Ort
Richard Strauss-Festival Garmisch-Partenkirchen - Kongresshaus, Festsaal Werdenfels
Konzertantes Gastspiel der Wiener Staatsoper
Termine
Mittwoch,
24. Juni 2009 - 19.30 Uhr (Rollendebüt)
Ausführende
Die Gräfin: Ildikó Raimondi
Der Graf, ihr Bruder: Morten Frank Larsen
Flamand, ein Musiker: Jörg Schneider
Olivier, ein Dichter: Markus Eiche
La Roche, der Theaterdirektor: Wolfgang Bankl
Die Schauspielerin Clairon: Elisabeth Kulman
Monsieur Taupe: Peter Jelosits
Eine italienische Sängerin: Teodora Gheorghiu
Ein italienischer Tenor: Ho-yoon Chung
Der Haushofmeister: Clemens Unterreiner
Chorsolisten und Orchester der Wiener Staatsoper
Dirigent: Peter Schneider
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Morten Frank Larsen und Elisabeth Kulman als Graf und Clairon
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Inhalt
Capriccio op. 85 - Konversationsstück für Musik in einem Aufzug
Die Oper Capriccio schildert die Entstehung einer Oper. Die Handlung beschreibt einen Tag im Salon der jungen und kunstsinnigen verwitweten Gräfin Madeleine, die im Zentrum des Geschehens steht. Madeleine inspiriert gleichsam als Muse die sie umgebenden Künstler. Allen voran den Dichter Olivier und den Komponisten Flamand, die beide in sie verliebt sind, und hoffen mit ihrem jeweiligen künstlerischen Schaffen das Herz der schönen Gräfin zu erobern, die sich jedoch für keinen der beiden entscheiden kann. Rivalität herrscht zwischen Flamand und Olivier auch in der Frage hinsichtlich der Bedeutung von Dichtung und Musik: Gebührt dem Wort oder doch dem Ton der Vorrang - prima la musica dopo le parole oder doch umgekehrt prima le parole dopo la musica? Eine diesbezügliche Entscheidung erwarten die beiden vom Urteil der Gräfin, die aber erkennt, dass erst das Zusammentreffen von Dichtung und Komposition zum künstlerischen Ideal führt: "Eins ist im andern und will zum andern". Eine gänzlich andere Position nimmt der praktisch veranlagte Theaterdirektor La Roche ein. Für ihn zählt nur das publikumswirksame Theater mit einprägsamer Musik. Dementsprechend will er zum Geburtstag der Gräfin ein großes Huldigungsspiel vorbereiten. Die Gräfin wünscht sich indessen statt des veralteten Festspiels eine neu zu schaffende Oper. Der Graf, ihr Bruder, regt "etwas boshaft" an, die Vorkommnisse des "heutigen", eben erlebten Tages, unter anderem die hitzig geführte Diskussionen um die Vorrangstellung von Wort und Ton, als Handlung zu wählen. Diese Idee findet die allgemeine Zustimmung und die Gesellschaft löst sich auf. Der allein zurückgebliebenen Gräfin meldet ihr Haushofmeister, dass Olivier sie am nächsten Morgen in der Bibliothek aufsuchen wird, um von ihr das Ende der geplanten neuen Oper zu erfahren, also das endgültige Urteil über die Vorrangstellung von Wort und Ton. Und damit auch ihre Wahl: Olivier oder Flamand. Da Olivier in der Bibliothek zur gleichen Stunde erscheinen wird, wie Flamand, dem die Gräfin ebendort bereits ein Treffen zugesagt hat, wird es allerdings abermals keine Entscheidung geben. Der Schluss der Oper bleibt offen. Und fragend wendet sich Madeleine, um eine Antwort zu erhalten, ihrem Spiegelbild zu: "Gibt es einen Schluss, der nicht trivial ist"?
Links
Richard Strauss-Festival: www.richard-strauss-festival.de
Wiener
Staatsoper: www.wiener-staatsoper.at
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Pressestimmen
Großes Schauspiel, große Oper
Garmisch-Partenkirchen - Orchester der Wiener Staatsoper unter Leitung von Peter Schneider und Solisten setzen konzertantes „Capriccio“ perfekt um und ernten dafür zehn Minuten tosenden Applaus.
