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Oper

Giuseppe Verdi: Falstaff

Ort

Wiener Staatsoper - Opernring 2, 1010 Wien

 

Termine

Mittwoch, 11. März 2009 - 19.30 Uhr
Sonntag, 15. März 2009 - 16.00 Uhr
Mittwoch, 18. März 2009 - 19.30 Uhr
Freitag, 20. März 2009 - 19.30 Uhr

 

Ausführende

Falstaff: Alan Titus
Alice Ford: Ildikó Raimondi
Ford: Fabio Capitanucci
Mrs. Quickly: Elisabeth Kulman
Nannetta: Teodora Gheorghiu
Fenton: Gergely Németi
Meg Page: Sophie Marilley
Bardolfo: Herwig Pecoraro
Dr. Cajus: Michael Roider
Pistola: Zoltán Nagy

Dirigent: Marco Armiliato

Inszenierung und Bühne: Marco Arturo Marelli
Kostüme: Dagmar Niefind

 

Elisabeth Kulman als Mrs. Quickly

Als Mrs. Quickly im "Falstaff"
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Text

Giuseppe Verdi war fast achtzig Jahre alt, als er zwischen 1889 und 1892 seine letzte Oper FALSTAFF schrieb. In Zusammenarbeit mit dem Librettisten Arrigo Boito ist ein geniales und reifes Spätwerk entstanden, das sich als richtungsweisend für die Zukunft erwies.

 

Inhalt

1. Akt

Das ausschweifende Leben das der alternde Sir John Falstaff führt, hat ihn an den Rand des wirtschaftlichen Ruins geführt. In dieser Notlage verfaßt er zwei Liebesbriefe, die ihm sowohl aus der finanziellen Misere helfen, als auch seinen Wunsch nach Liebe befriedigen sollen. Adressiert sind die Briefe an zwei verheiratete, schöne Damen - Alice Ford und Meg Page - die Zugriff auf die Kassen ihrer reichen Ehemänner haben. Als seine Diener Bardolfo und Pistola sich weigern die Briefe zu überbringen und dadurch als Kuppler tätig zu werden, entläßt er sie und beauftragt den Pagen Robin mit der Zustellung. Sehr bald bemerken Alice Ford und Meg Page entrüstet, daß die Briefe die sie erhalten haben, denselben Wortlaut aufweisen. Sie beschließen sich mit Hilfe von Mistress Quickly zu rächen. Zusätzlich stacheln die entlassenen Diener Bardolfo und Pistola den eifersüchtigen Ford auf, indem sie ihm die Absichten Falstaffs hinterbringen.

2. Akt

Bardolfo und Pistola kehren - scheinbar reuevoll - in die Dienste Falstaffs zurück. Wenig später überbringt Mistress Quickly die Botschaft von der "Verliebtheit" der beiden Briefempfängerinnen. Darüberhinaus bietet Alice Ford Falstaff ein Stelldichein in ihrem Haus. Kurz darauf erscheint Ford, der unter dem falschen Namen Fontana, Falstaffs Machenschaften auskundschaften möchte. Er gibt vor, ein unerhörter Liebhaber Alice Fords zu sein und bietet Falstaff eine größere Summe an, wenn dieser Alice erobern würde und ihm dadurch den Weg zu ihr zu bahnen. Falstaff stimmt zu und erklärt prahlerisch, daß er sowieso schon nahe am besagten Ziel sei - zugleich macht er sich über den gehörnten Ehemann Ford lustig, ohne zu ahnen, daß er eben diesen vor sich hat. Währendessen bereiten die Frauen ihre Vergeltungstat vor: Falstaff, von Alice hereingelassen, bringt diese durch sein Werben sehr bald in Bedrängnis. Nun erscheint, wie verabredet Mistress Quickly und meldet die Ankunft Meg Pages, die daraufhin hereinstürzt und das Nahen des eifersüchtigen Ford verkündet. Unerwartet wird aus dem Spiel Ernst: Ford naht tatsächlich und beginnt mit Hilfe von Bardolfo, Pistola und Cajus, den er mit seiner Tochter Nannetta verheiraten möchte, das Haus zu durchsuchen. Der "Fund" den die Verfolger tätigen, sind Nannetta und ihr Geliebter Fenton, die sich, versteckt hinter einem Paravent, durch einen lauten Kuß verraten. Falstaff hat sich in der Zwischenzeit in einem Wäschekorb versteckt, den nun Diener Alices unter dem Jubelgeschrei der Frauen in einen Wassergraben leeren.

