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Pressestimmen
„Falstaff“ ist zwar mit Sicherheit eine der wunderbarsten (die wunderbarste?) Opern von Verdi, aber wohl wegen Mangels an m-ta-ta nicht sonderlich beliebt und offenbar gar nicht sonderlich bekannt. Jedenfalls gab es bei dieser Aufführung einen Moment, wo dem Opernfreund der Atem stockte, als das Publikum in eine Pause der finalen Fuge hineinklatschte, weil man offenbar meinte, es sei schon zu Ende… Dass so etwas in Wien passiert? Oder sehen wir es einfach umgekehrt: Ist
doch schön, wenn viele „Neulinge“ in der Oper sind. Vielleicht kann man sie für diese Welt gewinnen. Die „Falstaff“-Aufführung war jedenfalls vordergründig lustig genug, um sehr zu gefallen.
In der Titelrolle wieder Ambrogio Maestri, fast schon der Haus-Falstaff, weil sich ja Bryn Terfl, die Premierenbesetzung, kaum mehr nach Wien verirrt und man niemanden anderen sucht. Nun, Maestri hat seine Vorzüge, vor allem eine gesunde, warme, breite Stimme, die die Rolle voll ausfüllt. Daneben ist er ein italienischer Schmierenkomödiant, „doch sag ich nicht, dass das ein Fehler sei“, wenn man das Werk so ganz auf Lustigkeit ausgerichtet nimmt wie hier. Wenn er einen hohen Ton gut erwischt (meistens), dann
hält er ihn so lange wie möglich, und zum Falsett noch den Hüftschwung – da bedarf es gar keiner Sprachkenntnisse, das teilt sich über Körpersprache und komisches Charisma mit.
Der Gegenspieler Ford ist für Boaz Daniel eine Nummer zu groß. Die Rolle mag zwar nicht riesig sein, sie ist humorvoll angelegt, aber stimmlich erfordert sie noch immer einen italienischen Heldenbariton (wie es Alvarez bei der Premiere war). Um im Duett mit Falstaff mithalten zu können, musste Daniel gewaltig forcieren. Sehr gelungen allerdings, wie er sich die Rolle auf seine Persönlichkeit zurechtbog – nicht der aufbrausende Rächer seiner Ehre, sondern eher der kleinkarierte, verärgerte bebrillte Ehemann…
Herwig Percoraro und Janusz Monarcha, als Bardolfo und Pistola in der Wolle gefärbte Spitzbuben, erwiesen sich als ebenso hemmungslose wie effektsichere Komödianten, und Benedikt Kobel als Dr. Cajus hielt hier mit. Samir Pirgu wird den allzu lyrischen Fenton bald hinter sich lassen, die Stimme klingt schon nach mehr, vor allem nach anderem Verdi – wir werden ja im Herbst schon seinen Alfred hören.
Ein Quartett wirklich prächtig gelaunter „lustiger Weiber“ war aus dem Haus zu besetzen, und die Damen profitierten von den zwar meist schockfarbigen, aber doch sehr effektvollen Kostümen von Dagmar Niefind (die bei Falstaffs „Balz“-Kostüm dann wirklich in die kaum mehr akzeptable Albernheit abglitt). Ildiko Raimondi ist eine hinreißend verschmitzte Mrs. Ford, schade nur, dass der Stimme langsam Abnützungserscheinungen anzuhören sind. Ileana Tonca hat mit der Nanetta eine Rolle gefunden, die ihr weit besser liegt
als manch anderes, was sie am Haus zu singen bekommt. Die Meg Page kann man nur als „Wurzen“ bezeichnen, aber Nadia Krasteva ist ja die Schönheitskönigin des Hauses, sie schafft es, dass man sie trotz der Bedeutungslosigkeit der Partie solcherart doch wahrnimmt. Die Königin des Quartetts war allerdings die Mrs. Quickly der Elisabeth Kulman – endlich eine wirklich dunkle, echt dunkle Stimme, „Reverenza“ klang, wie es klingen muss, und der Rest auch: ein wunderbar
beweglicher, prächtig timbrierter tiefer Mezzo. Und eine Darstellerin von souveränem Humor, die mit Ironie und Wendigkeit bei der intriganten Sache ist – und sich auch von dem gewaltigen Falstaff schütteln und rütteln lässt und dies mit Humor trägt…
Große Dirigenten haben das Besondere an dieser „Falstaff“-Partitur, ihre kunstvoll filigranen Elemente, ihren souveränen Humor so oder so herausgearbeitet, zwischen Karajan und Bernstein gab es da manchen Weg, das Besondere hören zu machen. Marco Armiliato hielt sich hingegen an die handfeste italienische Komödie, was auch möglich ist. Nicht immer klappte die Kommunikation zwischen Orchester und Bühne wirklich klaglos, aber im großen und ganzen ist es als Repertoire-Falstaff ohne weitere „Interpretations“-Absichten
des Dirigenten ein gelungener Abend gewesen.
Es fällt nur – ebenso wie neulich bei der „Zauberflöte“ – auf, dass Regisseur Marco Arturo Marelli, der sich selbst auch immer als Bühnenbildner besetzt, in dieser Eigenschaft wirklich keine erste Wahl ist. Seine Ideen sind meist verquer, gewaltsam und wenig einleuchtend, die Ausführung lässt kein Quentchen von Geschmack erkennen. Jetzt wollen wir nur hoffen, dass ihn für „Capriccio“ die Inspiration überkommt…
Renate Wagner - DER NEUE MERKER - 30. Mai 2008

