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Oper

Peter I. Tschaikowski: Pique Dame

Ort

Wiener Staatsoper - Opernring 2, 1010 Wien

 

Termine

Mittwoch, 23. September 2009 - 19.30 Uhr
Samstag, 26. September 2009 - 19.30 Uhr

 

Ausführende

Hermann: Aleksandrs Antonenko
Lisa: Natalia Ushakova
Tomski/Pluto: Albert Dohmen
Jeletzki: Markus Eiche
Gräfin: Anja Silja
Polina/Daphnis: Elisabeth Kulman
Gouvernante: Aura Twarowska
Mascha/Chloe: Caroline Wenborne
Tschekalinski: Peter Jelosits
Surin: Sorin Coliban
Tschaplitzki: Benedikt Kobel
Narumow: Dan Paul Dumitrescu
Festordner: Hans Peter Kammerer

Dirigent: Seiji Ozawa

Inszenierung: Vera Nemirova
Bühnenbild: Johannes Leiacker
Kostüme: Marie-Luise Strandt

Elisabeth Kulman als Polina

Elisabeth Kulman als Polina
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Inhalt

Erster Akt

Kinderfrauen sind mit der Beaufsichtigung der ihnen anvertrauten Kinder beschäftigt. Graf Tomski und die Offiziere Tschekalinski und Surin besprechen das Verhalten des verschlossenen Außenseiters Hermann: er sitzt stets brütend im Kasino, ohne am Kartenspiel teilzunehmen. Dem Grafen Tomski gesteht dieser die Ursache seines Leides. Er ist in eine Unbekannte verliebt, kann sie aber wegen ihrer vornehmen Herkunft niemals heiraten. Als Fürst Jeletzki den Freunden seine Verlobte Lisa vorstellt, erkennt Hermann in ihr die namenlose Geliebte. Tomski erzählt den Umstehenden, dass die Alte Gräfin in ihrer Jugend als exquisite Schönheit bekannt war. Nach einer verlorenen Kartenpartie wurde ihr das Geheimnis verraten, mit drei gewinnbringenden Karten ihr Vermögen zurückzugewinnen. Es wurde ihr allerdings vorausgesagt, dass einer kommen werde, der ihr das Geheimnis der drei Karten entreißen und den Tod bringen werde. Hermann ist von der Erzählung fasziniert und beschließt, das Rätsel zu lösen, seine Geliebte und ein Vermögen zu gewinnen. In der Nacht gesteht sich Lisa die Liebe zu Hermann ein. Als er in ihr Zimmer eindringt, offenbaren die Liebenden einander ihre Leidenschaft.

Zweiter Akt

Eine Feier im Palais der Gräfin. Lisa übergibt Hermann den Schlüssel zu einer geheimen Pforte: er soll in der Nacht in ihr Schlafgemach kommen. Der Weg dorthin führt allerdings durch das Zimmer der Gräfin. Dort versteckt sich Hermann, um von ihr das Mysterium der drei glücksbringenden Karten zu erfahren. Doch während der Begegnung mit ihm stirbt die Gräfin.

Dritter Akt

Hermann liest einen Brief Lisas, in dem sie ihn um eine Aussprache bittet. Da erscheint ihm die Tote und nennt die drei Karten: Drei - Sieben - As. Lisa erwartet Hermann an der Uferpromenade. Als er erscheint, ist er - zu ihrer großen Verzweiflung - nur noch von der Spielleidenschaft besessen. Im Kasino, wo sich Jeletzki wegen Lisa an Hermann rächen will, versucht er sein Glück. Mit den ersten beiden Karten gewinnt er eine große Summe. Beim dritten und letzten Spiel setzt er sein gesamtes Vermögen, doch seine dritte Karte ist nicht das erwartete As, sondern die Pique Dame. Er verliert Spiel und Leben - und erkennt noch im Sterben Lisa als wahres Glück.

 

Links

Wiener Staatsoper: www.wiener-staatsoper.at

 

Pressestimmen

In der kleinen Rolle der Polina brillierte Elisabeth Kulman, eine wirkliche Luxusbesetzung.

