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Geistliche Musik

Joseph Haydn: Il ritorno di Tobia

Ort
Eisenstadt - Schloss Esterhazy, Haydnsaal
Internationale Haydntage 2008

Termin
Donnerstag, 4. September 2008 - 19.30 Uhr

Besetzung
Andrea Brown, Sopran
Lisa Larsson, Sopran
Elisabeth Kulman, Alt
Markus Schäfer, Tenor
Florian Boesch, Bass

Wiener Kammerchor
Österreichisch-Ungarische Haydn Philharmonie
Leitung: Adam Fischer

Programm
Joseph Haydn: Il ritorno di Tobia, Hob.XXI:1

Link
Haydn Festspiele Eisenstadt: www.haydnfestival.at

 

Joseph Haydn

Joseph Haydn

 

Presse

 

Elisabeth Kulman im Haydnsaal des Schlosses Esterhazy

 

Pressestimmen

Glanzvolle Rückkehr des Tobias bei den Haydntagen
Kritik – Lang führte „Il ritorno di Tobia“ („Die Rückkehr des Tobias“, Anm.) ein Schattendasein unter den Haydn-Oratorien. Einerseits zogen die Meisterwerke „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“ alle Aufmerksamkeit auf sich.
Anderseits verlangt der Inhalt mit langen Rezitativen dem Zuhörer einiges ab. Grundlage ist die biblische Geschichte des Tobias, der nach Ninive heimkehrt, um seinem blinden Vater Tobit das Augenlicht wiederzugeben. Während dieser die Hilfe aufgrund unerträglicher Schmerzen anfangs ablehnt, kann er mithilfe des Erzengels Raphael und Tobias’ Frau Sarah geheilt werden.
Dass „Il ritorno di Tobia zu Unrecht als „Aschenbrödel unter den Oratorien“ (Fischer) behandelt wird, stellte Maestro Adam Fischer am Donnerstag in Eisenstadt unter Beweis. Er rückte zur Eröffnung der 20. Internationalen Haydntage (noch bis 14. September) das selten gespielte Werk glanzvoll ins Rampenlicht.
Der Publikumsliebling dirigierte die Österreichisch-Ungarische Haydnphilharmonie mit viel Einfühlungsvermögen und äußerst facettenreich. Die Stimmgewalt des Wiener Kammerchors kam im Haydnsaal besonders gut zur Geltung. Überzeugend auch die Solisten. Allen voran Elisabeth Kulman (Alt) in der stimmlich besonders schwierigen Rolle von Tobias’ Mutter Anna.
Das Publikum dankte mit minutenlangen frenetischen Applaus, wie ihn manche Festspiele erst nach einem Feuerwerk erhalten.
Heike Kroemer - KURIER - 6. September 2008

Ein Jubiläum als Hitzeschlacht
Aufzählung Nicht ohne Grund ist "Il ritorno di Tobia", ein frühes Oratorium Joseph Haydns, kaum bekannt. Es dominieren schematisch gesetzte Arien nach spätbarocker italienischer Art, wie sie die Wiener "Tonkünstler-Societät" anno 1775 liebte. Zuweilen sprengt Haydns Genie die Fesseln, entwirft eine zukunftsweisende, kühne Sinfonia oder eine Arie mit reicher Bläserbegleitung. 1784 fügte Haydn noch zwei besonders geniale Chöre hinzu. Vielgestaltig sind auch die orchesterbegleiteten Rezitative.
Höchst verdienstvoll, dass sich die seit 20 Jahren bestehenden Eisenstädter Haydntage zu Beginn ihrer Jubiläumssaison dieser Herausforderung stellten. Tapfer trotzen die Solisten der Hitze im Schloss, die an manch kleiner Irritation mitschuldig sein mag.
Doch erfreute Andrea Lauren Brown als Erzengel Rafael mit strahlenden Sopran-Höhen, Kollegin Lina Larsson (Sara) mit differenzierter Pianokultur, Elisabeth Kulman (Anna) mit faszinierendem Alt-Timbre, Markus Schäfer (Tobias) mit kultiviertem Mozart-Tenor. Dem blinden Tobit, dessen wundersame Heilung den spannendsten Teil des Werkes bestreitet, lieh Florian Boesch die robuste Kraft seines Bassbaritons.
Adam Fischer animierte seine Österreichisch-Ungarische Haydnphilharmonie zu gewohnt feurigem Spiel, ambitioniert sang der Wiener Kammerchor.
Gerhard Kramer - WIENER ZEITUNG - 5. September 2008

