Ort
Wien - Musikverein, Großer Saal
Termine
Freitag,
11. Dezember 2009 - 19.30 Uhr
Ausführende
Elisabeth Kulman, Mezzosopran
Nicholas Ofczarek, Sprecher
RSO Radio-Symphonieorchester Wien
Dirigent: Michael Schønwandt
Programm
Richard Wagner: Vorspiel zur Oper "Tristan und Isolde" und "Isoldes Liebestod"
Richard Wagner: Fünf Lieder nach Gedichten von Mathilde Wesendonk, WWV 91; instrumentiert von Hans Werner Henze
Hans Werner Henze: "Aristaeus" (Österreichische Erstaufführung)
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Mathilde Wesendonck
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Radio-TIPP
Ein Mitschnitt des Konzertes wird am Freitag, 18. Dezember 2009, auf Radio Österreich 1 ausgestrahlt.
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Text
Der 1926 geborene Komponist Hans-Werner Henze schuf eine Fassung von Wagners "Wesendonck-Liedern" für Mezzosopran und Kammerorchester, die am 25. März 1977 unter seiner Leitung in Köln uraufgeführt wurde. Im Kontrast zu der damals sehr populären Fassung von Felix Mottl fällt hier der kammermusikalische Charakter sowie der farbenreiche Einsatz eher selten gebrauchter Soloinstrumente wie Bassklarinette und Altflöte auf. Der Dirigent Wolfgang Sawallisch, der die Lieder in dieser Fassung aufgenommen hat, meinte, Henze „legt ganz offensichtlich und geradezu plastisch hörbar viel größeren Wert auf die Intimität der Gedichte der Mathilde Wesendonck. Es scheint mir, als seien in dieser Fassung die Worte wirklich nur an Richard Wagner gerichtet und die Musik wiederum nur zurückgegeben an Mathilde Wesendonck.“
Link
Website des RSO Wien: rso.orf.at
Homepage des Wiener Musikvereins: www.musikverein.at
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Pressestimmen
Wagner singen bleibt ein Wagnis
Angela Denoke mit den Tonkünstlern und Elisabeth Kulman mit dem RSO Wien
Wien - Die großen, in mehrfacher Hinsicht ausufernden Partien aus den Musikdramen von Richard Wagner haben schon manche Sängerkarriere in eine Einbahnstraße verwandelt. Sind die Stimmbänder erst einmal auf die nötige Hochdramatik und die damit einhergehende ständige Gespanntheit getrimmt, ist der Weg zurück zu verhaltenen, zarten Tönen - die freilich auch diesen Rollen gut anstehen - allzu schnell verstellt.
Und ewig locken sie doch, die heroisch leidenden Wagner-Figuren, denen man sich auch mit der gebotenen Besonnenheit annähern kann, indem man sie sich zum Beispiel zizerlweise erobert. So hat sich Angela Denoke für ein Konzertprogramm mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter Claus Peter Flor mit spürbarem Respekt an den Schlussgesang der Brünnhilde aus der Götterdämmerung herangewagt und ist dabei mit einer Mischung aus Vorsicht und Vorpreschen auf Tuchfühlung mit ihren eigenen stimmlichen Grenzen gegangen.
Mit packender Ausstrahlung und einem virtuosen Feuerwerk an psychologischen Andeutungen gelang Denoke ein Vorgeschmack darauf, wie sie möglicherweise die ganze Rolle anlegen würde: vibrierend intensiv, aber auch stellenweise mit so viel Vibrato, dass man sich die Frage stellen konnte, ob nicht die technische Herausforderung mehr zum Ergebnis beitrug als das Streben nach Ausdruck.
Wagners Wesendonk-Lieder, die Elisabeth Kulman mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien und Dirigent Michael Schønwandt in Hans Werner Henzes Instrumentierung realisierte, sind da von vornherein ein anderes Kaliber - mit weniger extremen sportiven Anforderungen, aber der umso dringlicheren Notwendigkeit zur Verinnerlichung. Die ehemalige Sopranistin, die sich jetzt beim Mezzo- und Alt-Repertoire heimisch fühlt, ließ mit gemeißelter Wortdeutlichkeit aufhorchen und bestach durch Kultiviertheit, Konzentration und eine Zurücknahme von Subjektivität, die zuweilen an reizvolle Kühle grenzte.
Beide Programme im Musikverein waren klug kombiniert: Bei den Tonkünstlern klang Schostakowitschs Symphonie Nr. 15 mit ihren vielfachen Zitaten, die unter anderem Brünnhilde beschwören, sehr ordentlich, wenn auch mit zu wenig Schärfe. Und beim RSO gab es neben durchsichtig gespielten Tristan-Auszügen Henzes Aristaeus mit Nicholas Ofczarek, der den pathetischen Text des Komponisten blutvoll rezitierte, und brillant musizierten Blechlawinen.
Daniel Ender - DER STANDARD - 14. Dezember 2009
"Aristaeus": Eurydike muss zweimal sterben
Hans Werner Henzes "Aristaeus" hatte im Musikverein Österreich-Premiere.
Mit Nicholas Ofczarek zieht das Grauen ein in den Goldenen Saal: „Ich will sie haben, muss sie mir greifen, ich will dieses heilige Wesen enteignen und einer blasphemischen satyristischen Gewalt unterziehen“, schreit er in die plüschig-behagliche Salonatmosphäre hinein; das Drama um den doppelten Mörder Aristaeus nimmt seinen Anfang. Es ist das erste Mal, dass Henzes „Dramma in musica per voce recitante e orchestra“ in Österreich zu hören ist – entstanden ist das eigenwillige Melodram 2004, zum zehnjährigen Bestehen des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Henze hat darin Sätze aus seinem Orpheus-Ballett, Motive aus seiner „Barcarola“ und seinem „Requiem“ integriert.
Das Stück erzählt die Geschichte von Orpheus und Eurydike aus der Sicht eines Dritten, eben Aristaeus'. Der Text, von Henze selbst gedichtet, ist kunstvoll: „Gegen die bleckenden Zähne eines halbzerfressenen Pferdekopfs“ tritt der Erzähler im Hades, ein „schneeweißer Menschenarm streckt sich irgendwo wie eine blattlose Blume heraus“. Die Musik ist voller Dramatik, spiegelt die Gefühle des Aristaeus wider oder kommentiert die Handlung. Nur ein einziges Mal greifen Sprache und Musik unmittelbar ineinander: Als Aristaeus der Eurydike nachjagt und ihr beim Sterben nahekommt, wird der Text in die Musik hineinrezitiert. Michael Schonwandt und das RSO Wien präsentieren das Werk sehr transparent: Bis Eurydike sich wegen eines Pfiffes von Aristaeus umdreht und zum zweiten Mal stirbt – was ein dissonant geschärfter H-Dur-Akkord markiert –, wird enorme Spannung aufgebaut. Ofczarek ist mit seiner eindringlichen, teils aggressiven Rezitation ein idealer Ich-Erzähler.
Vor der Pause interpretierte Schonwandt das Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ sowie Isoldes Liebestod sehr lyrisch. Dann die Wesendonk-Lieder, von Henze orchestriert: Elisabeth Kulman machte mit ihrem wunderbar warmen und klaren Mezzo den „Engel“, „Träume“ oder „Schmerzen“ zu fantastischen Minidramen. Nur „Stehe still“ hätte etwas mehr Esprit vertragen.
Daniela Tomasovsky - DIE PRESSE - 13. Dezember 2009
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