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Lied

Blicke mir nicht in die Lieder
Ein Programm rund um die Vokalmusik von Gustav Mahler

Termine
Mittwoch, 7. Mai 2008 - Mödling, Theresiensaal, 19.30 Uhr
Donnerstag,
8. Mai 2008
- Innsbruck, Canisianum - 20 Uhr
Freitag,
9. Mai 2008
- Meran, Kursaal - 20 Uhr
Dienstag,
13. Mai 2008
- Bad Schallerbach, Atrium - 19.30 Uhr
Mittwoch,
14. Mai 2008
- Wien, Konzerthaus, Mozartsaal - 19.30 Uhr

Besetzung
Amarcord Wien
- Sebastian Gürtler, Geige
- Michael Williams, Cello
- Gerhard Muthspiel, Kontrabass
- Tommaso Huber, Akkordeon

Elisabeth Kulman, Mezzosopran
Albert Hosp, Sprecher

Programm
Gustav Mahler: Lieder
im Arrangement von Amarcord Wien und vieles andere!

Text

Gustav Mahler steht in vielfacher Hinsicht an einem Wendepunkt der Musikgeschichte. Während die Welt langsam aber sicher in den Weltkrieg schlittert, treibt er die Romantik, die „schöne“ Musik ins Extreme, ja Bizarre. Die ambivalente Gesellschaft und eigene schmerzliche Lebenserfahrungen bilden gleichsam den seelisch-geistigen Boden für sein gewaltiges symphonisches Schaffen, in dem die von ihm entwickelten Orchesterlieder eine besondere Stellung einnehmen. Mit hellwacher Sinnlichkeit komponiert Mahler hochexpressive Musik um seine zentralen Themen: Liebe, Leidenschaft, Abschiednehmen, Leiderfahrung, Einsamkeit. Seine Musik droht immer wieder zu zerbersten, so prall hat er sie gefüllt.
Typisch Mahler scheint also das Übervolle.
Ein Wagnis, die 1001 Klangfarben auf nur vier Instrumente plus Sologesang zu reduzieren?
Aber: Sind nicht Einfachheit, kindliche Schlichtheit, intimste, stille Klänge, sind die nicht auch, und vielleicht noch viel mehr: typisch Mahler?
In diesem Konzertprogramm wollen wir Mahler buchstäblich auf den Grund gehen, seine Melodien und Harmonien gleichsam einkochen, reduzieren, bis eventuell übrigbleibt, was die Essenz sein könnte. Wir haben aus den „Liedern eines fahrenden Gesellen“, den „Rückert-Liedern“ und aus „Des Knaben Wunderhorn“ ausgewählt und für uns bearbeitet, und schaffen eine Synthese aus orchestraler Farbe und kammermusikalischer Innigkeit.
Mahlers Liebe zur Volksmusik scheint ja etwa das Akkordeon geradezu einzuladen. Geige, Cello und Kontrabass dürfen – völlig frei von dem, was ihnen Mahler einst im Orchester zugedacht hat –gleichzeitig Wirtshaus-Kapelle und Engelschor sein.

Musik am Rande des Abgrunds, nicht nur weil längst die Tage von Dur und Moll gezählt sind.
Musik voller herzzerreißender Sehnsucht.
Sehnsucht nach Schlichtheit im Chaos des Lebens.
Sehnsucht des einsamen Einzelnen nach dem liebevollen Gegenüber.
Sehnsucht nach dem Tanzboden.
Der „liebe“ Gott und auch gleich Gevatter Hein.
Die „Csárdásfürstin“ auf der anderen Seite.
Lehár und Kálmán als Droge gegen das aufziehende Unheil.
Walzerrausch im Untergehen.

Amarcord Wien hat solche Sachen bereits mit Mussorsgkij und Satie angestellt – mit erstaunlichen Ergebnissen. Virtuos und gleichzeitig mit Sinn für das Wesentliche. In Arrangements, die die außergewöhnliche Besetzung für die jeweilige Musik wie geschaffen erscheinen lässt. Wer Amarcord kennt, weiß, wovon die Sprache ist.

