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Pressestimmen
Man kann über Direktor Holender und sein Team
viel sagen, allerdings hat noch niemand jemals gesagt, dass er nicht
geschäftstüchtig sein. Weil nur so kann man es sich erklären, warum diese
Vorstellung als Preiskategorie A ausgepreist war. Sie wurde von Touristen
praktisch gestürmt, man sah kaum bekannte Gesichter im Publikum.
Dementsprechend voll auch der Stehplatz, was zu Beginn der Vorstellung auch für
große Unruhe auf der Galerie sorgte. Ein Besucher ließ sich partout nicht dazu
bewegen, an seinem angestammten Platz zurückzukehren und während die Drei Damen
bei ihrem „Nein, nein, das kann nicht sein“ waren, ertönte plötzlich ein im
Libretto nicht vorgesehenes „Nein“ (Stimmlage Bass-Bariton) vom Stehplatz, kurzes
Handgemenge, Polizeieinsatz und Abführen des Renitenten.
Davon unbeeindruckt dirigierte Alfred Eschwé
das Staatsopernorchester. Er hatte dieses Mal keine wirklich leichte Aufgabe
und viel zu tun, Bühne und Orchester zu den gleichen Tempi zu bewegen – der
Fluch einer ungeprobten Aufführung. Aus dem Orchestergraben klang ein
routinierter Mozartsound, perfekt auf das Zielpublikum ausgerichtet.
Dass meines Erachtens nach die Inszenierung
von Marco Arturo Marelli nicht unbedingt ein großer Wurf ist, habe ich schon
des Öfteren geschrieben. Die meisten Kostüme sind phantasievoll (und Zuseher
kann dankbar sein, dass ihm das „I like Birds“ – T-Shirt des Papageno dieses
Mal erspart geblieben war), trotzdem bleibt
mir nach wie vor die „Star Wars“-Kostüme mit Strichcode verschlossen,
ebenso der weiße Würfel, der das Reich des Sarastro darstellen soll. Und die
Schlussszene, die einen fröhlichen Ringelreihen von Giraffe, Tiger, Nilpferd
& Co mit den Priestern bringt, ist lächerlich, scheußlich und dem Libretto
absolut unangemessen.
Gesanglich waren die Frauen den Männern in
allen Belangen überlegen. Allen voran die berührende und wunderbare Genia
Kühmeier, die ja schon als Micaela Begeisterung auslöste. Ich denke, dass die
Pamina ihre beste Rolle ist – ihr perfekt geführter Sopran füllte die
Staatsoper, sie hat eine derartige Wärme, Verzweiflung und Hingabe in ihrer
Stimme, dass sie das Publikum mit ihrer mädchenhaften und liebevollen
Ausstrahlung zutiefst berührte. Einfach großartig.
Das zweite Highlight war der kurze Auftritt
der Laura Tatulescu in der Rolle als Papagena. Sie, die ja schon als Susanna
überzeugte, sang ihren Gegenpart glatt an die Wand – dass Papageno bei einem
solch lieben Weibchen „das höchste der Gefühle“ bekommt – wer kann’s ihm
verdenken?? Diese Szene erhielt den meisten Publikumszuspruch.
Sehr, sehr gut auch die Drei Damen Simina
Ivan, Cornelia Salje und die zur Zeit in aller Munde und ganz kurzfrisig für
Janina Baechle eingesprungene Elisabeth Kulman, die als Dritte Dame ihr
Rollendebüt an der Staatsoper gab. Die drei Stimmen harmonierten untereinander
ausgezeichnet, die Sängerinnen bewegten sich auch sehr gut. Besonders gut kam
(wieder einmal) Elisabeth Kulman an, die mit einer fundierten Technik ihre beiden
Kolleginnen übertrumpfte.