Eine Rarität in der Sauna
„Leider fristet Haydns drittes Oratorium ein Aschenbrödeldasein“, so der musikalische Hausherr Adam Fischer. Und das völlig unbegründet. Der Auftakt zu den internationalen Haydntagen 2008 mit dem Oratorium „Il ritorno di Tobia“ war mehr als gelungen.
Das nunmehr 20 Jahre alte Festival machte Eisenstadt zu einem Haydn-Mekka. Und das Dank der konsequenten Führung durch seinen Intendanten Dr. Walter Reicher und dem für Haydn als Workaholic mitgestaltenden Adam Fischer, der inzwischen vielleicht einer der besten Haydnkenner geworden ist. Gleich in vier Konzerten wird Fischer, im bis zum 14. September dauernden Festival, seine Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie leiten.
„Die Rückkehr des Tobias“, auf eine Handlung aus dem Alten Testament fußend, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Wiedergabe, in der Solist/innen, Chor und Orchester einerseits mit viel Elan und Intensität, andererseits Wärme und Ruhe ausstrahlend, agierten. Fischer führte mit viel Geschick durch die Partitur und ließ es sich nicht nehmen, bis ins kleinste Detail gestalterisch zu wirken. Besondere Anerkennung muss dem Orchester zuteil werden; hier fielen sehr positiv die ständig geforderten, homogen wirkenden, Geigen auf. Bestens vorbereitet war Michael Grohotolskys Wiener Kammerchor als Chor der Hebräer. Auch hier hatte der Sopran in oft Schwindel erregenden Höhen (hohes C!) die Töne zu meistern.
Die fünf Solist/innen hatten maßgeblich dazu beigetragen, dass das 1774 komponierte Oratorium zu einem ergreifenden Erlebnis für alle Besucher wurde. In den Rezitativen und Arien wurden sie gefordert, besonders die vielen Verzierungen hatten es in sich.
Florian Boesch als blinder Vater Tobit agierte sicher und stimmgewaltig, Elisabeth Kulman als dessen Frau Anna fiel besonders mit warm timbrierter Tiefe ihres Altes auf. Hell und klar wirkte Markus Schäfers Tenor in der Rolle des Sohnes Tobias. Lisa Larsson als dessen Frau Sara und Andrea Brown als Erzengel Raphael konnten mit ihren Sopranen ebenfalls punkten.
Dass der wunderschöne Haydnsaal im Schloss Esterházy dringend eine Klimaanlage benötigt, ist diesmal besonders deutlich geworden. Im Schweiße des Angesichtes haben viele Haydns Musik erlebt und dafür auch Buße getan.
Bis einschließlich 14.9. gibt es noch ein bemerkenswertes Angebot an Konzerten und dazu Restkarten.
Wolfgang Stern - DREHPUNKTKULTUR - 5. September 2008

Haydntage mit "heißem" Oratorium eröffnet
Donnerstagabend wurden auf Schloss Esterhazy die 20. Internationalen Haydntage eröffnet. Zur Eröffnung wurde das erste Oratorium des Komponisten, "Il Ritorno di Tobia", gegeben. Die Musiker zogen dabei die Sakkos aus.
Frühes Werk
"Il Ritorno di Tobia" ("die Heimkehr des Tobias") ist rund 25 Jahre vor Haydns beiden großen Oratorien "Die Schöpfung" und "Die Jahreszeiten" entstanden und verfügt schon aus diesem Grund wohl nicht ganz über die musikalische Reife des Spätwerkes, meint ORF Burgenland-Kulturchefin Sabine Schmall.
Spaß mit Adam Fischer
"Das Oratorium beruht auf der biblischen Geschichte des Tobias, die im ersten Teil zu berühren versteht, im zweiten aber etwas langwierig gerät. Allerdings: Adam Fischer zu beobachten, wie er die Österreichisch ungarische Haydnphilharmonie, den Wiener Kammerchor und die Solisten führt, das entschädigt für manches lange Rezitativ. Fischer singt den Text zum Teil stimmlos mit, auch bei den Arien der Anna", so Schmall.
"Die Rolle der Mutter des Tobias hat die aus Oberpullendorf stammende Mezzosopranistin Elisabeth Kulman übernommen und Kulman meistert den als besonders schwierig geltenden Part stimmlich hervorragend".
Das Oratorium wurde im Rahmen der Haydntage nur einmal aufgeführt. Nach der Pause spielten die Orchestermusiker ob der im Haydnsaal herrschenden Temperaturen ohne Sakko weiter.
ORF.AT - 5. September 2008