All's well that ends well This performance transpired to become a rather routine event – despite its excellent cast and scheduling during the Festival Weeks. Dating back to Oct 2003, this Falstaff has seen several revivals with a mixture of casts – and indeed this time round only Herwig Pecoraro’s Bardolfo stems from the original lineup. Perhaps it was a lack of rehearsal time which resulted in some serious lack of coordination between pit and stage. (Conductor Marco
Armiliato), which naturally added undesired tension and detracted from the evening’s potential. In the title role Ambrogio Maestri is a natural with his larger-than-life presence and personality. If perhaps his timing and characterization don’t quite rank with Gobbi and Evans, he probably tops them in sheer vocal command and ease - and still has time ahead to further mature in the role he was born to sing. As Ford Boaz Daniel is no mean foil to this Falstaff. He paces himself well and seizes his moment’s
with aplomb. The single role debut among the male protagonists was Janusz Monarcha who presented a solid Pistola. Saimir Pirgu’s Fenton was a delight – beautifully lyrical and generous of tone. Herwig Pecoraro made his mark as Bardolfo, as did Benedikt Kobel who was in particularly good form as Dr. Caius. As Alice Ford, Ildiko Raimondi sailed through the role with her customary grace and skill. If the voice has perhaps become a shade “grainy” in timbre, it is certainly no less attractive for it. Ileana Tonca
stepped in at short notice and presented a Nanetta to be remembered. Not only is she enchanting on stage, but the voice is exceptionally endearing in timbre and her execution technically and musically immaculate. Elisabeth Kulman was singing her first Mrs. Quickly in the house. Absolutely in command of every situation, this is a lithe, wily lady - not your blousy sung-out Ulrica or Azucena! An incisive chest register is there where required, but welcomely augmented
by lovely lyrical surprises full of subtlety and charm. Nadia Krasteva’s Meg. Page was almost reminiscent of a Flamenco dancer in her physical portrayal. Wonderfully intense, she cuts a stunning figure on stage - a dark and sensuous
contrast to Raimondi’s blond and noble Alice - and fulfills the vocal quality we have come to expect from her. Marco Arturo Marelli’s production has its moments. Sir John’s oil-barrel nest with its cosy ‘70’s orange, red and yellow hues has its charm, and the additional floating platform which serves for many of the other scenes is efficiently used with a bare minimum of props – but does however lack intimacy at times due to its vast dimensions. The Windsor Park scene which begins so effectively with its backdrop
of pines silhouetted against a purple full-mooned sky, sours somewhat with the
arrival of Ku-Klux-Klan look-a-likes and their battery-powered torch lights. However, all’s well that ends well - with the entire ensemble gathering to feast together, and enjoy the generous applause which rounds off the evening. A must if only for Falstaff’s amazing Act II apparel which Signor Maestri carries off with the aplomb of an haute couture model.
Moore Parker - THE OPERA CRITIC - 19. Mai 2008
Übersetzung: Elisabeth Kulman gab ihr Hausdebüt als Mrs. Quickly. Sie führt das absolute Kommando über jede Situation und ist eine gelenkige, durchtriebene Lady - keine behäbige, abgesungene Ulrica oder Azucena!
Ihr durchschlagskräftiges Brustregister zeigt sie, wo es verlangt ist, aber bietet auch angenehme Überraschungen mit schönen Lyrismen voll Finesse und Charme.