Die junge Mezzosopranistin Elisabeth Kulman ist durch ihre Vielseitigkeit für das Projekt prädestiniert: Sie singt die große Literatur aus Oper, Operette und Konzert ebenso wie feinste vokale Kammermusik aus den unterschiedlichsten Stilbereichen. Ihre außergewöhnliche Stimme hat sie bereits an führende Opernhäuser Europas wie die Staatsoper Berlin, die Opéra National de Paris und die Wiener Staatsoper, deren Mitglied sie seit 2007 ist, gebracht, nachdem sie mehrere Jahre lang an der Volksoper Wien zu hören war.

Albert Hosp in Österreich vorzustellen ist müßig, jeder Hörer von Ö1 weiß um den Bann seiner Stimme und seiner Geschichten. Mit über 2000 Radiosendungen ist er ein gebranntes Kind, was die Musik betrifft. Er spinnt den erzählerischen Faden, bringt Randnotizen und Fußnoten ein, stellt Briefzitate und Originaltöne zur Verfügung - und wirft an diesem Abend gemeinsam mit den Musikern einen staunenden Blick auf diese Epoche europäischer Musikgeschichte.

Text: Amarcord Wien, Oktober 2007

 

Links
Amarcord Wien: www.amarcord.at
Albert Hosp:
derneue.orf.at/orfstars/hosp.html

 

Amarcord Wien

"Blicke mit nicht in die Lieder "

 

Presse

 

Ähnliche Archiv-Einträge

 

Radio-TIPP
Das Konzert im Wiener Konzerthaus wurde vom ORF aufgezeichnet und wird am Donnerstag, 16. Oktober 2008, um 19.30 Uhr auf Radio Österreich 1 ausgestrahlt.

 

Amarcord Wien

Elisabeth Kulman mit Amarcord Wien und Albert Hosp

Pressestimmen

Wien: Kulman, Amarcord - Mahler-Lied, Wienerlied
Eine ungewöhnliche Annäherung an Gustav Mahler und sein Liedschaffen im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses: Der junge Mezzo Elisabeth Kulman, bei Karrierestart noch ein Sopran, gestaltete Mahlers Lieder mit wunderbarem Timbre und herrlicher Klangfülle.
Beeindruckend, wie sie die teils recht tief liegenden Melodien - etwa "die zwei blauen Augen" mit Ausdrucks- und Farbschattierungen nachempfindet! Das Ensemble Amarcord mit Sebastian Gürtler (Violine), Tommaso Huber (Akkordeon), Michael Williams (Cello) und Gerhard Muthspiel (Kontrabass) begleitete die charmante Sängerin ungemein sensibel und einfühlsam.
Die wohlklingenden Arrangements für diese höchst eigenwillige Besetzung verleihen Mahlers Liedern geradezu südländisches Flair - Fado-Assoziationen werden geweckt: "Ich atmet einen linden Duft" (Rückert-Lieder) oder bringen die wienerisch-volksmusikalische Note besonders zur Geltung.
Albert Hosp bot dazu Schrulliges aus dem Leben des rastlosen Tausendsassas Mahler. Aufgelockert wurde das Programm mit neuen Wienerliedern des Kontrabassisten Georg Breinschmid ("Midnight in Heanois" mit Sebastian Gürtler als Sänger und Entertainer).
Tief berührte eine gelöste, feine Interpretation von Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen" ("Rückert-Lieder") von Elisabeth Kulman.
pht - KRONENZEITUNG - 17. Mai 2008

Canisianum Innsbruck: G. Mahler Klangmagie
Ein Konzert des Zonta Clubs Innsbruck I wurde zum Ereignis: Das Ensemble Amarcord und Staatsopern-Altistin Elisabeth Kulman widmeten sich Mahlers Orchesterliedern und zauberten dabei die Klangmagie des Meisters in kammermusikalische Form.
Von Albert Hosp, der vertrauten Radiostimme, "live" kommentiert, hörte man da ein raffiniertes Destillat vielschichtiger großdimensionierter Partituren, vom Gestus des romatischen Pathos bis zur schlichten Volksmelodie der "Wunderhorn"-Lieder. Und das alles gewürzt mit jener wienerischen Mischkulanz aus Trauer und Fröhlichkeit, aus volktümlicher Direktheit und melancholisch umflorter Schmerzlichkeit, die schon Schubert beseelte. Fabelhafte Musiker, der expressive Mezzosopran und die geistvoll-charmante Moderation ergaben ein außergewöhnliches Hörerlebnis, das tief berührte und den Komponisten Gustav Mahler vielen auf neue Weise nahe gebracht hat.
Jutta Höppel - KRONENZEITUNG - 10. Mai 2008

