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Pressestimmen
Heimkehr eines gefallenen Engels
Schumanns „Das Paradies und die Peri“ beim OsterKlang
Für eine Peri – ein aus der himmlischen Schar ausgestoßener Engel – öffnet sich Allahs Paradies nur dann wieder, wenn sie „des Himmels liebste Gabe“ findet. Es sind schließlich die Reue-Tränen eines Sünders.
Die Konzertreihe des Festivals OsterKlang ist seit Samstag eröffnet: mit Robert Schumanns Oratorium „Das Paradies und die Peri“ – eine Erlösungsgeschichte nach orientalisch-indischen Motiven.
Dirigent Nikolaus Harnoncourt orientierte sich im Musikverein an der Beschreibung des Komponisten, es handle sich um kein Werk „für den Beetsaal, sondern für heitere Menschen“. Am Pult der Wiener Philharmoniker konzentrierte er sich auf die fein verwobene Abfolge von romantisch impressionistischen Stimmungsbildern und dramatisch gesteigerten Szenen. Und formte mit den warmen Farben des Orchesters eine eindrucksvolle Collage aus teils lieblichen, teils eindringlichen Bildern zwischen den Genres. Der zurückgenommen
agierende Schönberg Chor überzeugte nicht nur in den kunstvollen Fugen durch klare Präzision.
Die deutsche Sopranistin Annette Dasch sang eine natürliche, beinahe makellose, doch großteils distanzierte Peri. Aus dem gut besetzten und vom Orchester getragenen Solistenensemble um sie stach nur die Altistin Elisabeth Kulman als seelenvoller Engel heraus.
Eine lustvolle, tiefe, kurzweilige und bejubelte Abwechslung im jährlichen österlichen Oratorien-Reigen.
Judith Schmitzberger - KURIER - 16. März 2008

Paradies der Klänge
Osterklang-Beginn mit Schumann-"Oratorium"
Der Komponist Robert Schumann hielt es für seine "beste Arbeit". Noch heute ist dessen mit dem Begriff Oratorium nur oberflächlich zu verstehendes Werk Das Paradies und die Peri allerdings eine jener Raritäten, für die sich Werkentdecker Nikolaus Harnoncourt starkmachen muss. Es liegt ihm: Unlängst hat er in Zürich Schumanns Genoveva in Erinnerung gerufen; nun galt es beim Beginn des "Osterklangs" im Musikverein für diesen dreifachen Versuch eines gefallenen Engels, in den Himmel zu kommen,
einzutreten.
Schumann hat da markante Frage-Antwort-Effekte zwischen Chor (glänzend das Arnold-Schoenberg-Kollektiv) und Orchester eingebaut, hat düstere Flächen ersonnen, die Harnoncourt von den Wiener Philharmonikern ganz ohne Vibrato einfordert, um markante Fahlheit zu bewirken. Mitunter wird es allerdings auch gar lieblich, und punktuell verharrt das Werk etwas statisch in einer orchestralen Warteposition, die für Längen sorgt. Zwischendurch natürlich Eingebungen, grandios poetisch das Melos. Und da die Philharmoniker
in guter Form sind, ist mit seidigem, schlankem Klang, Transparenz und aufbrausender Dramatik substanzvolle Wirkung zu erzielen, die auch von (jedoch nie ausgewalzter) Sanglichkeit profitiert.
Im Vokalen mischt sich Kostbares mit Solidem: Annette Dasch (als Peri) beeindruckt durch glanzvoll glühende Höhen, Christian Gerhaher (als Gazna und "der Mann") durch liedhaft-lyrische Ansätze. Durchwegs klangschön Elisabeth Kulman (als Engel), passabel Bernhard Berchtold (als Jüngling), Mojca Erdmann (als Jungfrau) und Michelle Breedt. Etwas unstet (mit seinem aufgeladenen Vortrag) klang jedoch Christoph Strehl (als Erzähler).
Ljubisa Tosic - DER STANDARD - 17. März 2008

Osterklang: Knocking on Heaven's Door
Jubel für Schumanns „Paradies und die Peri“ unter Harnoncourt.