Severina - CAPRICCIO-KULTURFORUM.DE - 29. September 2009


Pique Dame treibt in der Staatsoper den notorischen Spieler Hermann wieder in den Selbstmord – insgesamt vier Mal bis 2. Oktober. Die erste Aufführung dieser Serie überzeugte durch opernhafte Dramatik – das psychologische Element blieb etwas unterbelichtet.
Schon Seiji Ozawa am Pult sorgte für einen mehr symphonischen Zugang, mit breitem Klangbild und lustvollem Auskosten der spannenden Instrumentierung; üppig floss der musikalische Strom, glanzvoll die Musik zum Maskenball, repräsentativ und gar nicht fragwürdig (so wie ihn nämlich die Inszenierung darstellt), von einem sehr gut disponierten Staatsopernorchester ausgeführt. Freilich, das geht auch anders. Andris Nelsons zum Beispiel hatte bei seinem Staatsopern-Debüt im Juni 2008 mit dem Taktstock sezierend gleichsam in den Gehirnwindungen Hermanns gewühlt. Doch das tut Ozawa keinen Abbruch: Tschaikowski liegt beim Musikdirektor der Wiener Staatsoper immer ihn guten Händen.
Der lettische Tenor Aleksandrs Antonenko hatte sein Hausdebüt als Hermann: eine kernige Stimme, mehr pathetisch geführt, die auch kraftvoll das Orchester „übersang“. Zum Stil der Inszenierung von Vera Nemirova passte das nicht unbedingt, sondern es erinnerte eher an „gute, alte“ Opernzeiten. Antonenko fehlte es etwas an einer differenzierten Darstellung des Charakters und sein Wahnsinn geriet vielleicht ein bisschen zu plakativ, am Schluss mit einem überzeugenden Schuss tenoraler Heroik. Er erhielt viele Bravorufe für eine in Summe beeindruckende Leistung.
Die arme Lisa hatte es schwerer, mich zu überzeugen: Natalia Ushakovas Sopran zeigte sich ein wenig hart timbriert, mit Spitzentönen, die forciert, aber sehr emotional, das Publikum einfach mitrissen (die Szenen mit Hermann waren insgesamt sehr spannungsgeladen). Doch hinterließ ihre Stimme insgesamt einen eher unausgeglichenen Eindruck, vor allem die untere Mittellage klang ziemlich verhalten, oft schlich sich ein, für meinen Geschmack, störendes Vibrato ein.
Anja Silja begeisterte als Gräfin, auch wenn ihre Stimme von Mal zu Mal leiser zu klingen scheint. Gerade darin liegt aber zugleich der große Reiz: zwischen präsenter physischer Gegenwart und einer Stimme, die sich schattenhaft an jugendliche Zeiten erinnert und doch noch eine schwere Sehnsucht nach Liebe mit hineinverpackt. Die Szene mit Hermann im Schlafzimmer war voller erotischer Energien, vibrierte in einer Hingebungsbereitschaft, die aus der „Pique Dame“ noch einmal eine „Herz Dame“ machen möchte – allein, wie sie mit dem Stift ihre Lippen nachzog, zu einem kirschroten sündigen Mund ...
Unbedingte Erwähnung verdient wieder der Jeletzki von Markus Eiche, der mit schön geführter nobler Stimme gegenüber Lisa seinen hehren Gefühlen Ausdruck verlieh. Elisabeth Kulman gab die Polina gefühlvoll und dann jugendlich überdreht und jauchzend, bevor die Mädchenrunde im zweiten Bild harsch zu Ruhe und Benehmen aufgefordert wurde. Die übrige Besetzung war zum größten Teil bekannt.
Über die Inszenierung wurde schon ausführlich in der Premierenbesprechung referiert: nach der Pause, wenn sie sich stärker auf die eigentliche Handlung konzentriert, funktioniert sie recht gut. Das Publikum spendete viel Applaus, aber nicht allzu lange.