3. Akt

Falstaff sinniert über die Widrigkeiten der Welt. Da taucht Mistress Quickly auf und beteuert einerseits die Unschuld Alice Fords an dem Vorgefallenen und überbringt außerdem eine erneute Einladung Alices: Er möge sich um Mitternacht, verkleidet als Schwarzer Jäger, im Park von Windsor bei der Eiche des Herne einfinden. Falstaff stimmt zu. Die Frauen planen einen Maskenspuk, der Falstaff endlich zur Räson bringen soll. Auch Ford verfolgt mit diesem Maskenspuk einen Plan: Er möchte die allgemeine Verlarvung nützen um seine Tochter Cajus als Braut zuzuführen.
Als Falstaff mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf "geschmückt" zur verabredeten Zeit bei der Eiche erscheint und seine Angebetete bestürmt, taucht Nannetta als Feenkönigin mit ihrem "Gefolge" auf. Da Falstaff dem todbringenden Anblick der Feen entgehen möchte, verbirgt er sein Gesicht. Nun wird er von den "Geistern" von allen Seiten bestürmt und beschimpft. Als Bardolfo die Kapuze heruntergleitet, erkennt Falstaff die Makerade. Aber auch Fords Plan schlägt durch die List der Frauen fehl: Statt Cajus und Nannetta zueinander zu führen, kommen - durch vertauschte Kostüme - Fenton und Nannetta zueinander. Die Oper schließt mit den Worten Falstaffs "Tutto nel mondo è burla" (Alles in der Welt ist ein Scherz.)

 

Links

Wiener Staatsoper: www.wiener-staatsoper.at

 

Pressestimmen

Aus Wotan wird Falstaff
Verdi-Oper in ganz neuer Besetzung
Komik und gute Stimmen für Verdis "Falstaff" an der Wiener Staatsoper.
Vor zwanzig Jahren sang Alan Titus in Wien Mozart, später auch den Wotan. Jetzt ist er Sir John und gibt mit dem Witz des Schlaumeiers und saftiger, großer Stimme einen komödiantischen prallen Dickwanst. Neben ihm in dieser Wiederaufnahme von Verdis Falstaff ein Hausdebütant als Ford: Fabio Capitnaucci verfügt über einen markanten, ausdrucksvollen Bariton und besitzt auch als Darsteller Kontur. Vergnügen hat selbst und bereitet dem Publikum Elisabeth Kulman, als Mrs. Quickly stimmlich und optisch eine Idealbesetzung. Teodora Ghorghiu (Rollendebüt als Nannetta) ist entzückend anzuhören und anzusehen. Ildiko Raimondi (Alice) ud Michael Roider, dessen Fähigkeit der markanten Komik aus dem Dr. Cajus eine merkwürdige und bemerkenswerte Figur macht, sind weitere Existenzbeweise eines guten Ensembles.
Starke Nerven. Marco Armiliato weiß, wie man ein so heikles Stück im Repertoirebetrieb realisieren kann. Er koordiniert Bühne und Orchester, lässt sich von unausweichlichen Kollisionen nicht irritieren, behält Nerven und sorgt für Sicherheit. Mehr kann man im Opernalltag nicht verlangen.