„Des Himmels liebste Gabe“ muss sie finden – erst dann darf die Peri, ein gefallener Engel der persischen Sage, auf Rückkehr in das Paradies hoffen. Weder Heldenblut noch Liebestod gewähren ihr die ewige Seligkeit, sondern erst die Träne eines reuigen Büßers.
Keine Oper, kein Oratorium, sondern „ein neues Genre für den Konzertsaal“ wollte Robert Schumann mit „Paradies und die Peri“ 1843 verwirklichen. Dialoge handelnder Personen gibt es kaum, das Geschehen wird von Solostimmen in arioser Gestalt und vom Chor in lyrischen bis hymnischen Stimmungsbildern erzählt. Im dritten Teil mögen diese etwas zu sehr zu epischer Breite tendieren, packen aber insgesamt durch Schönheit und Schwung. Das Werk, einst unter Schumanns populärsten, musste sich einiges gefallen lassen: Patriotisch-kriegerische
Umarbeitungen 1914 und in ganz entstellender Weise von den Nazis mögen mit schuld daran sein, dass es heute nur mehr selten angesetzt wird – wenn nämlich ein großer Dirigent die musikalischen Vorzüge im besten Lichte zu präsentieren versteht. Carlo Maria Giulini war ein solcher, etwa 1976 im Musikverein – und nun, nicht zum ersten Mal, Nikolaus Harnoncourt.
Scharf formulierte Dramatik
Nach seinem erfolgreichen Plädoyer für Schumanns „Genoveva“ in Zürich durchleuchtete er zur Eröffnung des Festivals „Osterklang“ der Peri sehnsuchtsvolle Suche. Mit den engagierten, prägnanten Wiener Philharmonikern förderte er gleichsam noch mehr Dissonanzen zutage, als man gewohnt ist: Scharf formulierte Dramatik prägte die Welt des Tyrannen im musikalisch eindrucksvollsten ersten Teil, bevor im zweiten die Nilquellen sanft plätschern durften und der Schlummerchor sanfte Ruhe verströmte.
Kleine Unsicherheiten im Zusammenspiel fielen nicht ins Gewicht, doch wirkte der dritte Teil nicht mehr ganz so sorgfältig vorbereitet – auch wenn der klangschön singende Arnold Schoenberg Chor dafür am Ende mit edler Inbrunst zu entschädigen versuchte. Mehr brav als inbrünstig, aber vokal untadelig gab Annette Dasch die Peri an der Spitze der Solistenriege, aus der Elisabeth Kulman mit sonorem Alt und Christian Gerhaher zwischen stimmlicher Autorität und
(wenn auch rhythmisch kurz strauchelnder) volksliedhafter Schlichtheit ragten. wawe
Walter Weidringer - DIE PRESSE - 17. März 2008

Gefallene Engel
Vor zwölf Jahren gab Stardirigent Nikolaus Harnoncourt beim ersten OsterKlang-Festival den Takt an - und die Wiener Philharmoniker spielten brav alle Stückerln. Heuer will er sein Publikum für eine ganz besondere Rarität gewinnen. Leider gelingt ihm das nur bedingt ...
Nikolaus Harnoncourt versteht sich nicht nur als Originalklangspezialist, sondern auch als Anwalt und "Retter" oft zu Recht vergessener Werke. Mit seiner Verbissenheit, Akribie und Detailverliebtheit schafft er es jedoch immer wieder, zumindest großartige Aufführungen zu gestalten - auch wenn vom Werk selbst beim Hörer nichts hängenbleibt.
So verhielt es sich auch beim Eröffnungskonzert des "OsterKlang 2008"-Festivals im Wiener Musikverein. Auf dem Programm stand das (szenische) Oratorium "Das Paradies und die Peri" von Robert Schumann - ein aus drei Teilen bestehendes Stück, das auf einer poetischen Erzählung des irischen Dichters Thomas Moore basiert. Schumanns Freund Emil Flechsig übersetzte den Text und übergab ihn seinem Komponistenfreund.
