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Pressestimmen
Fledermaus mal 3
31.Dezember am Nachmittag, 31.Dezember am Abend, 1.Jänner am Abend – innerhalb von wenig mehr als 30 Stunden steht die „Fledermaus" drei Mal am Spielplan. Dass der Direktion dafür für manche Rollen auch drei teils sehr gute Besetzungen zur Verfügung stehen (darunter einige Rollendebüts) spricht für die Kraft, die trotz aller Widerwärtigkeiten im Haus am Gürtel steckt.
Heinz Zednik hat – vermutlich nicht ohne angemessenes Honorar – die wienerischste aller Operetten in den alten Bühnenbildern szenisch neu einstudiert. Die Aufführung am Nachmittag des 31.Dezember war die zweite Aufführung dieser "Inszenierung", der Besetzungszettel im Programmheft (aus dem Jahr 1987) zählt diese Vorstellung dennoch als die 266. Die Aufführungen 267 und 268 scheinen diese Zählung zu bestätigen, denn die meisten SängerInnen machen, was sie wollen und teilweise seit Jahren gemacht haben.
Selbst die Dialoge sind in jeder der drei besuchten Aufführungen anders.
Im Mittelpunkt des Interesses der Stammbesucher stand am Nachmittag des letzten Tages des alten Jahres das Rollendebüt von Sebastian Reinthaller als Eisenstein. Man kann trefflich darüber diskutieren, ob dieser wienerisch sozialisierte Don Giovanni eher von einem Tenor oder doch von einem Bariton gesungen werden sollte und wird zu keiner allgemeingültigen Lösung kommen (ich selbst bevorzuge einen Bariton, schon als Gegenpol zum tenoralen Alfred). Mir subjektiv bringt Reinthaller für den Eisenstein nicht das wünschenswerte
Gewicht auf die Bühne, aber zumindest im ersten Akt blieb er konzentriert und diszipliniert. Und das wirkte sich auch auf den Gesang hörbar positiv aus. Auch sein Gegenspieler Alfred, gesungen und gespielt von Adrian Cave, debütiert in dieser Vorstellung. Ich würde bei seiner Stimme allerdings nicht schwach werden (und könnte mir optisch und vokal durchaus ein anderes Ensemblemitglied vorstellen). Durchaus auf der Habenseite ist auch das Debüt von Daniel Schmutzhard als Dr.Falke zu verbuchen. Und auch neu als
Ida ist Johanna Arrouas, die sich dieser undankbaren Aufgabe mehr als anständig entledigt.
Die Kronen des Abends teilen sich Edith Lienbacher als betrügend betrogene Rosalinde und Daniela Fally als ihr Stubenmädchen Adele. Lienbacher hat die Rosalinde stimmlich und darstellerisch bis ins kleinste Detail drauf und ist wie immer ein Glückstreffer in dieser Partie; Fally, zuletzt erfolgreich auch an der Staatsoper, wird dem Haus hoffentlich noch lange erhalten bleiben und Maßstäbe setzen. Gut besetzt auch der Gefängnisdirektor Frank mit Josef Luftensteiner und der Frosch des Gerhard Ernst. Suboptimal
dagegen Andrea Bönig als Orlofsky. Alfred Eschwé dirigierte routiniert.
