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Pressestimmen
"Die Fledermaus" an der Staatsoper: ein seltenes Vergnügen
Wenn Bertrand de Billy Die Fledermaus dirigiert, klingt's oft wie wienerischer Offenbach und bleibt doch Johann Strauß. Die Aufführung (leider nur viermal auf dem Spielplan) hat Esprit, Sentiment, Vitalität, und kleine Schlampigkeiten wirken eher charmant als störend. Diese Fledermaus fliegt tatsächlich und flattert nicht bloß, wie jene, die ich vor ein paar Tagen an der Volksoper hörte.
Von dort kommt der neue Orlofsky, Elisabeth Kulman. Er (sie) ist optisch, schauspielerisch, stimmlich ausgezeichnet und passt zum Staatsopern-Ensemble (Ildiko Raimondi, Diana Damrau, John Dickie, Herwig Pecoraro, Adrian Eröd), das gut eingespielt, aufeinander abgestimmt, mit Spaß bei der Sache ist und musikalisch nur wenige Wünsche unerfüllt
lässt.
Im dritten Akt zeigen Alfred Sramek (Frank) und Robert Meyer (Frosch), wie wichtig es ist, das hier ein komödiantisches Doppel gleichen Sinnes die Dialoge führt, alte Späße neu klingen lässt und aktuelle Pointen hinzufügt. Die Inszenierung von Otto Schenk ist 27 Jahre alt, aber keineswegs verstaubt. Die Fledermaus spielt in jenem Milieu, das Musik und Libretto meinen. Das ist schon längst keine Selbstverständlichkeit mehr.
Karl Löbl - ÖSTERREICH - 6./7. Januar 2007

... Ganz anders in der Staatsoper, wo amSilvesterabend Bertrand de Billy am Pult dafür sorgte, dass die
Philharmoniker ihre Straußkompetenz mit Verve und allen nötigen kleinen
und großen Verzögerungen ausspielen konnten, ohne sich in einen
unverbindlichen Plauderton zu verlieren. Bei viel Esprit kommen die
alten, geliebten Pointen diesmal gar nicht verschlampt, sondern höchst
transparent und brillant.
Auf der Bühne tönt es weit weniger
erfreulich, von einigen Ausnahmen abgesehen, deren überzeugendste
beinah die Einspringerin des Abends genannt werden darf: Elisabeth
Kulman gab mit herbem Charme den Orlofsky und vermochte wie der
Eisenstein des Bo Skovhus und die temperamentvolle Adele von Diana
Damrau vokale und darstellerische Überzeugungskraft zu einen. Ildiko
Raimondi schien diesmal indisponiert, manch anderer Vertreter des
Ensembles setzte von vornherein mehr auf die Pointenschleuder als auf
den Versuch, den Operettengeist auch mit stimmlichen Mitteln zu
beschwören. Das wird schon seine Gründe haben. Doch bietet die betagte
Inszenierung offenbar kaum mehr Raum für die nötige Agilität. Der Chor
steht oft still und starr wie bei einer Aufführung des
"Weihnachtsoratoriums".
Nur Robert Meyer glänzte noch einmal als
hinreißender, gar nicht aufdringlicher Frosch. Und Elina Garanca ließ
als Stargast im Mittelakt bei einer amerikanischen Einlagenummer
plötzlich eine Weltstimme hören - glücklich ist, wer vergisst, dass
alles relativ ist.
Wilhelm Sinkovicz - DIE PRESSE - 2. Januar 2007

Ein würdiger Jahresabschluss
Zum 120. Mal stand die Inszenierung von Otto Schenk am Spielplan, in den Bühnenbildern von Günther Schneider-Siemssen. Man hört von vielen Seiten, dass die Witze bereits alt seien, doch ich empfinde diese Produktion nach wie vor passend. Die netten Bühnenbilder geben das bürgerliche Wien der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts perfekt wieder – da gehört aber auch die "angestaubte" Atmosphäre gut dazu.
Um es vorweg zu nehmen – es war ein würdiger Jahresabschluss für das Haus am Ring, ein begeistertes Publikum, das alle Mitwirkenden hoch leben ließ.
Prima inter pares war die großartige und bewundernswerte Diana Damrau, die zur Zeit sicherlich DIE Adele der Gegenwart ist. Flüssige Koloraturen, keine Probleme mit der Höhe. Und ihre Ausstrahlung (ja, ich gerate gerade ins Schwärmen!) – da passte jede Bewegung, es war toll anzuschauen, wie sie sich im 2. Akt von der, von der Natur gemachten, Kammerjungfer in die Künstlerin Olga verwandelte und kapriziös durch die Gegend stolzierte. Ihr Radüberschlag bei "Donner und Blitz" setzte dem Ganzen noch die
Krone auf. Eine wahrhaft lebenslustige junge Dame. Ihr waren viele "Bravas" sicher.