Leider ist die gemeinsam mit Schumann entstandene musikalische und textliche Übertragung genauso sperrig wie die Handlung: Die drei Teile erzählen die Geschichte von Peri, einem gefallenen Engel, der aufgrund eines Fehltritts aus der himmlischen Gemeinschaft ausgeschlossen wird. Nun sucht er einen Rückweg ins Paradies. Seine Aufgabe ist es, "des Himmels liebste Gabe" zu finden. Diese stellt sich letztlich als die Reue eines bekehrten Sünders heraus.
Der Erlösungsgedanke des Stücks paßt zwar durchaus zum "OsterKlang" - doch "unmusikalischer" kann man sich einen Text zu einem Oratorium gar nicht vorstellen. Es ist beinahe ein Festtagswunder, daß Robert Schumann die Musik trotzdem gekonnt dazu sprechen läßt.
Das Orchester weist hier die typische Besetzung eines romantischen Chorwerks auf; dazu gesellen sich ein großer Chor sowie sieben Solisten aufs Podium (kein Zufall - sieben ist bekanntlich eine heilige Zahl). Interessanterweise finden sich im Orchester Janitscharen-Instrumente (große Trommel, Becken, Triangel), was aufgrund der orientalisch-indischen Elemente auch angemessen erscheint.
In punkto Komposition muß man an die Anekdote denken, in der ein Komponist zu einem Rivalen sagt: "Bei Ihrem Stück kommt man sich vor wie bei einem Spaziergang auf einer Kurpromenade. Man trifft lauter bekannte Gesichter." Anleihen begegnet man in diesem Stück tatsächlich mehr als genug - vor allem an Werke von Schumanns Kollegen Felix Mendelssohn-Bartholdy. Da grüßt der "Sommernachtstraum", man hört plötzlich Choralansätze der "Lobgesang"-Symphonie, und gelegentlich "stiehlt"
Schumann sogar von eigenen Werken. Der Schluß des ersten Teils ist fast identisch mit den Schlußtakten seiner Symphonie Nr. 2 in C-Dur; bei einer Baritonarie hört man wiederum die vertrauten Klänge von Oboe und Chello aus dem zweiten Satz der Symphonie Nr. 4 in d-moll.
Wenn jedoch Nikolaus Harnoncourt mit seiner berühmt-berüchtigten Verbissenheit ein solches Werk anfaßt, kann man sich auf eine spannende, detailgetreue und hochinteressante Wiedergabe freuen. Es ist beeindruckend, wie die Wiener Philharmoniker ihn beim Auskosten jeder Nuance unterstützen. Großartige Virtuosität war auch von Seiten der Holzbläser und Streicher zu spüren - vor allem der Bratschen, die die "undankbare" Aufgabe haben, fast das ganze Stück lang die schwierigsten Begleitfiguren zu spielen.
Die sieben Solisten sangen ebenfalls eindrucksvoll - allen voran das Opern-Pin-up Annette Dasch als gefallener Engel Peri. Sie hat eine schöne und glockenhelle Sopranstimme; gegen Schluß klang sie allerdings schon etwas müde und angestrengt.
Fast könnte ihr Mojca Erdmann als Jungfrau den Rang ablaufen, da ihr Sopran mindestens ebenso eindrucksvoll ist. Auch Elisabeth Kulman mit ihrem sonoren Alt wird man sich merken müssen. Die restlichen Solisten waren bis auf Christoph Strehl recht gut. Strehl hat eine sehr fahle Stimme, die er wenigstens als Erzähler intelligenter einsetzen hätte können. Katastrophal war auch seine Aussprache; hätte er Suaheli gesungen, wäre das wahrscheinlich niemandem aufgefallen
... Christian Gerhaher demonstrierte seinen Kollegen und dem Publikum dankenswerterweise, wie sich eine gute Diktion anhört.
Qualitativ solide, in Gesang und Aussprache jedoch blamabel waren die Damen und Herren vom Arnold-Schoenberg-Chor. Ohne immer wieder mit den gleichen Dingen "beckmessern" zu wollen - aber könnte man von einem muttersprachlich deutschen Chor nicht zumindest eine halbwegs verständliche Aussprache fordern, Herr Professor Ortner?