Karl Löbl - ÖSTERREICH - 13. März 2009


Ensembleleistung mit viel Bravour
"Tutto nel mondo è burla!" Alles in der Welt ist Narrheit: Das ist die tröstliche Moral, die Giuseppe Verdi am Ende seines "Falstaff" die Protagonisten sich gleichsam entschulidgen lässt. "Falstaff" wird nun an der Wiener Staatsoper unter Marco Armiliato als musikalische Glanzleistung mit Spitzensängern präsentiert.
Rollendebütant Alan Titus erweist sich als Erzkomödiant: Seinen großen, mühelos eingesetzten Bass-Bariton lässt er in den triumphierenden Szenen des skurrilen Lebenskünstlers wie auch in den Momenten tiefer psychischer Verstörung als alternder Fettwanst hinreißend hörbar werden. Er hat Witz und bösen Charme.
Ildikó Raimondi ist eine liebenswert-zickige Alice, der sie stimmliche Ausstrahlung, aber auch sympathische Gefühlsanwandlungen gibt. Elisabeth Kulman ist eine quirlige, ungemein betriebsame Mrs. Quickly - stimmlich einrucksvoll präsent, gibt sie ihren exaltierten Ausbrüchen schöne Höhen und profunde Tiefe.
Staatsoperndebütant Fabio Capitanucci ist ein fulminanter Ford; Gergely Németi ein emotionell reagierender, sympathischer Fenton mit tenoralem Glanz; Teodora Gheorghiu eine bezaubernde Nannetta mit lyrischer Kompetenz. Das übrige Sängerensemble sorgt für Präzision und originelle Figuren.
Das Staatsopernorchester folgte Marco Armiliato animiert. Das Publikum bejubelte das solide Ensemble.

Florian Krenstetter - KRONENZEITUNG - 14. März 2009


Qualitätsvolles Repertoire
Aufzählung Besitzt das Wiener Staatsopernorchester die Gabe der Bilokation? Am selben Abend, an dem seine Mitglieder als Wiener Philharmoniker unter Zubin Mehta in Bombay konzertierten, realisierten sie im Haus am Ring eine mehr als ordentliche Wiedergabe von Verdis "Falstaff".
Dass dem (ausnahmsweise) eine Orchesterprobe vorangegangen war, konnte man an ihrem wohlgeordneten, oftmals pointiert zugespitzten Spiel ablesen. Und eine wahre Wohltat, wenn ein echter, metierkundiger Könner wie Marco Armiliato am Pult steht, der die heikle Partitur aus dem Effeff beherrscht. Apropos "ff": Dass ihn sein leidenschaftliches Feuer teils zu hohen Lautstärkegraden hinriss, sei ihm gerne verziehen.
Gut studierte Sänger
Gut studiert zeigte sich auch das Vokalensemble mit seinen zahlreichen Neubesetzungen, dominiert vom ebenso stimmgewaltigen wie humorvollen Alan Titus als Sir John. Als Gewinn für das Haus empfahl sich daneben Fabio Capitanucci mit seinem kräftigen, auffallend dunkel gefärbten Bariton als Ford, nicht so sehr dagegen Gergely Németi (Fenton) mit zuweilen unsicher geführtem Tenor oder Teodora Gheorghiu (Nannetta) mit schmalem, vereinzelt etwas flackrigem Sopran. Verlässlich sang Sophie Marilley die Meg Page, unauffällig Zoltán Nagy den Pistola.
Hervorragend die vier Sänger der "Stamm-Mannschaft". Ildikó Raimondi hat für ihren klaren, hellen Sopran mit der Alice Ford eine Idealpartie gefunden. Genussvoll präsentiert Elisabeth Kulman als Mrs. Quickly ihre sonore Alt-Tiefe ebenso wie ihre klangvollen Höhen; Michael Roider ist ein rollengerecht penetranter Dr. Cajus, Herwig Pecoraro ein ebenso präsent-komischer Bardolfo.
Das alles zum 31. Mal in der farbstarken Inszenierung von Marco Arturo Marelli mit ihrer großzügigen Raumgestaltung und der musikalischen, tänzerisch aufgelockerten Komödiantik ihrer Personenführung. Ein schlagendes Exempel gegen die Auswüchse des Regietheaters!

Gerhard Kramer - WIENER ZEITUNG - 13. März 2009


Aus dem sonstigen, von Ildikó Raimondis Alice angeführten Ensemble ragte Elisabeth Kulman (Quickly) heraus.