Auch das Kongresshaus kann sich in einen Theatersaal verwandeln. So geschehen, als „Capriccio“ – Richard Strauss’ letzte Oper – den ausverkauften Festsaal Werdenfels schmückte. Zur guten Akustik trat der raffiniert gesetzte Effekt von zwei blauen Festival-Logos, die an den Seiten der Bühne auf große Fadenvorhänge projiziert waren. Einen Bühnenvorhang konnte das zweieinhalbstündige Stück als Einakter ohnehin entbehren.
Zu lösen blieb nur die Platzbeschränkung, füllte doch das große Orchester der Wiener Staatsoper nebst Harfe und Cembalo die Bühne fast vollständig. Für die Hauptprotagonisten, die Sänger, blieb nur die Bescheidung auf fixe Positionen am Bühnenrand, wie man sie von Oratorien her kennt.
Mit großem Einfühlungsvermögen gestalteten die Sänger ihre Partien dennoch als Rolle. Bedeutungsvolle Blicke, intensives Mienenspiel, seitliches Zuwenden und Abwenden: All dies bewirkte den Eindruck von Kommunikation und Bühnengeschehen. Und in „Capriccio“ lässt Strauss ja wirklich etwas passieren: Über die Frage nach der wichtigsten Zutat zum Gelingen einer Oper entbrennt ein galanter Streit.
Galant deshalb, weil zwei Frauenherzen zu vergeben sind. Mit pointiertem Sopran und sprechenden Augen illustrierte Ildikó Raimondi als Gräfin das Opernglück und das persönliche Liebesleid. Elisabeth Kulman gesellte zum glänzenden Mezzosopran noch einen Glanzpunkt an Mimik. Verwegen grünschillernde Abendhandschuhe, stolze Blicke und der männermordende Gesangspart vollendeten das Gesamtkunstwerk der Operndiva.
Vier Männer werfen sich und ihre Kunstfertigkeiten für die Schönen in den Ring. Dem bezirzenden Tenorschmelz von Musiker Jörg Schneider erlag das Publikum sogleich. Dem Bariton von Markus Eiche oblag hingegen der leicht stichelnde Textdichter-Part. Dadurch gewann die bestens ausgefüllte Rolle eine leicht spitzige Art: „Schrecklich! Ihr komponiert mich! Mein schönes Gedicht!“ Nicht minder beeindruckte Bariton Morten Frank Larsen als schelmenhaft flirtender Graf. Besonders ließ indes Wolfgang Bankl aufhorchen. Als Theaterdirektor machte der ehrfurchtgebietende Bassbariton mühelos glauben, dass nur er die entscheidenden Elemente zur gelingenden Oper beitrage, nämlich Stückauswahl, Bühnenbild und Regie.
Über die auch musikalisch durchwegs begeisternde Umsetzung hinaus (Leitung: Peter Schneider) war das eher selten gespielte Strauss-Spätwerk zudem inhaltlich inspirierend, fand sich doch in der Liebeskonkurrenz giftige Schlagfertigkeit und im parallelen Wettstreit der Künste sogar Komödie und Karikatur. Auf die Spitze trieben dies die Witzfigur des schlafenden Souffleurs (Peter Jelosits) und das getreulich klischeehaft kolorierende italienische Arien-Duo (Teodora Gheorghiu und Ho-yoon Chung).
Richard Strauss’ selbstironische Reflexion aufs Opernschaffen und Theatergeschehen endete nicht nur mit zehnminütigen Ovationen, sondern auch mit der freudvollen Erkenntnis, dass „Capriccio“ ein geniales Stück ist: Es lässt Opernprofis schmunzeln, Opernneulinge lachen und Kassandras, welche schon den Tod der Oper weissagten, verstummen.
MÜNCHNER MERKUR - 25. Juni 2009
An seiner Seite trumpfte Elisabeth Kulman als Clairon mit ihrem apart timbrierten, immer mehr Volumen entwickelnden Mezzo mit Witz und rollengemäßem Selbstbewusstsein mächtig auf. Nicht nur stimmlich, auch optisch hinreißend, ist sie für den Grafen Verführung pur. In der Rolle der Star-Schauspielerin deklamierte sie auch höchst efektvoll ihren Dramentext.
Sieglinde Pfabigan - DER NEUE MERKER 07/2009
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