Herbert Hiess - EVOLVER.AT - 17. März 2008

Unrunder Gesamteindruck
Harnoncourt dirigiert Das Paradies und die Peri
Sein eben fertiggestelltes Werk sei ein Oratorium aber nicht für den Betsaal schrieb Schumann im Juni 1843 an Eduard Krüger. Es ist ein orientalischer Stoff, der dem im Dezember desselben Jahres in Leipzig uraufgeführten Werk zu Grunde liegt: Das Textbuch wurde nach dem Orient-Epos Lalla Rookh von Thomas Moore von Emil Flechsig sowie dem Komponisten selbst übersetzt und kompositionstauglich adaptiert. Die Peri -ihr Name ist der arabische Ausdruck für Fee oder Elfe- ist das Kind eines gefallenen Engels
und einer Sterblichen, weshalb man ihr den Zutritt zum Paradies verwehrt. Ihre ersten beiden Opfergaben -das Blut eines tapferen, jungen Kriegers und der letzte Seufzer einer in den Armen ihres von der Pest dahingerafften Geliebten sterbenden Jungfrau- werden von den himmlischen Wächtern nicht akzeptiert. Erst mit den Tränen eines Verbrechers beim Anblick eines betenden Knaben erreicht die Peri ihr Ziel.
Für Nikolaus Harnoncourt bedeutete die Einstudierung in Wien eine Wiederbegegnung mit dem Stück, das er bereits mit dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks einspielte. Bei der Aufführung im Musikverein wollte die Interpretation nicht so recht auf Touren kommen. Der Klang der Philharmoniker schien in der Einleitung wenig ausbalanciert, die Aufstellung der Solisten, Peri und Tenor-Solo direkt an der Rampe, die übrigen Vokalisten hinter dem Orchester erwies sich als akustisch äußerst unglücklich. Harnoncourt,
dessen Interpretationen stets durch schroffe Akzente und extreme Tempi je nach Geschmack faszinieren oder enervieren, blieb bei Schumanns Werk ungewöhnlich blass, die Temporückungen führten diesmal zu einem Ausbleiben einer durchgehenden Linie. Am meisten irritierte allerdings die den ganzen Abend dominierende orchestrale Überlautstärke, die Dank des philharmonischen Klanges weniger ins Gewicht fallen würde, hätte sie nur nicht die Solisten immer wieder hinweggefegt. Die orchestrale Übermacht bekam Anette Dasch
vor allem in der Schlussszene der Peri zu spüren. Dabei war das stimmdeckende Forte vielleicht gar kein Nachteil, denn die seit den letzten Salzburger Festspielen zum neuen Medienstar aufgestiegene Sopranistin konnte während der ganzen Aufführung nicht davon ablenken, dass die Höhe der Schwachpunkt ihres eher hart klingenden Soprans ist. Christoph Strehl erwies sich als inadäquate Besetzung für den an den Evangelisten der Bach-Passionen angelehnten Erzähler. Wie so oft in letzter Zeit war sein Tenor auch diesmal
wieder angestrengt und belegt, davon abgesehen waren im dritten Teil Ermüdungserscheinungen nicht wegzudiskutieren. Eine wesentlich bessere Figur machte der zweite Tenor Bernhard Berchtold in der kleinen Partie des Jünglings. Mit exzellenter Artikulation gestaltete Christian Gerhaher die drei Baritonpartien der Partitur. Wortdeutlichkeit mit Klangschönheit zu verbinden gelang auch Michelle Breedt (Mezzosopran) und vor allem Elisabeth Kulman (Alt Engel).
Mojca Erdmanns als Jungfrau kann man dieses Niveau nicht bescheinigen, ihr Sopran wirkte zu hauchig und teilweise auch flackernd. Der Arnold Schönberg Chor sang präzis, einen homogenen Klang durfte man leider nicht erwarten.
Rainhard Wiesinger - KLASSIK.COM - März 2007

Ein glänzenderes Plädoyer für ein zu Unrecht kaum bekanntes Werk hätte sich nicht finden lassen als diese zwei Aufführungen im Wiener Musikverein am Wochenende. Robert Schumann komponierte das Oratorium „Das Paradies und die Peri“ nach einer altpersischen Sage und dem daraus entstandenen Epos „Lalla Rookh“ von Thomas Moore.