Die „Königin der Nacht“ war – besonders bei
ihrer ersten Arie – eher eine Prinzessin der Nacht. Ana Durlovski hat eine für
dieses Haus zu kleine, eng geführte Stimme, was besonders bei „Oh zittre nicht,
mein lieber Sohn“ dank einiger recht unsauberer Töne doch zu allgemeinem
Zittern führte, was wohl im zweiten Akt auf das Publikum zukommen werde.
Allerdings gelang Durlovski die zweite Arie bei weitem besser, ohne jemals an
große Vorgängerinnen in dieser Rolle heranzukommen.
Charles Castronovo ist der Typ Latin Lover
(dieses Mal mit neckischem Bärtchen), hat eine gute Figur und ist von diesem
Blickwinkel aus betrachtet eine durchaus passende Besetzung für den Tamino. In
der Bildnisarie kam allerdings zum Vorschein, dass die neue Regung, die sein
Herz erfüllte, nicht spontan da war, sondern es sich dabei maximal um eine hart
erarbeitete Liebe auf den zweiten Blick handeln muss. Es ist wahrscheinlich
eine Geschmacksfrage, aber ein Tamino sollte doch etwas Metallisches in der
Stimme haben, wie man es sich von diesem, als strahlendem Helden angelegten,
Charakter erwarten kann. Castronovo singt technisch sehr gut, doch seine etwas
abgedunkelte, baritonal eingefärbte Stimme entspricht nicht hundertprozentig
diesen Erwartungen. Das ist aber eine Geschmackssache und sängerisch gab es
wenig auszusetzen.
Relativ blass der aktuelle Papageno, Hans
Peter Kammerer. Auch er ist nicht mit einer großen Stimme gesegnet und es fehlt
ihm (noch) die Ausstrahlung und Leichtigkeit, mit der zum Beispiel Adrian Eröd
(gegen dem man ihn vergleichen muss) diese Rolle sein Eigen gemacht hat.
Besonders nach der Pause war hörbar (bzw. eben nicht hörbar), dass die
Wortdeutlichkeit zu wünschen übrig ließ – oft waren halbe Textzeilen schwer
wahrnehmbar.
Solide als Sarastro Walter Fink, ohne dieses Mal
restlos zu überzeugen. Das selbe gilt auch für den Monostatos Herwig Pecoraro.
Sehr positiv fiel mir In-Sung Sim in der Rolle als Sprecher/Zweiter Priester auf.
Die Besetzung komplettierten noch Benedikt Kobel (Erster Priester), Michael
Roider (Erster Geharnischter) und Goran Simic (Zweiter Geharnischter).
Die Drei Knaben waren zwar schwindelfrei (wie
es die Inszenierung verlangt), doch hatte zumindest einer von ihnen ansonsten
keinen sehr guten Tag, was die Harmonie des Gesanges doch sehr beeinträchtigte.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass für diese
Produktion in der gleichen Besetzung außerhalb der touristischen Spitzenzeit zu
Weihnachten die gleichen Preise verlangt worden wären, aber so lange die
Besucher diese Preise zu zahlen bereit sind, warum nicht? Was mich zu einer
abschließenden Frage führt – liegt es an den vielen Orchesterproben für
Thielemann, dass sämtliche „Meistersinger“- Aufführungen in der Kategorie N
ausgepreist sind, während bei der Muti-Cosi dies nur für die erste Aufführung
gilt (das gleiche Schema auch für Premieren – alle Folgevorstellungen sind auch
in der Kategorie A erhältlich) ?!??
Kurt Vlach - DER NEUE MERKER - 26. Dezember 2007

Die oft geschmähte Simina Ivan sang die 1. Dame mit klangvollem, perfekt beherrschtem Sopran, als 2. Dame war der helle Mezzo von Cornelia Salje angenehm zu vernehmen, und die für Janina Baechle eingesprungene Elisabeth Kulman gab den Terzetten ein Alt-Fundament, wie man es nicht alle Tage so profund und ebenmäßig hört.
Sieglinde Pfabigan - DER NEUE MERKER - 01/2008 (Vorstellung am 27. Dezember 2007)
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