Musik Meran: Gustav Mahler einmal anders - mit Amarcord Wien, E. Kulman und A. Hosp
Ein Scherz auf Zwölftonmusik
"Gustav Mahler hatte, für Dirigenten seiner Zeit ungewöhnlich, keinen Bart und er war sehr sportlich", das sind die scherzhaften Weisheiten von Albert Hosp. Wer kenn seine Kommentare nicht, seine angenehme, aus dem "Ö1"-Klassik-Programm vertraute Stimme. Als ob er eine Sendung moderieren müsste, hat er Platz genommen auf der Bühne des Meraner Kursaals, um gemeinsam mit dem originellen Ensemble Amarcord Wien und Elisabeth Kulman (Mezzosopran) den großen Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler in einem neuen Licht zu zeigen. Der namhafte Symphoniker erscheint hier als Liedkomponist, in intimer Besetzung mit teils sehr privaten Anekdoten über den Künstler von Albert Hosp.
Dabei wirkt die originelle Besetzung mit Violine, Akkordeon, Violoncello und Kontrabass in den Bearbeitungen der Orchesterlieder Mahlers durchaus nicht ungewöhnlich. Das Akkordeon scheint geradezu prädestiniert für die melancholische Grundstimmung seiner Musik (ebenso der runde und dunkel gefärbte Mezzosopran von Elisabeth Kulman); außerdem treten in der durchsichtigen Besetzung die Anklänge an die romantische Tonsprache und ihre ironische Entfremdung erst recht zutage. Die Auswahl aus den "Liedern eines fahrenden Gesellen", den Rückert-Liedern und den Wunderhorn-Liedern stellt Hochgefühl, Schwärmen für die herrliche Natur und tiefe Traurigkeit einander gegenüber. Bald heißt es: "Ich ging mit Lust durch einen grünen Wald, / Ich hört' die Vöglein singen", und Elisabeth Kulman ergeht sich in jubilierenden Tönen, während Amarcord so richtig ins Zwitschern kommt. Bald sammelt sich Kulman, um den nüchternen Ausspruch zu tun: "Ich bin der Welt abhanden gekommen, / mit der ich sonst so viele Zeit verdorben." Dazwischen legen sich die vier Männer von Amarcord mit Musik von Mahlers Zeitgenossen und von Georg Breinschmid (geb. 1973) ins Zeug, um ihrer souveränen Sängerin Elisabeth Kulman mehrere Pausen zu gönnen. Unterstützt werden sie von Albert Hosp. In Antonín Dvorák sieht er einen Seelenverwandten von Mahler und kündigt so dessen "Capriccio" aus den "Miniaturen op. 75" an. Zur Ouvertüre aus "Der Opernball" von Richard Heuberger meint er, dass diese den Musikern lieber sei als Wagners "Walküre". Eine Herz-Schmerz-Darbietung über die Zwölftonmusik, in der Schönberg, Webern und Co ordentlich aufs Korn genommen werden, setzt dem Ganzen die Krone auf. Sebastian Gürtler legt dazu die Violine weg und singt "weanerisch" ins Mikrophon.
Da darf das Wienerlied freilich nicht fehlen, besser gesagt, seine Verarbeitung. Die glänzenden Bearbeitungen dafür hat Georg Breinschmid bereitgestellt. Und es ist kein Zufall, dass Tango-Musik von Astor Piazzolla anklingt, denn diesen Komponisten hat Amarcord schon in einem früheren Programm aufs Korn genommen.
Markus Jakob Laimer - DOLOMITEN - Mai 2008

ARCHIV.kulman.info 2008

Elisabeth Kulman - www.kulman.info