Ganz kurzfristig – ohne eine Probe gehabt zu haben – musste Elisabeth Kulman als Orlofsky einspringen und errang einen großen persönlichen Erfolg. Ohne Schwierigkeiten fand sie sich in der Inszenierung zurecht und beeindruckte das Publikum nicht nur mit ihrem sehr angenehmen Mezzosopran, sondern auch mit ihrem perfekten Russischkenntnissen – sie sang einen Teil von "s’ist mal bei mir so Sitte" akzentfrei in dieser Sprache. Einen netten Stargast hatte sich dieses Jahr der russische Prinz eingeladen – Elina Garanca. Vor einigen Jahren stand sie selbst noch als Orlofsky auf der Bühne der Staatsoper, jetzt umjubelter Stargast – beeindruckend, welche Karriere und Entwicklung diese junge Frau hinter sich hat. Im dritten Anlauf (sie gab Teile der Orlofsky-Arie und "Klänge der Heimat" – zum Gaudium des Publikums wieder) überraschte sie dann mit "I want to be a prima donna" von Victor Herbert.
Ildikó Raimondi ist die Rolle der Blauen Buche – oh Verzeihung – ich meine natürlich Rosalinde, auf den Leib geschrieben. Die kleinen Bosheiten, die die (doch nicht so ganz wirklich) betrogene und (ebenfalls doch nicht so ganz wirklich) betrügende Ehefrau so von sich geben kann, werden von ihr mit unvergleichlichem Charme wiedergegeben. Bei "Klänge der Heimat" bringt sie den entsprechenden Akzent der ungarischen Gräfin (ja, sie ist in Rumänien geboren, aber…) gleich mit.
An der Rolle der Ida ist in dieser Produktion eher weniger gefeilt geworden und so ist dieser Part ein eher Undankbarer, doch auch Bori Keszei konnte sich nahtlos in die famosen Leistungen der Frauen einreihen.
Für die männlichen Besucher war also der Abend ein nicht nur musikalische ganz famoser. Aber auch die Damen der Schöpfung bekamen was für’s Auge geboten – die beiden eingewienerten Dänen Bo Skovhus und Morten Frank Larsen sind ideale Protagonisten für die Rollen. Skovhus hat so sicht- und hörbare Freude in der Partie des Eisenstein, dass es wirklich ein Genuss war, ihn spielen zu sehen. War für mich seine beste Leistung seit langem (Pierrot). Ebenfalls in der 1,90m – Kategorie brillierte Morten Frank Larsen als
rächende Fledermaus. Ich bin gespannt, wann er den Sprung von der Volksoper in die Staatsoper auch in größeren Rollen schafft.
Der Gefängnisdirektor Frank dieser Vorstellung war ein in voller Tatkraft stehender Wolfgang Bankl, der nebenbei bemerkt, auch sehr gut Walzer tanzen kann. Bei ihm kann man sich wirklich vorstellen, dass dieser Frank im wahren Leben (und wenn er nicht gerade illuminiert von einem Fest nach Hause kommt) eine durchaus Respekt gebietende Person ist, die ihr "Vogelhaus" trotz des Gerichtsdieners Frosch immer stets im Griff hat.
Routiniert wirkte der Auftritt von Robert Meyer. Anspielungen auf aktuelle Begebenheiten waren eher spärlich gesät, ausgenommen von einem köstlichen Bonmot über den ehemaligen BAWAG-Chef und seinem Statement, dass Aufführungen italienischer Opern in deutscher Sprache ein Privileg der Volksoper seien – nun, da sprach aus ihm ganz der zukünftige VOP-Direktor.
Heldentenor war der Alfred keiner, eher schon ein Mime. Kein Wunder, wurde die Rolle doch von Herwig Pecoraro gesungen, der, von seinem gewöhnungsbedürftigen Timbre in dieser Rolle einmal abgesehen, tadellos gesungen hat. Schauspielerisch wirkte er im Vergleich zu seinen – sich zugegebenermaßen überdurchschnittlich gut bewegenden – Mitsängern ein klein wenig hölzern. Peter Jelosits stotterte sich wieder einmal gekonnt durch die Rolle des Dr. Blind.
Auch wenn der Großteil der Philharmoniker ein paar hundert Meter weiter im Musikverein bei der Sylvesteraufführung des Neujahrskonzertes tätig war – der Rest dieser großartigen Musiker und die Substituten bewiesen wieder einmal, dass es kein anderes Orchester auf der Welt gibt, das die Klänge eines Johann Strauß so spielen kann wie sie. Bertrand de Billy war ein umsichtiger Dirigent, der die Spielfreude des Orchesters unterstützte. Auch er wurde gebührend akklamiert.
Diese Aufführung hat wieder einmal bewiesen, dass das Genre der Operette unter einem Ruf zu leiden hat, den es nicht verdient. Nur müssten schlicht und ergreifend auch die besten Sänger engagiert werden.