... Kein Wunder, dass sogar Mrs. Quickly seinem bärigen Charme verfällt, denn außer den stückbedingten "Annäherungen" im Zuge ihrer intriganten Manöver neckt sie ihn ganz unbemerkt liebevoll im letzten Bild. Diese Quickly, Elisabeth Kulman, ist eine Ohren- und Augenweide abseits der sonst so klischeehaften "Alten", wie es z.B. die Simionato oder die Resnik waren, im
Spiel raffiniert, allein wie sie den Verführer zweimal rumkriegt und das mit einem bis in die Tiefe ausgeglichenen, runden und wohlklingenden Mezzo.
Peter Skorepa - DER NEUE MERKER 06/2008 (Vorstellung am 30. Mai 2008)

Eine schlanke, fesche Quickly - das ist neu und "super", weil Elisabeth Kulman sie auch noch hervorragend singt. Die junge Künstlerin hat auch für die "Reverenza" die nötige Tiefe und Verschlagenheit. Und wo steht geschrieben, dass Frau Quickly alt sein muss?
Elena Habermann - DER NEUE MERKER 06/2008 (Vorstellung am 24. Mai 2008)

Jetzt aber dieses Damenquartett! Eine wie immer entzückende Ildikó Raimondi als heitere Alice, die muntere Ileana Tonca mit ihren wunderbar gehaltenen toni lunghi als Nannetta, Elisabeth Kulman als höchst überzeugender "postillon d'amour" Quickly und die zwar wenig British, wohl aber very attractive looking Nadia Krasteva als Meg. Sehr hübsch und farbenfroh sind sie alle gekleidet von
Dagmar Niefind.
Fritz Tront - DER NEUE MERKER 06/2008 (Vorstellung am 21. Mai 2008)

Diese Freude erstreckte sich ohne irgendeinen Unterschied auf die so anmutig konspirativen "Lustigen Weiber", an der Spitze Idlikó Raimondi als Alice, Nadia Krasteva als Meg und die ebenfalls ihr Rollendebüt absolvierende Elisabeth Kulman als Mrs. Quickly. Reverenza! Am schönsten auch hier die Ensembles, wenn auch dies nur eine Steigerung des ständig herrschenden Glücksgefühls bedeutet.
H.P.N. - DER NEUE MERKER 06/2008 (Vorstellung am 18. Mai 2008)

Auch Elisabeth Kulman zählte als Mrs. Quickly zu den Stützen des Abends.
Johannes Marksteiner - DER NEUE MERKER 06/2008 (Vorstellung am 27. Mai 2008)

An fünf Abenden stand im Mai die vielleicht bedeutendste Commedia der gesamten
Opernliteratur, nämlich Giuseppe Verdis „Falstaff“ am Spielplan der Wiener
Staatsoper. Premiere der Inszenierung von Marco Arturo Marelli war am 19.
Oktober 2003, der gestrige und letzte Abend der Mai-Serie war die 30. Aufführung
dieser Produktion. Nicht zuletzt im Hinblick auf drei Rollendebüts (von denen
dann eines krankheitshalber entfiel) wurde geprobt und dennoch merkte ich in den
drei von mir besuchten Aufführungen (18., 21. und 30. Mai) das Zusammenwachsen
des Ensembles, was gleichzeitig aber auch zunehmende Individualität im Spiel
bedeutet. Es unterstreicht die Intelligenz der SängerInnen, dass eigene Ideen
sich problemlos in ein bestehendes Konzept einbringen lassen, wenn die Partner
mitmachen. Ambrogio Maestri ist ein stimmgewaltiger Falstaff, der die Komik
der Rolle vokal wie darstellerisch bis an die Grenzen zur Outrage auslebt, ohne
aber in die Schmiere abzugleiten. Wenn ein erstes Haus heute dieses Werk spielt,
muss wohl jedes Besetzungsbüro und jede Intendanz an diesen in jeder Weise
gewichtigen Künstler denken, nach dessen Hinterfragung des Ehrbegriffes das
Publikum gestern spontan applaudierte. Wie er, zeigen auch seine beiden Diener
Bardolfo (annähernd ideal besetzt mit Herwig Pecoraro, der schon in der
Premierenserie dabei war) und Pistola (überaus gelungenes Rollendebüt von Janusz
Monarcha, den ich nie für einen derartigen Komiker gehalten hätte), dass
„Falstaff“ einerseits Musik auf höchstem Niveau bietet und gleichzeitig mit
Augenzwinkern die Commedia dell Arte zitiert. Den Ford gibt Boaz Daniel
eifersüchtig und hinterhältig gleichzeitig in Spiel und Stimme; Benedikt Kobel
ist ein fieser Dr. Cajus, Saimir Pirgu ist als Fenton nicht nur Nanettas
Liebhaber (mehr als rollendeckend die für Laura Tatulescu kurzfristig
eingesprungene und dann die ganze Serie singende Ileana Tonca) sondern auch der
Schwarm weiblicher Besucher aller Altersstufen. Ildiko Raimondi singt die Alice
Ford mehr als anständig und bringt die Rolle auch darstellerisch glaubwürdig
über die Rampe; diese beiden Ausagen gelten für mich auch für die Meg Page der
Nadia Krasteva. Neu in dieser Inszenierung ist die Mrs. Quickly der Elisabeth
Kulman, die die Konkurrenz großer Stimmen der Vergangenheit ehrenvoll besteht,
spätestens mit ihrem „Reverenza“ das Publikum für sich einnimmt und eine
hintergründig intrigierende Dame der Gesellschaft mit voller und prächtiger
Stimme gibt. Dirigent der Serie war Marco Armiliato, der die schwierige
Partitur mit den gebotenen Feinheiten zum klingen brachte. Zusammenfassung:
eine insgesamt durchaus sehens- und vor allem auch hörenswerte Aufführungsserie,
die einmal mehr die Qualitäten der Wiener Staatsoper unter Beweis stellte (und
für mich die Frage aufwirft, warum Menschen eine (Stehplatz)karte kaufen und
nach 20 Minuten das Haus dann verlassen).
Michael 2 - TAMINO KLASSIKFORUM - 31. Mai 2008