Der Jubel war berechtigt für die kleine Sensation. Nikolaus Harnoncourt, die Wiener Philharmoniker und der Arnold Schönberg Chor, dazu ein nahezu ideales Solistenensemble ließen am Freitag das Oratorium als packende Erzählung mit klanglicher Pracht und Passagen von fast überirdischer Schönheit erstehen. Schumann und sein musikdramatisches Schaffen – „Genoveva“, „Faust-Szenen“ – ist ein Anliegen, für das Harnoncourt mit heißem Herzen eintritt. Dieses Oratorium ist auch eher ein „Opertorium“, mit Hochspannung trotz
traditionsgebundenem Wechselspiel zwischen Erzählung, Soli und Chorpassagen.
Kein Paradies für den gefallenen Engel
Die Geschichte ist poetisch und rührend. Trotz verzweifeltem Bemühen bleibt das Paradies für die Peri verschlossen. Diese Peri ist ein gefallener, ausgestoßener Engel, der mit unbedingtem Willen ins Paradies will, das ihm ein Engel versperrt. Nur überzeugende Opfergaben würden den Weg frei machen. Das Blut eines mutigen Jünglings, der bei einem Tyrannenmord scheitert, genügt nicht. Auch der letzte Seufzer einer Jungfrau, die mit ihrem pestkranken Geliebten in den Tod geht, überzeugt den Engel nicht. Erst die
Tränen der Reue, die ein Schwerverbrecher beim Anblick eines süßen, unschuldigen Kindes vergießt, öffnen die Pforten ins Paradies.
Meisterliches Ensemble für ein Meisterwerk
Schumann hat für die 26 Szenen ein Klangpanorama komponiert, das hochkomplexe Verflechtungen von Solostimmen, Vokalquartett, Chor und Orchester in den Finalteilen ebenso umfasst wie symphonisch-theatralische Effekte im Orchestersatz oder Frauensoli von sensibler Innigkeit und brennender Leidenschaft. Annette Dasch als Peri und Mojca Erdmann als Jungfrau standen wie in Haydns „Armida“ bei den Salzburger Festspielen 2007 wieder gemeinsam auf der Bühne. Elisabeth
Kulman als dunkler Engel, Christoph Strehl als Erzähler, Bernhard Berchtold als Jüngling, Michelle Breedt und Christian Gerhaher waren individuell markante Besetzungen und in Ensembleszenen ein wunderbar verschmelzendes Team. Der flexibel eingesetzte, kompakte Schönberg Chor und die prächtig kolorierenden Philharmoniker vollzogen Harnoncourts drängende Anweisungen mit Hingabe: Es war eine romantische Sternstunde.
Ernst P. Strobl - SALZBURGER NACHRICHTEN - 16. März 2008

Mit Harnoncourt direkt ins Paradies
Ein erstes Oster-Highlight lieferten Nikolaus Harnoncourt und Annette Dasch im Musikverein.
Nach der fulminanten Zürcher genoveva im Februar erweckte Niklaus Harnoncourt zur Eröffnung des OsterKlangs abermals eine Schumann-Rarität zu neunem Leben: Das auf Thomas Moores fußende Oratorium Das Paradies und die Peri. Peris sind gefallene Engel, und einer von ihnen möchte zurück ins Paradies gelangen, was ihm nach langen Irrfahrten auch gelingt. Im Musikverein brachten Harnoncourt und die Wiener Philharmoniker Schumanns Partitur innig und in aller Farbigkeit zum Blühen. Die
Soloparts waren tadellos besetzt: Mojca Erdmann lieh der Jungfrau ihren duftigen Sopran, Elisabeth Kulman dem Engel ihren profunden Alt, Christian Gerhaher und Christoph Strehl überzeugten mit differenziertem Vortrag.
Überstrahlt wurden sie alle von Annette Dasch. Ihr weich und voll ströhmender Sopran sowie ihre grandiose Technik machen sie zur idealen Interpretin der Titelpartie. Zum Schluss gab's dem verdienten Handkuss von Harnoncourt.
Konstantin Hirschmann - ÖSTERREICH - 16. März 2008

Von Blutspritzern und Engelszungen
1843 gelang Robert Schumann mit seinem ersten Chorwerk der Durchbruch: "Das Paradies und die Peri" – ein Oratorium, das eigentlich keines ist.
