Orte
Wiener Konzerthaus - Großer Saal
Termine
Freitag, 17. Dezember 2010 - 19.30 Uhr (Öffentl. GP)
Samstag, 18. Dezember 2010 - 19.30 Uhr
Ausführende
Genia Kühmeier, Sopran
Elisabeth Kulman, Mezzosopran
Dmitry Korchak, Tenor
Bo Skovhus, Bariton
Wiener Sängerknaben
Wiener Singakademie
ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Dirigent: Karel Mark Chichon
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Christmas in Vienna
TV-TIPPs
Das Konzert am 18.12.2010 wird live zeitversetzt um 22 Uhr auf ORF 2 ausgestrahlt. Weitere Ausstrahlungstermine sind:
- 25.12.10 | 19.30 arte
- 26.12.10 | 10.35 arte
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Text
Seit der Premiere der Gala „Christmas in Vienna“ im Jahre 1992 wurde dieses ganz besondere und unverwechselbare Konzert geprägt durch die außergewöhnlichen Künstler-Persönlichkeiten, die in diesem Rahmen auftraten: Von Placido Domingo über José Carreras und Luciano Pavarotti bis hin zu Grace Bumbry, Elîna Garanca, Juan Diego Flórez, Jose Cura oder Thomas Hampson.
Links
Veranstalter: www.christmasinvienna.at
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Pressestimmen
Wohlfühlen für Millionen
Elisabeth Kulman und Genia Kühmeier bewahren im Konzerthaus noch im Kommerz künstlerische Contenance.
Zuletzt der Radetzkymarsch? Nein, doch lieber „Stille Nacht“, in vier Sprachen – und mit projiziertem Sternenhimmel über all der Weihnachtsdeko. Kunst, Kitsch, Kommerz? Schon seit vielen Jahren nun lässt sich eine internationale Fangemeinde durchaus nicht zu Spottpreisen mit der hoch geschätzten Marke „Christmas in Vienna“ versorgen – live, im TV, über CDs und DVDs. Kein Wunder: In einer Zeit, in der häusliches Musizieren längst selten ist, deckt dies den Wohlfühlbedarf von Millionen – noch dazu veredelt mit dem Odeur der Hochkultur. Das bürgerliche Konzert tritt als säkulare Feier an die Stelle von religiös motiviertem Brauchtum.
Dabei muss keineswegs alles Talmi sein, was glänzt: Elisabeth Kulman und Genia Kühmeier vor allem wussten ihre sängerische Qualität noch mit unprätentiöser Musizierhaltung zu verbinden, mit Vertrauen in die Kraft der Klänge jenseits aller Selbstdarstellung oder gar Herablassung. Wenn Kühmeier Händel singt, wenn Kulman Caccinis „Ave Maria“ ruhig strömen lässt oder feine ungarische Weihnachtslieder vorträgt, dann verstummen alle Bedenken.
Warum denn Puccinis „Butterfly“?
Sie leben freilich wieder auf, wenn die sonst gewohnt verlässliche Wiener Singakademie sich beim Summchor gewiss nicht von der besten Seite zeigt – warum denn bitte Puccinis „Butterfly“? Da geht es zwar auch, nun ja, um ein Kind und ums Warten, ansonsten aber ist das ebenso wenig weihnachtlich wie der Walzer aus „Schwanensee“ (den das ORF-Radiosymphonieorchester unter Karel Mark Chichon allzu wienerisch begreift) und der „Rosenkavalier“, bei dem sich aus den eher handfesten Tutti-Stellen immer wieder delikate Soli herausschälten.
Durchwegs um Nuancen opernhafter als die Damen agierte Dmitry Korchak, der sich etwa mit brillanter Sakralmusik von Bellini in Szene zu setzen wusste, während der stimmlich unausgeglichene Bo Skhovus spätestens beim unverblümt hollywoodesken, zum Teil fröhlich lärmenden Weihnachtslieder-Medley gegen Ende mit „O Tannenbaum“ ganz ins Frömmlerisch-Salbadernde verfiel – eine Abwehrreaktion? Auf offene Ohren stießen die Wiener Sängerknaben sowie die beiden aus den Staatsopern-Produktionen von „Tannhäuser“ und „Alcina“ bekannten Buben, auch und gerade, weil sie Mozart und Andrew Lloyd Webber sangen: Ihr Kinderlein kommet – lasst Glöckchen und Kassa klingeln.
Walter Weidringer - DIE PRESSE - 19.12.2010
Alle Jahre wieder versammeln sich kurz vor dem 24. Dezember im Wiener Konzerthaus vier Opern-Stars und versuchen gemeinsam mit den Wiener Sängerknaben und der Wiener Singakademie sowie dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien - unter der musikalischen Leitung von Karel Mark Chichon - Weihnachts-Stimmung zu erzeugen; und das Ergebnis wird dann umgehend im ORF-Fernsehen übertragen.