Walter Weidringer - DIE PRESSE - 13. März 2009


Hervorragend gearbeitete Produktion.
Katharina Strommer, die Abendspielleiterin, vor den Vorhang. Auch die musikalische Studienleitung von Danile Sarge war hervorragend, so fand der großartige Marco Armiliato ein toll vorbereitetes Team, stimmte das Orchester dem entsprechend fabelhaft ab und es wurde ein besonders schöner Opernabend, der von Debüts geprägt  war - fast eine Premiere.
Alice Ford war der „Althase“ Ildikó Raimondi. Viel zu wenig wird diese Sängerin eingesetzt. Sie ist eine Alice mit herrlichen Bögen, wunderbaren Piani, eine echte Verdi-Stimme, die immer weit unter ihrem Wert gehandelt wird. Nebenbei sieht sie blendend aus und hat echtes Bühnenblut. Ebenso schon lange im Team der Inszenierung ist Michael Roider als liebeskranker, schüchtener Dr. Cajus, fast dem Beckmesser ähnlich angelegt, eine ganz ausgezeichnete Studie. Und natürlich muss der hinreißend liebenswert komische Bardolfo von Herwig Pecoraro erwähnt werden. Diese zwei Buffostimmen klingen allerdings ganz groß.
Fabio Capitanucci ist ein Ford von Größe an Stimme und Figur. Er singt mit einem herrlichen Verdi-Belcantoschmelz, so  dass es eine Freude ist, ihm zuzuhören. Aber auch das Darstellerische kommt nicht zu kurz, und er konnte auch mit viel Humor sehr charmant an die Damen servieren. Ein sehr gelungenes Hausdebüt.
Alle Weiteren sind ebenfalls neu dabei. Alan Titus in der Titelrolle ist ein Komödiant durch und durch. Bei jedem Ton, jeder Geste, sah und spürte man,  welchen Spaß diese Rolle bereitet. Gesanglich ist alles eitle Wonne, dieser großen Stimme Säuselpiani abzuringen, ist größte Kunst. Eine Spitzenleistung.
Wien hat eine neue Quickly:  Elisabeth Kulman ist natürlich als schlanke, junge Frau etwas ungewohnt, aber das macht ja nichts. Schließlich ist Mrs. Quickly alterslos und muss nicht immer als komische Alte dargestellt werden. Stimmlich ist Kulman immer präsent und hat auch die Quicklystelle  „Reverenza“ gut  gemeistert. Sie stellte so manch Promi-Ältere damit glatt in den Schatten.
Der Fenton wird von Gergely Németi schön und sehr sauber gesungen, er hat die ideale stimme dafür, allerdings heiratet Nanetta, sehr süß in Aussehen und Stimme Teodora Gheorghiu, ein liebes Teddybärchen. Als Pistola konnte Zoltán Nagy stimmlich und auch darstellerisch sehr gut gefallen, Fesch und klar bei Stimme die Meg Page von Sophie Marilley.
Gut der Chor im Hause Fords, und natürlich perfekt am Schluß. Schade das, das Publikum diese Leistung sehr wenig würdigte.

Elena Habermann - DER NEUE MERKER - 12. März 2009


A sheer delight
No stranger to the score, Marco Armiliato, launched into the opening bars of Verdi's final masterpiece with aplomb and proved to be master of the proceedings throughout this effervescent evening.
The Marelli production (with its well-documented candy-coloured sets and costumes) remains as fresh as ever - indeed, in this cast, possibly more homogenous and slick from both the visual and aural aspects.
Singing the title role for the first time here, Alan Titus' vocal powers appear to go from strength to strength (his debut here dates back two decades), and his detailed characterization is as colorful as the Marelli sets and costumes - this is a Sir John one cannot but warm to.
Making his Staatsoper debut in this production, Fabio Capitanucci, was a dapper Ford with his "shades", ivory coat and hat, and polka-dot scarf. Vocally immaculate and with more than a hint of Boccanegra or Iago up his sleeve, here is hopefully a top Verdi baritone in the making.
Michael Roider's Caijus and Herwig Pecoraro's Bardolfo were a delight as always, nicely complimented by Zoltan Nagy's Pistola. The Fenton (Gergely Nemeti) and Nanetta (Teodora Gheorghiu) are both new to this production, and were nothing less than a dream couple, both quite enchanting and an asset to any house.
Alice and Quickly saw Ildiko Raimondi and Elisabeth Kulman returning to their charming portrayals. This Quickly is no bass-baritone battleaxe. She doesn't balk at showing a little thigh - and can well afford to do so. Sophie Marilley, debuting as Meg Page, augmented the quartet of ladies perfectly.
Not a hitch musically or in the carefully choreographed staging throughout the evening - an exceptional achievement for the 33rd performance of this production. A repertoire evening with such finesse both from stage an pit tempt one to believe that Vienna is, after all, the best place on the planet to go to the opera.