Haydn-Festspiele: Auf Wunder muss man warten können
„Il ritorno di Tobia“ unter Adam Fischer zum Auftakt in Eisenstadt.
20Jahre bestehen die Internationalen Haydn Festspiele. Fast alle der über 1200 Werke Joseph Haydns wurden in diesem Zeitraum aufgeführt. 2009 sollen anlässlich des 200. Todestages sämtliche 107 Symphonien (!) durch prominenteste Interpreten aufgeführt werden. Bewusst weniger bekannte Wege beschritt man für die Eröffnung des diesjährigen Festspielherbstes: Das Oratorium „Il ritorno di Tobia“ komponierte Haydn, um sich als Mitglied der Tonkünstler-Societät zu empfehlen, einem Verein für arme Musiker samt Unterstützungskasse für deren Witwen und Waisen.
Doch der Vorstand war nicht einmal dadurch zu beeindrucken, dass die beiden ersten Aufführungen des 1775 vollendeten Werks einen Reinerlös von 1700 Gulden einbrachten. Haydn wurde nicht als Mitglied aufgenommen. Das Werk erreichte auch in der neun Jahre später um zwei effektvolle Chöre erweiterten Version die Popularität von Haydns späteren Oratorien. Das liegt nicht allein am biblischen Stoff, aus dem Luigi Boccherinis älterer Bruder Gastone das Libretto formte. Zwar blickt Haydn mit dem symphonieartigen Beginn, mit subtilen tonmalerischen Nuancen und dramatischen Effekten, die schon auf sein reifes Spätwerk zielen, weit in die Zukunft voraus. Doch erzählen sehr ausführliche Rezitative vom Wiedersehen der Eltern mit dem totgeglaubten Tobias, von der Heilung seines erblindeten Vaters Tobit und der Himmelfahrt des Erzengels Raphael.
Nicht nur die drückende Schwüle im prächtigen Haydnsaal von Schloss Esterhazy trübte das Vergnügen. Adam Fischer an der Spitze der tüchtigen Österreichisch-Ungarischen Haydn Philharmonie arbeitete die Gegensätze des Werks insgesamt zu wenig plastisch heraus, um die unterschiedlichen Sphären deutlich werden zu lassen. Die Solisten wurden vom wahrhaft engelhaften Raphael Andrea Browns dominiert; nicht in der erwartenden Form Markus Schäfer (Tobias) und Florian Boesch (Tobit), überzeugend Lisa Larsson und Elisabeth Kulman als Sara und Anna. Untadelig der von Michael Grohotolsky einstudierte, auch für Finalglanz sorgende Wiener Kammerchor.
Weitere Höhepunkte: Viktoria Mullova mit dem Beethoven-Violinkonzert (6.9.), Gala „20 Jahre Internationale Haydntage“ mit der Österreichisch-Ungarischen Haydn Philharmonie (9.9.), Klavierabend Paul Badura-Skoda (12.9.), Haydn-Liederabend Patricia Petibon (13.9.).
Walter Dobner- DIE PRESSE - 6. September 2008

Mit einem prominent besetzten Ensemble wurden im Schloss Esterházy die 20. Haydnfestspiele eröffnet. Die Österreichisch-Ungarische Haydn Philharmonie und der Wiener Kammerchor unter Adam Fischer führten Haydns Oratorium "Il ritorno di Tobia" auf; prominent auch die Solisten: Andrea Brown (Rafaelle), Lisa Larsson (Sara), Elisabeth Kulman (Anna), Markus Schäfer (Tobias) und Florian Boesch (Tobit).
1774 komponiert, wird dieses Oratorium wegen einer wenig stringenten Dramaturgie und gewaltiger Längen seltener vollständig aufgeführt als seine berühmteren Geschwister "Die Schöpfung" und "Die Jahreszeiten". Gerade in den Rezitativen Haydns zeigt sich aber hier seine Modernität gegenüber Mozart. Raffiniert ist hier seine Instrumentationskunst, beeindruckend sind auch Chorstellen (Einstudierung Michael Grohotolsky), die im jauchzenden Vollklang wie im delikaten Pianissimo eindrucksvoll herausgearbeitet wurden.
Trotz hochsommerlichen Temperaturen im Saal überzeugten die Vokalsolisten mit frischen, stimmsicheren Interpretationen. Das Orchester hätte zusätzliche Proben gebraucht.
pht - KRONENZEITUNG - 6. September 2008

ARCHIV.kulman.info 2008

Elisabeth Kulman - www.kulman.info