Heuer war alles auf ein Belcanto-Ereignis der Superlative getrimmt. Waren doch rund um den „Ritter des hohen C“ Juan Diego Florez die beiden österreichischen Sängerinnen Elisabeth Kulman (Mezzo) und Genia Kühmeier (Sopran) aufgeboten und dazu noch der dänische Wahlösterreicher, der „Kavaliers-Bariton“ Bo Skovhus - ein kaum überbietbares Quartett der schönen Stimmen war zu erwarten.
Doch eine Bronchitis von Juan Diego Florez gefährdete zuletzt alles. Der ambitionierte Veranstalter Karl Scheibmaier wusste jedoch Rat: er engagierte den blutjungen russischen Tenor Dmitry Korchak, der nur mit einem Arioso aus einer Bellini-Messe in A-Dur an seine Stimmgrenzen stieß; ansonsten erwies er sich stilsicher bei den bekannten Weihnachtsliedern aus aller Welt, überzeugte mit einem edlen, hellen Timbre samt etwas heldischem Impetus und großer Musikalität und passte sich ideal dem hohen vokalen Niveau von Christmas in Vienna 2010 an. Dazu kamen zwei Sängerknaben aus Linz und Wien, die vor kurzem an der Staatsoper in Händels „Alcina“ positiv aufgefallen waren. Der ehemalige Floriani-Sängerknabe Alois Mühlbacher und sein Pendant von den Wiener Sängerknaben –Shintaro Nakajima– hatten mit großem Erfolg abwechselnd den Oberto gegeben. Nun waren sie beide in „Christmas in Vienna“ aufgeboten – und hatten wiederum großen Erfolg. Während Alois Mühlbacher mit dem „Alleluja“ aus Mozarts „Esultate jubilate“ Jubel auslöste, begeisterte der Wiener Sängerknabe gemeinsam mit Genia Kühmeier mit dem „Pie Jesu“ aus Andrew Lloyd Webbers Requiem.
Es war ein Weihnachtskonzert, das heuer in der Stückauswahl sehr lyrisch – fast ein wenig zu wehmütig – programmiert war. Nicht zuletzt, weil alle vier Solisten auf ihre Belcanto-Qualitäten setzten und die Arrangements dies meist noch unterstrichen. Bo Skovhus mit dem Schubert-Wiegenlied „Mille Cherubini in Coro“ – so schlicht, so innig hat man diesen Qualitäts-Sänger noch selten erlebt. Und Elisabeth Kulman mit einer modernen Version eines Rennaissance- „Ave Maria“ von Julio Caccini: ganz hingebungsvoll und zu Herzen gehend: toll! Einzig Genia Kühmeier schien mir die Betonung der lyrischen Stimmqualitäten zu übertreiben. Nur Piano oder Pianissimo kann Gefahr laufen, manieriert zu wirken.
Weitere Höhepunkte: zwei ungarische Volkslieder mit Elisabeth Kulman und dem Bläser des Tarogato Bernhard Pfaffelmaier. Ein internationales Christmas-Potpourrie (Arrangement: Lalo Schifrin und Christan Kolonovits) mit allen Solisten und das Händel-Halleluja. Alles in allem : dieses Weihnachtskonzert unter der Leitung des Garanca-Ehemannes Karel Mark Chichon ( seine prominente Ehefrau saß diesmal im Publikum) hat sich längst zu einem Publikumsrenner entwickelt. Stars der Oper singen alte Weihnachtslieder in teilweise ganz neuen Arrangements, ein „rising star“ unter den Dirigenten - Chichon ist jüngst zum GMD des ARD-Orchesters von Kaiserlautern - Saarbrücken ernannt worden – legt sich mächtig ins Zeug. Und spätestens beim Händel „Halleluja“ oder beim obligaten „Stille Nacht“ (heuer in Russisch, Dänisch, Ungarisch, Deutsch und Englisch) ist jeder begeistert. Die Adventstimmung hat ihn erreicht. Halt ja: einmal kam ganz und gar „Deftiges“, Opernhaftes zum Zug. Als Vorgriff auf das nächstjährige 100-Jahre-Jubiläum des Rosenkavalier dirigierte Karel Mark Chichon hinreißend die Konzertfassung des Rosenkavalier-Walzers: und im direkten Vergleich zwischen der jüngsten Staatsopern-Wiederaufnahme schnitt der Advent-„Rosenkavalier“ im Konzerthaus klar besser ab. Was zumindest für die Qualität von „Christmas in Vienna“ spricht!
Peter Dusek - DER NEUE MERKER - 19.12.2010
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