Moore Parker - THEOPERACRITIC.COM - 18 March 2009


Back in Vienna again for a very short stint. I'm mostly here for the joys of Anna Netrebko and Simon Keenlyside over the weekend but to kick things off pleasantly, "Falstaff" with an unflashy but dependable cast and a production that doesn't try too hard, producing an easy going evening.
"Falstaff" is a pretty odd work. Aside from a few Verdian moments (mostly for the young lovers), it's largely an ensemble based, even Mozart like at times, piece with some terrific patter type numbers. The production plays to this strength with an unfussy open stage for the majority of the action. The appearance of Falstaff's lair (not exactly a pub in this case) is a clever bit of engineering but as well as technically impressive it also feels artistically relevant (this production could teach the recent Royal Opera "Dutchman" a serious lesson). The bare (but colourful), open setting adapts to the various settings with just a few minor props and the final scene in the wood is cleverly evoked through a steadily rising silhouette of a forest tree line (plus the consistantly effective lighting). Despite the marvellously colourful sets, the whole evening was almost stolen by one of Falstaff's costumes, an orange blamange creation I won't soon forget. I have no doubt that some would hope that one could find greater meaning in "Falstaff". Social and moral commentary is not to be found here but I can't say I'm disappointed. Witty and attractive, everything about this production appealed.
The cast might not have been littered with stars but it was more solid than a great many more glittery line-ups. Alan Titus goes from strength to strength in the title role. His comic timing isn't his strongest suit but he's endlessly charming and vocally he's absolutely perfect. Suitably rough edged but weighty and robust. Worthy opposition comes from Fabio Capitanucci's dark baritone, I'd love to hear him in some weightier Verdi. The young lovers both looked the part and thankfully sung well. Teodora Gheorgiu sounded a little thin in places but overall has a very pleasant voice, ideal casting as Nannetta. Gergely Nemeti didn't appear to have much confidence as Fenton and gave a rather reserved acting performance but he has a lovely bright tenor voice that he used expressively, passion came from his voice if not his face. The three senior ladies were all tremendous. Ildiko Raimondi offered up a beautiful Alice Ford and the Mistress Quickly of Elisabeth Kulman was simply sublime. I wasn't totally enamored of Sophie Marilley in her solos but the ensemble of the four ladies had an almost perfect balance. Herwig Pecoraro and Zoltan Nagy weren't particularly interesting as Bardolfo and Pistola but both sang competently throughout. The only dud for me was Michael Roider who tended towards the shouted end of singing.
For what I was expecting to be a regulation repertory night this was pretty fantastic. The orchestra under Marco Armiliato tended towards the forte rather than the piano but made their usual wonderful sound. It's a fun production, it doesn't reinvent the wheel or do anything particularly creative (which some would deem a good thing), but it keeps the evening on the rails and never looks less than attractive. From Titus's marvellous Falstaff to Kulman's radiant Quickly there was plenty of excellent singing. A great start to my weekend in Vienna.