Kurt Vlach - DER NEUE MERKER - 1. Januar 2007

Es war die dritte Staatsopern-"Fledermaus" in der Serie
rund um Silvester. Immer wieder dieselbe Champagnerlaune hoch zu
putschen, ist vermutlich gar nicht so einfach. Dirigent Bertrand de Billy
und das Orchester der Wiener Staatsoper (wie es auf dem Programmzettel
heißt – ist das nicht mit den Wiener Philharmonikern identisch?) haben
ihrem Ruf jedenfalls Ehre gemacht. Die Damen waren seit Silvester dieselben, drei der Herren hingegen neu besetzt. John Dickie
(der gelegentlich an seinen unvergessenen Papa erinnert, aber eindeutig
"stattlicher" ist als dieser) bescherte die Überraschung eines Tenors
als Eisenstein in einer Stadt, wo die Rolle ja eine eindeutige
Bariton-Tradition hat. Er bietet die Töne und den "Schmäh", und er
spielt ohne Hemmungen den Möchtegern-Lebemann, der sich lächerlich
macht – eine wirklich positive Überraschung. Als Dr. Falke erschien
unerwartet (weil ein anderer Sänger angekündigt war) Adrian Eröd:
Optisch immer das schmale Handtuch, aber ein Sänger, der sich auch in
einer Nebenrolle Aufmerksamkeit sichert, ohne dass er über eine "Röhre"
verfügen würde. Schließlich gab Alfred Sramek
den Gefängnisdirektor Frank, unserem Herrn Bürgermeister ähnelnd, bloß
noch mit Technik, nicht mehr mit Stimme singend, aber mit Routine in
der Rolle stehend. Dazu Herwig Pecoraro als Alfred, tapfer als das parodierte Tenor-Klischee, Peter Jelosits angenehm unauffällig als Dr. Blind – und schließlich Robert Meyer
der Frosch, der Pointen mit eiserner stimmlicher und darstellerischer
Präzision setzt und genüsslich ausformt. Dass er in seiner Eigenschaft
als künftiger Volksoperndirektor hier selbst zum Gegenstand von Witzen
wird, versteht sich – er wieder reserviert eine "Penthouse"-Zelle für
einen Gefängnis-Kandidaten, der derzeit auf der Witze-Liste ganz oben
steht … Ildiko Raimondi,
meist eine Pracht-Rosalinde, hatte nicht ihren besten Abend. Und wie in
der Volksopern-Premiere mit Alexandra Reinprecht zeigte sich auch bei
ihr, dass vielen Rosalinde-Sängerinnen der Csardas mit der
Notwendigkeit, die Stimme als "ungarische Gräfin" dunkel zu färben und
mit aggressivem Impetus einzusetzen, schwer fällt. Nicht die geringsten
Probleme hat Diana Damrau als
Adele – man hört gewissermaßen, dass sie stimmlich noch viel mehr
bieten kann als das Kammermädchen, das ja schließlich auch nicht die
einfachste stimmliche Aufgabe ist. Bei ihr fehlte es auch nicht an
Laune und der Bereitschaft, sich körperlich voll einzusetzen und etwa
mit einem erheiternden "Bauchfleck" über die Bühne zu rutschen. Für
eine gebürtige Deutsche hat sie zudem das Wienerische der Rolle
wunderbar verinnerlicht. Ihre Schwester Ida (Bori Keszei)
scheint im Gegensatz zur Volksopern-Aufführung überhaupt nicht zu
existieren, und das ist schade, weil die Rolle einiges hergeben kann,
wie man weiß – da sieht man, wie viele Unterschiede doch möglich sind…
wenn doch andere Passagen einander in beiden Häusern wie ein Ei dem
anderen zu gleichen scheinen. Wie schon von Silvester berichtet, war die sonst nur aus der Volksoper bekannte Elisabeth Kulman
als Orlofsky wieder die positive Überraschung des Abends. Das ist ein
Mezzo mit Höhe, Tiefe und auch Stimme dazwischen, sie kann wirklich
singen und hat sich mit langem schwarzem Zopf und Bärtchen eine
überzeugende "Maske" zugelegt. Abgesehen davon, dass ihre
Russisch-Kenntnisse sich hier geradezu optimal einsetzen ließen. Da hat
nicht nur Orlofsky gelacht, sondern auch das Publikum. Die
Schenk’sche Uralt-Inszenierung (es war die 121. Aufführung) bewährt
sich noch immer, nicht zuletzt durch das prachtvolle
Historismus-Bühnenbild von Günther Schneider-Siemssen,
das vor allem im zweiten Akt mit Verwandlung auf Drehbühne alle Opulenz
ausstrahlt, die ein internationales Publikum (das Haus war voll von
Gästen aus dem Ausland) bei Wiener Operette sehen will. Renate Wagner - DER NEUE MERKER - 5. Januar 2007
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