisch und halbdramatisch und ist leider keines von beiden. Auch John Dickie als der unglückliche Matthias war keine Ohrenweide, hier muss man wohl der langen Karriere Tribut zollen und wenig Stimmschönheit erwarten. Sorin Coliban war ein auftrumpfender Justitiar Engel. Die Inszenierung ist ein Jahr nach der Premiere immer noch beachtlich, wenn auch die Verlegung von Raum und Zeit nicht unbedingt zur Hebung der Glaubwürdigkeit des Werkes beitragen. Trotzdem ein Abend, der sich mehr und aufmerksamere Besucher verdient hätte.
members.chello.at/marksown - 23. Januar 2007

ARCHIV.kulman.info 2007

Elisabeth Kulman - www.kulman.info