The Teenage Theatre Critic - 20. März 2009


Die letzte Aufführung einer kurzen Serie von Giuseppe Verdis „Falstaff“ ging gestern an der Wiener Staatsoper über die Bühne. Und ich sage es gleich zu Beginn, es war ein unbestreitbarer Erfolg. Das lag großteils an einem Ensemble, das anderenorts ob der Qualität als Premierenbesetzung vermutlich zu CD- oder DVD-Mitschnitten führen würde (und in Wien bis auf zwei – allerdings Hauptrollen – Mitwirkende aus dem Ensemble besetzt wird), aber auch daran, dass gestern erst die 34. Aufführung (Premiere war im Oktober 2003) in dieser Inszenierung gegeben worden ist.
Die vom Team Marco Arturo Marelli und Dagmar Niefind bunt und als Commedia im besten Sinne mit subtilem Humor gestaltete Produktion hat in den Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren und überzeugt ein internationales Publikum. Wie der üppige Beifall in beiden von mir besuchten Vorstellungen (letzten Sonntag und gestern) unter Beweis stellt.
In der Titelpartie überzeugt Alan Titus mit Spiel und Stimme und straft alle Behauptungen, dass Verdi von Wagnersängern nicht auch stilgerecht gesungen werden kann, Lügen. In seiner Interpretation des alternden Lebemannes (ich denke, dass Verdi und Boito bei der Charakterisierung der Figur ein gealterter Don Giovanni vorgeschwebt ist) stimmt jede Nuance; einfach herrlich, wenn er die erwarteten Liebeserklärungen von Alice im Falsett singt. Sein Gegenspieler Ford ist mit Fabio Capitanucci ein Hausdebutant, den ich gerne auch in anderen Rollen hören würde. Sein gespielter Sig. Fontana ist ein Kabinettstück, der rasende Ehemann auf der Suche nach dem Liebhaber seiner Frau voll Komik und Peinlichkeit gleichzeitig. Mit voller modulationsfähiger Stimme kann auch er überzeugen. Michael Roider – noch aus der Premierenserie dabei – ist ein bemitleidenswerter Dr. Cajus; Herwig Pecoraro (auch er schon Premierenbesetzung) als Bardolfo und Zoltan Nagy als Pistola sind ein hinterhältiges Paar; weder vom Typ noch stimmlich optimal ist für mich der Fenton des Gergely Nemety (aber nie will ich einen schlechteren hören).
Ildiko Raimondi spielt und singt die Alice mehr als rollendeckend, die junge Teodora Gheorghiu gewinnt hörbar an Stimmvolumen und ist eine entzückende Nanetta, Elisabeth Kulman überzeugt mit luxuriöser Stimme als hinterhältig intrigante Mrs. Quickly, Sophie Marilley als Meg.Page bleibt unauffällig.
Einige neue Gesichter sieht man im Orchestergraben – Frauen sind glücklicherweise keine Sensation mehr. Der zur Zeit an der Staatsoper vielbeschäftigte Marco Armiliato leitet Solisten, Chor und Orchester aufmerksam und subtil.

Michael 2 - TAMINO KLASSIKFORUM - 21. März 2009


Dick aufgetragen - nicht allzu
Dem Ritter John Falstaff eilt der Ruf voraus, ein begnadeter Fressack und Quartalsäufer zu sein, aber sich selber für einen unwiderstehlichen Charmeur zu halten. Insoferne also eine Rolle, die endlich einmal den zahllosen übermäßig beleibten Baritonen dieser Welt auf den Leib geschrieben wurde.
Der amerikaner Alan Titus ist passend statttlich gebaut, bei entsprechend tiefer, voller Stimme - und auch schauspielerisch hinreichend komödiantisch veranlagt. Sang in der ursprünglichen Besetzung der Wiener Staatsoper Bryn Terfel den Ritter, dem von seinen - vor allem weiblichen - Widersachern übel mitgespielt wird, so ist die Repertoire-Besetzung nicht ganz so glanzvoll, aber musikalisch auf der Höhe.
Neben Titus bot vor allem eine wundervoll spritzige, geradezu spitzbübische Ildiko Raimondi die erste der von Falstaff zur Verführung ausersehenen Bürgersdamen Alice Ford - wirklich hinreissend! Neben ihr gaben allerdings auch Sophie Marilley als Meg Page und die junge, hübsche, bestens disponierte Teodora Gheorghiu als Nennetta eine großartige Vorstellung.
Das Damentrio, teils verstärkt durch Elisabeth Kulman als Ms. Quickly, die nun wirklich sowohl komisch gespielt als auch pfiffig gesungen war, belebte Verdis Spätwerk mit buntem Flirren, heiterem Gezwitscher und schadenfrohen Trillern.
Die Männerriege war von Seiten der Regie eher am Rande des belanglosen Klamauks angesiedelt, der Fenton von Gergely Németi ließ bis in die Mitte des letzten Aktes auf eine bemerkenswerte Einlage warten - meisterte sein Liebesliedchen Dal labbro il canto dann aber mit viel Hingabe, Präsenz in den leisten Tönen und dem großen, nicht einmal fehl am Platz befindlichen Schmelz.
Für eine Staatsopernproduktion lieferte Marto Arturo Marelli - verantwortlich für Inszenierung, Bühne und Ausstattung - eine geradezu stupend kurzweilige, wenn schon nicht moderne, so doch zeitgemäß unstaubige Veranstaltung ab. Die sehr vordergründig angelegte Komik wurde aber vom vollen Einsatz der Protagonisten quasi im parforce-Schritt in einen sptizigen Reigen verwandelt.
Das ist sicher auch Dirigent Marco Armiliato zu danken, den ich vor kurzem erst in der MET die Lucia di Lammermoor leiten zu sehen und hören das Vergnügen hatte.
Lediglich das verstolperte Ende der Inszenierung, so ab der Mitte des letzten Aktes, wenn die Bürger im finsteren Park den Ritter Falstaff traktieren, tat etwas weh. Da verliert sich der Schwung, der Schmäh trocknet aus, die vielen kleinen Gags sind mit einem Schlag verflogen.
Aber sonst: ein selten spassiger, musikalische belohnender Abend. Stellenweise dick aufgetrgen, aber nicht allzu dick.

