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Geistliche Musik

J.S. Bach: Matthäus-Passion

Orte

München - Philharmonie am Gasteig

 

Termine

Karfreitag, 2. April 2010 - 14.00 Uhr

 

Ausführende

Lenneke Ruiten, Sopran
Elisabeth Kulman, Alt
Julian Prégardien, Tenor
Stefan Loges, Bariton (Arien)

Daniel Johannsen, Tenor (Evangelist)
Jochen Kupfer, Bariton (Jesus)

Jugendchor des Münchener Bach-Chores
Münchener Bach-Chor
Bach Collegium München

Hansjörg Albrecht, Cembalo & Leitung

Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach

 

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Links

Veranstalter: www.musikerlebnis.de

 

Pressestimmen

Dem Wort verpflichtet
Der Matthäuspassion mit dem Münchener Bach-Chor am Karfreitag zu lauschen, hat lange Tradition. Der einst von Karl Richter gegründete und als eigene "Marke" weltberühmt gewordene Chor hat in den letzten Jahren eine Wandlung durchgemacht und sich stimmlich verjüngt. Weg von den breiten Tempi und den großen Besetzungen Richters hat sich der Klang des Chores verschlankt, aber dabei zum Glück seine eigene Klangsinnlichkeit nicht verloren.
Chorleiter Hansjörg Albrecht, der in alter Barocktradition vom Cembalo aus dirigiert, hat seit seiner ersten Matthäuspassion 2006 vor allem eines perfektioniert: die Ausdeutung des Wortes. Gerade in den Chören, Chorälen und Rezitativen, aber auch in der eigenen Cembalobegleitung und im Continuospiel der Musiker – das Albrecht durch zwei Chitarronen klanglich interessant bereichert – hört man den Wortinhalt oft bis ins Detail ausgedeutet. Etwa, wenn "Blitze und Donner" im Chor hernieder donnern oder der reuige Judas seine 30 Silberlinge Blutgeld auf den Tempelboden wirft.
Albrecht, der einen eigenen Weg zwischen historischer und moderner Aufführungspraxis geht, setzt auf Dramatik. Und das steht dem Werk sehr gut. Anders als etwa bei John Eliot Gardiner, der mit sehr reduzierter Besetzung arbeitet und Emotion kaum zulässt, darf bei Albrecht mitgelitten werden. Effekthascherei liegt ihm dabei fern. Wenn klanglich extreme Entscheidungen fallen, dann weil sie im Werk begründet sind – wie in der langen Generalpause nach Jesu Tod und im anschließend fast geflüsterten "Wenn ich einmal soll scheiden".
Albrechts kleines barockes Theater wird dabei vor allem von drei Solisten hervorragend unterstützt. Allen voran singt Daniel Johannsen als Evangelist sein letztes Herzblut aus sich heraus. Gebannt ist man von dieser Textausdeutung, von dieser höhensicheren Stimme und dieser Ausstrahlung. Exzellent auch der warme Bariton von Jochen Kupfer, der einen wundervollen Jesus singt, und Elisabeth Kulman, deren Bühnenerscheinung und -dramatik hervorragend ins Gesamtkonzept passt. Samtig-weich und dennoch durchschlagskräftig ihre Altstimme, ein Hörgenuss in den vielen innigen Alt-Arien. Lenneke Ruiten sang als Solo-Sopran zwar sauber und rein, aber passte mit zu schlanker Stimme einfach nicht ins Konzept. Und Stefan Loges (Bariton) wie Julian Prégardien (Tenor) blieben blass, Letzterer war wohl auch indisponiert.
Das Bach-Collegium München hat sich in den letzten Jahren hin zu einem transparenten, aber auch tragfähigen Klang entwickelt und glänzt in allen erdenklichen Solo-Partien. Wie der Münchener Bach-Chor und dessen aus den Kinderchören diverser Gymnasien zusammengestellte Jugendchor (erstaunliche Qualität!). Wollte man beckmessern, könnte man sich im großen Chor noch einen etwas satteren Sopran-Klang und mehr Gewicht in den Männerstimmen wünschen.
Insgesamt ein leidenschaftliches Passionserlebnis!

Barbara Angerer-Winterstetter - DONAUKURIER - 5. April 2010


Packende Tragödie
Die Aufführung der Matthäuspassion am Nachmittag des Karfreitags, zur überlieferten Todesstunde Jesu, ist ja wesentlich eine säkularisierte Form der zeitgleichen Gottesdienste. Und im Falle des Münchener Bach-Chors selbst schon eine mächtige Tradition. Steht Hansjörg Albrecht am Pult, versteht man unmittelbar, warum. Konsequent deutet er die Passion vom biblischen Text her, als dessen Vergegenwärtigung und Erneuerung im Hier und Jetzt.
Mit geteiltem Chor wie Orchester, dem Bach Collegium München, setzt Albrecht die Doppelchörigkeit radikal um: Während die Chöre als Handlungsträger zupackend direkt agieren, erscheinen die gemeinsamen Choräle durch den mitsingenden Jugendchor klanglich neutralisiert, spiegeln auch altersmäßig eine Gemeinde. Der Dirigent, selbst am Cembalo, verschmilzt schon optisch zur Einheit mit dem dort postierten Evangelisten. Und findet in Daniel Johannsen eine großartige Stimme seiner selbst: Jedes Wort mit Bedeutung füllend, ist Johannsen - wie einst an gleicher Stelle Peter Schreier - der seltene Fall eines Tenors, bei dem Leichtigkeit nicht mangelnde Kraft, sondern wirklich Timbre ist. Der noch junge Sänger verfügt nicht nur über den Mut zu jedem Ausdruck, sondern auch stimmlich über eine Dramatik, die Arioses einzulösen und Rezitative bis zu lastender Schwere zu steigern vermag. Da vergisst man fast, dass die Aufführung für ihr Repräsentationsbedürfnis wohl ein bisschen jung besetzt ist und die Solisten meist noch mit - lösbaren - technischen Problemen kämpfen. Auch wenn Arien-Tenor Julian Prégardien über eine außergewöhnlich klangschöne Mittellage und Elisabeth Kulman über einen selten tiefen Alt verfügt. Jochen Kupfer sucht als Jesus allzu voreilig das Weihevolle, drückt auch stimmlich manchmal nach.
Ansonsten aber beglückt und berührt diese Matthäuspassion wie kaum eine zuvor. Albrecht grenzt klare Szenenbilder ab, denen Arien wie Choräle untergeordnet sind, und überrumpelt immer wieder mit unerhörten Details in Klanglichkeit und Agogik, die nie erzwungen wirken. Der Orchesterklang ist so dicht wie durchhörbar. Über dreieinhalb Stunden hinweg entwickelt Albrecht einen nahezu visionären, stets noch flexiblen Zeitverlauf: Nach einem grandios zügigen ersten Teil verlangsamt er den zweiten zunehmend unerbittlich. Der Hörer wird buchstäblich auf einen Kreuzweg gezwungen, dessen Ende so vorhersehbar wie furchterregend ist. Albrecht begreift Passion als Tragödie. Der langen Pause nach dem Tod Jesu folgt kreisende Klage in aufgehobener Zeit. Als gebe es kein Morgen mehr, keine Auferstehung. Vom Münchener Bach-Chor aber wünscht man sich noch viele solcher Nachmittage.

Michael Stallknecht - SÜDDEUTSCHE ZEITUNG - 6. April 2010

 

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Elisabeth Kulman - www.kulman.info