It's time to laugh at the fat bloke again - Falstaff in Vienna, 24 May 2008
Any production of Falstaff stands or falls by the performance of its titular fatboy. Ambrogio Maestri, sporting homegrown manbewbs and built-in padding looked born to the role. His voice is not the most beautiful, he strained for his high notes and rasped his pianos. But he delivered an intelligent and varied range of sounds, even if not all of them were quite 'singing', and his sheer idiocy was endearing. Falstaff is a fuller character (and closer to the Shakespearean) if played with more wit and malevolence,
but Maestri's interpretation meshed with the carefree jolliness of Marco Arturo Marelli's production.
Marelli seems to have taken Falstaff's final words 'Tutto nel mondo è burla' ("all the world's a joke") at face value - in fact he filled the stage with them on a giant screen in the final scene. The determined avoidance of any psychological insight and smothering excess of good-humoured niceness gutted the opera of any moral overtones. Boaz Daniel's efficiently sung Ford was a bland, dutiful husband, not a jealous spouse and overbearing father, and the crooked Pistola and Bardolfo were simply
loveable oafs. The elaborate tricks of the wives seemed an interfering brake on Falstaff's fun rather than an overdue lesson in probity.
Apart from the Garter Inn, which was a cosy nest of flame-coloured beer barrels and Indian rugs set beneath the main stage, most of the action was bravely set on a bare platform. It needed action to fill it, and the greatest strength of this production was the skilled and neatly choreographed physical interplay between characters, deftly handled with great fidelity to the musical exchanges in the score.
The approach only faltered in the penultimate scene, where Falstaff is captured by disguised townsfolk in the park. They loafed around the perimeter with flashlights and KKK hoods, he shuffled from foot to foot trailing a couple of ropes round his wrists. It looked as if everyone was waiting to be told what to do next. But perhaps that was the intention - this production's Falstaff avoids confronting the consequences of his behaviour all the way through.
The production itself may not be the greatest, but it was strongly performed. Maestri's enormous presence ensured his Falstaff was quite properly the centre. Saimir Pirgu's bright, lyrical Fenton was impressive - hints of JDF - despite a hint of strain on some top notes. Elisabeth Kulman was a subtle and intelligent Mrs. Quickly, and Ileana Tonca's girlish Nannetta was perfectly charming.
Marco Armiliato conducted competently, but was there some resistance? - the orchestra seemed to revert to type in the elegant, almost Straussian, wash of sound. Still, it's hard to complain about a performance of that quality.
INTERMEZZO - 25. Mai 2008
Übersetzung: Elisabeth Kulman war eine raffinierte und intelligente Mrs. Quickly.
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