Harald Brandstetter - spoudogeloion - 11. März 2009


Stimmiger Gegenbeweis
Verdis „Falstaff“ mit vielen Debüts und einer beachtlichen Ensembleleistung
Verdis Oper „Falstaff“ ist eine Herausforderung für den Repertoirebetrieb. Viele, fein gewobene Ensembleszenen, etliche Raffinessen in der Orchesterpartitur. Dazu ein komödiantisch tragischer Titelheld, der den Abend tragen muss. An der Wiener Staatsoper steht das Werk seit Mittwoch wieder auf dem Spielplan – stimmig besetzt und zwar nicht makellos, aber sehr gut umgesetzt.
Alan Titus überzeugt als neuer Wiener Falstaff – stimmlich ohne Mühe und szenisch mit Witz. Unterstützt wird er von einem starken Ensemble mit Ildikó Raimondi (Alice), dem souveränen Hausdebütanten Fabio Capitanucci (Ford), der erfrischenden Teodora Gheorghiu (Nannetta), dem strahlenden Tenor Gergely Nemeti (Fenton), Elisabeth Kulman (Mrs. Quickly) und Sophie Marilley (Meg).
Alle musikalischen Fäden in der Hand, den großen Bogen im Blick und dennoch stets Augenmerk auf alle Details hatte Marco Armiliato am Pult des wendigen und konzentrierten Orchesters.