Dominik Troger - OPERINWIEN - 24. September 2009


Knapp zwei Jahre nach der Premiere dieser „Pique Dame“, die bisher erst 13mal gespielt wurde, gibt es nun eine neue Serie dieser Oper mit zwei Rollen-Debutanten: Der Lette Aleksandrs Antonenko und die Russin Natalia Ushakova waren nun als Hermann und Lisa eingesetzt und wirkten weit „authentischer“ als ihre amerikanisch / österreichische Vorgängerbesetzung mit Neil Shicoff und Martina Serafin. Sie gaben dem von Meister Seiji Ozawa musikalisch wirklich fabelhaft facettierten Abend einen starken Akzent.
Vorigen Sommer hat Aleksandrs Antonenko bei den Salzburger Festspielen als Othello keinen tieferen Eindruck hinterlassen. Mit dem Hermann war das ganz anders, hier wirkte er faszinierend richtig. Auch weil er eine Art von „russischer“ Stimme hat, die oft nicht so schön und füllig sind wie die mediterranen, sondern eher spröde, mit Metallkern, aber von explosiver Ausdruckskraft. Die setzte er nun kraftvoll für diese Rolle ein, die er darstellerisch wirklich faszinierend „irrlichterte“ – von jenen Dämonen getrieben, die man Hermann nachsagt, aber dennoch kein peinlich überzogener pathologischer Fall, sondern von beeindruckender Folgerichtigkeit.
Natalia Ushakova sieht wunderbar aus und ist schon solcherart eine berückende Lisa, die Stimme ist schön und gut geführt, nur um einiges kleiner, als man bei ihrem hochdramatischen Repertoire vermuten konnte. Viele einzelne hohe Töne saßen, aber oft gleichsam isoliert, während das Mezzovoce immer wieder versandete. Interessant, wie sie und Antonenko gewissermaßen instinktiv das Tschaikowski’sche Pathos, das in den Figuren und Musik liegt, mit Selbstverständlichkeit in ihre Gestaltung einfließen ließen.
Anja Silja mag nur noch Rudimente ihrer Stimme haben, aber sie ist auf ihre unkonventionelle Art wirklich gruselig als alte Gräfin, manchmal in Mezzolage sogar noch etwas wie ein Legato zustande bringend. Elisabeth Kulman, bekannt für ihre Russisch-Kenntnisse, war diesmal mit ihrer schönen Tiefe eine sympathische Polina, Aura Twarowska als Gouvernante und Caroline Wenborne als Dienerin am Rande ergänzten auf weiblicher Seite.
Der Jeletzki des Markus Eiche sang seine große Arie so stilistisch „richtig“, dass man bedauerte, dass Tschaikowski diese Rolle im übrigen am Rande belassen hat. Albert Dohmen, der als Wotan nicht unbedingt glücklich macht, ist für eine so starke „Nebenrolle“ wie den Tomski eine wirklich eindrucksvolle Besetzung. Für das komische „Intrigantenpaar“ hat Peter Jelosits in Sorin Coliban einen als Stimme und Person unübersehbar gewichtigen Partner gefunden. Kurz geistern Clemens Unterreiner, Dan Paul Dumitrescu und Benedikt Kobel über die Bühne. Im letzten Bild darf der Herrenchor (Leitung: Thomas Lang) ganz gewaltig loslegen.
Die Inszenierung von Vera Nemirova beleidigt in dem scheußlichen Einheitsbühnenbild von Johannes Leiacker sowohl Auge wie Intellekt. Nicht nur, dass dem Bühnengeschehen jede stringente Logik fehlt, indem man als Zuschauer den Text mitlesen darf, wird man quasi auf die Unstimmigkeiten gestoßen.  Die Sänger müssen Gewaltiges stemmen, um in diesem Rahmen „Pique Dame“ auch nur einigermaßen glaubhaft zu machen.

Renate Wagner - DER NEUE MERKER - 23. September 2009


Von den weiteren Darstellern heben sich besonders Elisabeth Kulmans kleine Mezzopartie als Polina/Daphnis, Albert Dohmen (Graf Tomski) und Sorin Coliban als stimmgewaltiger Surin hervor.

Florian Krenstetter - KRONENZEITUNG - 25. September 2009


Neben den beiden Russen vorzüglich Elisabeth Kulman, Albert Dohmen, Markus Eiche die Ausdruck mit charaktervollem Wohlklang verbinden.

Karl Löbl - ÖSTERREICH - 24. September 2009

 

ARCHIV.kulman.info 2009

Elisabeth Kulman - www.kulman.info