Ob der Sylvesterabend doppelte Preise wirklich rechtfertigt, sei dahin gestellt. Ausverkauft und voll mit Touristen war die Volksoper jedenfalls. Jetzt spielt Alexandra Reinprecht die Rosalinde – genug Diva, um darstellerisch zu überzeugen, aber mit unüberhörbarem Tremolo in der Stimme. Vorsicht ist angesagt. Sebastian Holecek ist ein mehr als rollendeckender Eisenstein, der sicht- und hörbar so manche Anleihe bei seinem Vater nimmt; Natalie Karl ist eine stimmlich wie darstellerisch überzeugende Adele, die genau
weiß, was sie will und wie sie das auch umsetzen muss. Mit beinahe tenoralem Schmelz ist Daniel Behle ein überzeugender Alfred, Mathias Hausmann (Falke) und Carlo Hartmann (Frank) entledigen sich ihrer Aufgabe mit Anstand, Gerhard Kranner stottert als Dr.Blind überzeugend, Branko Samarovski spielt die dankbare Rolle des Frosch. Abräumerin ist diesmal Ulrike Beimpold, die aus der Tänzerin (?) Ida ein Kabinettstück macht. Sehenswert ! Und auch am Abend ist der Gastgeber des großen Festes, der russische Prinz Orlofsky
alias Eva Maria Marold, der Schwachpunkt der Aufführung. Champagner war es nicht, was aus dem Orchestergraben drang, aber immerhin gute Sekt konnte Leopold Hager dem Orchester entlocken.
Undankbar ist die Aufführung am 1. Jänner. Die Künstler dürfen den Jahreswechsel eigentlich nicht wirklich ausgelassen feiern, das Publikum ist dafür entsprechend unaufmerksam oder applaudiert bei passenden wie unpassenden (Auftrittsapplaus für altgediente Ensemblemitglieder) Gelegenheiten. Die dritte Rosalinde in der dritten gesehenen Vorstellung ist Kristiane Kaiser, die sich in einer für sie neuen Rolle vorstellt. Mit mehr Routine dürfte sie zu einer erfolgreichen Frau von Eisenstein werden. Und auch für Adele,
Frank und Frosch gab es eine weitere Alternative zu hören. In der Reihenfolge der Auftritte – und auch wertend: Andrea Bogner – erfüllt die stimmlichen Anforderungen dieser doch zu oft unterschätzten Rolle und ist auch hübsch anzusehen; Josef Forstner ist für mich optisch kein idealer Gefängnisdirektor, punktet aber mit Routine und Charme; Rudolf Wasserlof hat seine Fans unter den regelmäßigen Besuchern, kann aber viele Frösche nicht vergessen machen. Auch nach dem zweiten Hören und Sehen bleibe ich dabei, Sebastian
Reinthaller ist nicht die Bühnenpersönlichkeit, die ich mir von Eisenstein erwarte, er ist mir zu leichtgewichtig, aber er bringt darstellerisch eine immerhin interessante Alternative ein. Nicht zuletzt habe ich ihn schon stimmlich viel weniger überzeugend erlebt. Elisabeth Kulman, am Vorabend kurzfristig und dem Vernehmen nach überaus erfolgreich in der selben Rolle in der Staatsoper eingesprungen, singt und spielt nicht den Prinzen Orlofsky,
sondern IST Orlofsky. Einfach herrlich, diese Charakterstudie des gelangweilten Geldmannes. Wie schon am Vorabend gibt Daniel Behle den Alfred und zeigt neuerlich, dass er nicht nur Tenor sondern auch Sänger ist. Bleiben noch die Ida der Johanna Arrouas und der Dr. Blind des Christian Drescher, die zeigen, dass bei entsprechender Besetzung auch die kleineren Rollen wirken. Dass das Orchester nicht immer Fledermaus spielen möchte, war hörbar. Leopold Hager leistete diesen Wünschen
nicht viel Widerstand.
Fazit dieser drei Vorstellungen: Die Bezeichnung "szenische Neueinstudierung" ist für mich purer Etikettenschwindel; dass nachweislich geprobt worden ist, kann man kaum nachvollziehen. Das Ballett darf „Unter Donner und Blitz" sein Können zeigen und verlängert die Aufführung dadurch.
Für die wesentlichen Partien gibt es durchaus interessante Alternativbesetzungen im Ensemble; Gastengagements für Premieren bringen diese Qualität nicht immer mit.
Einzelne Künstler der Volksoper werden durchaus berechtigt auch in der Staatsoper eingesetzt.
Michael Koling - YAHOO GROUP VOpera - 2. Januar 2007
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