Judith Schmitzberger - KURIER - 13. März 2009


Er war es wirklich - Sir John, wie er leibt und lebt: Alan Titus. Ja, ich würde sogar so weit gehen, den Shakespeare’schen Schwerenöter als die beste Rolle des vielseitigen Baritons zu bezeichnen. Und der renommierte Wotan, Sachs, Amfortas, Holländer undJochanaan möge es mir nicht verübeln! Seine wohlklingende, volle, voluminöse, geschmeidige Stimme dünkt mich wie geschaffen für diesen kantablen Verdi-Part. Alles, was er in Walhall an Nuancierungen und Stimmökonomie gelernt hat, bringt er hier, in Marellis köstlichem Renaissance-Windsor, zur Charakterisierung der legendären Bühnenfigur zum Einsatz: markantes Parlando, großes, hier betont sich selbst karikierendes Pathos, mit amüsanten Schwelltönen und raffiniert gesponnenen Phrasen, vor Selbstmitleid triefende Anklage der bösen Welt („reo mondo“), die er doch so liebt, köstlich wehleidig und doch zuletzt: „göttliches“ Verzeihen für alles Üble, was man ihm angetan hat. Herrlich!
Nach Terfel und Maestri der dritte Volltreffer der jüngeren Wiener Operngeschichte in dieser gar nicht so leicht zu besetzenden Paraderolle!
Fürs Wiener Publikum neu - und sehr willkommen war auch sein Bühnenpartner Ford in der ansehnlichen Gestalt von Fabio Capitanucci: schwarzhaarig, schwarzäugig, schwarzbärtig, ist der kräftige gebaute junge Italiener eine markante Erscheinung mit ebensolcher Stimme. Ein kerniger, warm timbrierter, gut geführter Bariton, der mit Sir John auch hinsichtlich Komik harmonisch duettierte. Ein dereinstiger Rollenwechsel wäre denkbar...
Die Weibchen, die diese Männer an der Nase herumführen, waren aber auch nicht von schlechten Eltern: Ildiko Raimondi als liebenswürdig-verführerische Alice, Sophie Marilley als deren mit vielen Wassern gewaschene Freundin Meg und die ganz bezaubernde kleine Hexe Teodora Gheorghiu als Nannetta – ein vokal ebenso wie optisch reizvolles Trio. Dass Elisabeth Kulman im derzeitigen Stadium ihrer Karriere noch nicht reif ist für die „komische Alte“, die die Mrs. Quickly doch eigentlich sein sollte, kann man ihr schwerlich ankreiden. Möge es vorerst mal ein erfolgreiches Gastspiel in Windsor gewesen sein, das gesanglich tadellos ablief.
Dies war auch bei Gergely Németi in der Rolle des Fenton der Fall, der in der jugendlichen Liebhaberrolle allerdings noch einiges an Energie und Charme zulegen könnte. Diesbezüglich spielte ihn sein Bühnenrivale Dr. Cajus in Gestalt von Michael Roider doch glatt an die Wand. Ein erfreuliches Wiedersehen und – hören. Herwig Pecoraro war nach längerer Krankheit als Bardolpho wieder zur Stelle, mit alter Stimmkraft und seinem komischem Talent. Neu und gut eingeschult Falstaffs zweiter Kumpane: Zoltán Nagy.
Zu diesem herrlichen Ensemble gesellte sich, nein, ihm verband sich aufs Innigste ein großartiger Dirigent: Marco Armiliato. Da vibriert aus dem Graben förmlich der Verdisch-Shakespear’sche Witz und Übermut, die ansteckende Lebens-, Spiel- und Singfreude auf der Bühne findet ihre Entsprechung im Instrumentarium, Oboe und Fagott spötteln, die Hörner lachen, das dunkle Blech pustet sich auf, das Schlagzeug trumpft komödiantisch auf, und dazwischen singen die Streicher. Es ist exklusiv Opernmusik, keine Symphonik, die da exerziert wird, jeden Augenblick das Bühnengeschehen tragend, kommentierend, parodierend, und wie Armiliato pausenlos den Sängern die unterschiedlichst gewebten Klangteppiche unterbreitet, auf denen sie schweben können – einfach meisterhaft! – Das einzig Bedauerliche: Derartig gute Opernkapellmeister werden selten mit Premieren belohnt, weil man sie viel zu nötig im „Alltag“ braucht. Möge auch Fabio Armiliato diesen genießen – wie wir es tun!
Und warum dieser Opernnachmittag gar so schön war: Marco Arturo Marelli und die das Ensemble kostümierende Dagmar Niefind wissen, was eine Komödie ist und braucht!!!
Farben, Witz, Bewegung, der Reiz der Gegensätze, Leichtfüßigkeit, und dazwischen kommt das Herz nicht zu kurz – in den Liebesszenen der Jungen und der frustrierten Älteren, rund um Sir Johns großes Fass mit seinen Rot-Braun-Tönen und oben, im munteren Windsor, das mit einer beweglichen Scheibe auskommt, mal gerader, mal schräger, in grünlich-blaues Licht getaucht, real und irreal zugleich, transparent und verwirrend der atmosphärische Sommernachtstraum mit dem großen Mond und den Silhouetten romantischer Tannenwipfel, eine große Gemeinschaft und doch ausgeprägte Individuen – die Fülle des Lebens präsentierend. Eine Freude!

Sieglinde Pfabigan - DER NEUE MERKER - 18. März 2008

 

ARCHIV.kulman.info 2009

Elisabeth Kulman - www.kulman.info