Schumann erweiterte die Vorlage, Thomas Moores orientalische Märchendichtung "Lalla Rookh". Darin geht es um die Peri, ein Engelswesen der persischen Mythologie, die das höchste Gut auf Erden finden muss, um wieder ins Paradies zu gelangen.
Der letzte Blutstropfen eines sterbenden Freiheitshelden ist zwar eine nette Reliquie, bringt aber keine Erlösung. Der zweite Abschnitt führt die Peri ins Nildelta. Dort fängt sie die Träne einer Frau, deren Geliebter der Pest zum Opfer fiel. Persönlich tragisch, für die Himmelschöre aber nicht genug. Erst die Reue eines Schwerverbrechers erschließt dem verirrten Geisterwesen den Himmel.
Das orientalische Märchen inklusive multireligiösem Humanismus war perfekter Auftakt zum heurigen "Osterklang Wien". Darüber hinaus schloss Nikolaus Harnoncourt eine Repertoirelücke der Wiener Philharmoniker.
Das Orchester dankte es mit hörbarer Liebe zum Detail. Mancher Moment der Verzögerung wurde zur Zerreißprobe der Homogenität. Etwa Christian Gerhahers nervenaufreibend verzögerte Solo-Arie, in der sein stimmlicher Facettenreichtum einfach begeisterte. Mit Annette Daschs strahlendem Sopran war die Peri wahrhaft göttlich besetzt. Schumann und auch Harnoncourt ließen bei all der verhaltenen Lyrik die exzellenten Solisten nicht reüssieren, trotzdem erfreuten
Mojca Erdmann, Michelle Breedt, Elisabeth Kulman und Bernhard Berchtold. Christoph Strehl hatte offenbar wenig Freude an der undankbar trockenen Erzählerrolle.
Naturgemäßer Star des Abends: der Arnold Schoenberg Chor, der in brillant inspirierten Kriegschören und stimmigen Erhöhungsszenen das allzu selten gehörte Werk aufleben ließ.
Daniel Wagner - WIENER ZEITUNG - 17. März 2008

Himmelshoffnungsglück
Schumanns „Paradies und die Peri“ ist zu Unrecht eine Rarität und eigentlich kein Oratorium, auch keine Oper, sondern etwas Eigenständiges mittendrin. Peris sind in der persischen Mythologie gefallene Engel, die sich durch eine heilige Gabe von ihrer Schuld befreien können. Erst die Tränen eines Verbrechers beim Anblick eines betenden Knaben und seine damit bekundete Umkehr zu Gott öffnen die erlösende Pforte. Grundsätze aller Religionen sind gleichermaßen zu finden. Schumann hat großartige Musik höchster Dramatik,
gleichzeitig innigster Leidenschaften geschrieben, Nikolaus Harnoncourt fand den idealen Zugang. Es entlud sich jene Spannung, die eben ein genialer Dirigent zwischen den romantischen Zeilen herausliest. Farbenprächtig warm tönend, aber nie schwülstig verströmten die Wiener Philharmoniker ihren Klang und bereiteten für den wie immer perfekt studierten Arnold Schönberg Chor und ein erstklassiges Solistenensemble ein ideales Fundament. Allen voran Annette
Dasch als Peri, die die vielen Stimmungen großartig differenzierte. Das tat auch Christian Gerhaher, der nicht nur als Kriegsherr Gazna Furcht einflößend polterte, sondern mit entrückten Tönen überzeugte. Mojca Erdmann, Michelle Breedt und Bernhard Berchtold ergänzten glänzend die Solistenriege. Am 24. März, 19.30 Uhr, ist dieses Konzert in Ö1 nachzuhören.
Michael Wruss - OBERÖSTERREICHISCHE NACHRICHTEN - 16. März 2008

Fein abgestuft vom Silbersopran bis zum Alt sangen Mojca Erdmann (Jungfrau), Michelle Breedt (Mezzo) und Elisabeth Kulman (Engel).
Inge M. Scherer - DER NEUE MERKER 04/2008 (Konzert am 14. März 2008)
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