Orte und Termine
Wien - Casino Baumgarten (CD-Präsentation)
Montag, 17. Mai 2010 - 19.00 Uhr
Feldkirch Festival - Pförtnerhaus
Samstag, 9. Juni 2010 - 19.30 Uhr (Feldkirch)
Ausführende
Elisabeth Kulman, Mezzosopran
Tscho Theissing, Violine, Arrangements
Arkady Shilkloper, Horn, Flügelhorn, Alphorn
Antoni Donchev, Klavier, Melodica
Georg Breinschmid, Kontrabass
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CD Mussorgsky Dis-Covered
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Pressestimmen
Elisabeth Kulman, Mussorgsky und ein großer Abend
Wer Elisabeth Kulman je als Marina in „Boris Godunow“ gehört hat, kennt ihre unglaubliche Affinität zur Musik von Modest Mussorgsky. Sie hat bekanntlich das russische Sprachstudium zu einer Zeit gewählt, als sie sich das Leben einer Sängerin noch gar nicht vorstellen konnte. Aber offenbar werden die Fleißigen, die Ambitionierten gelegentlich doch belohnt – heute kann sie „das russische Repertoire, das für meine Stimme so geeignet ist, nicht nur singen, sondern auch verstehen, was ich singe.“
Nun, da die 36jährige sich hörbar auf einem Karriere-Hoch befindet (das auch im Sommer durch das Engagement bei den Salzburger Festspielen gekrönt wird), ist sie wieder zu Mussorgsky gekommen. Seit Jahren schon, seit 2006, arbeitet sie mit der von Tscho Theissing angeführten Gruppe Pago Libre (Arkady Shilkloper, Horn / Georg Breinschmid, Kontrabass / wechselnde Pianisten, an diesem Abend Antoni Donchev) zusammen, die sich allesamt als „Grenzgänger“ zwischen Klassik und Jazz verstehen, aber die billige „Crossover“-Schiene verschmähen. Vielmehr haben sie gerade in der zutiefst unkonventionellen Musik von Mussorgsky die Herausforderung gefühlt, diese mit ihrem individuellen Können anzureichern. Das Ergebnis ist verblüffend.
Elisabeth Kulman und Tscho Theissing haben ein Programm aus Mussorgsky-Liedern zu eigenem, eigenwilligem „Sound“ zusammengestellt, das sie 2008 im Ehrbar-Saal präsentierten. Damals kam nach dem Konzert der Chef von Preiser Records mit dem spontanen Wunsch auf sie zu, unbedingt eine CD mit ihnen machen zu wollen. („Wo gibt es denn das heute noch?“ wundert sich Tscho Theissing bei seinem Loblied auf den Produzenten.) Für Elisabeth Kuman ist wichtig, dass man lange und in Ruhe daran arbeiten konnte und nun ein „gereiftes Programm“ präsentiert. Gereift, ja, aber keinesfalls gesetzt. Denn als Elisabeth Kulman und ihre Musiker „Mussorgsky Dis-Covered“ nun im Casino Baumgarten dem Publikum vorstellte, bebte der Saal direkt vom Temperament der Interpreten.
Die CD hat 14 Nummern, immerhin fünf davon bekamen die Zuhörer, die den Saal überaus dicht füllten, zu hören: Die Frau hat wirklich Fans und entzückte sie im schwarzen Minikleid, darüber einen langen roten Mantel à la Russe (tiefer Ausschnitt, Pelzbesatz an den Ärmeln, Bordüren) und mit dem für sie so charakteristischen Zurückwerfen der langen schwarzen Haare. Zu Beginn hörte man „Gopak“, ein derber ungarischer Tanz, wie Moderator Peter Schneeberger erklärte, es klang allerdings wie die Schenkenszene aus „Boris“, und die Kulman sang nicht nur, die wippte, sie tänzelte die Musik mit ihrem ganzen Körper, alles war Ausdruck und Leidenschaft, auch bei den nächsten Liedern, die teils wie Arien wirkten, „Serenada“, ein beschwörendes Todeslied, „Pesnja Mefistofelja v pogrebke Auerbacha“, Mephistos Flohlied in Auerbachs Keller, „Ozornik“, dem köstlichen Geschimpfe eines Lausbuben, und schließlich „Svetik Savishna“, in dem sich auch die Musiker austoben durften und die Kulman in ein Duett mit einem von Arkady Shilkloper geblasenen Alphorn trat ...
Die Stimme der Kulman ist wunderschön, hat einen strahlenden, leuchtenden dunklen Goldton, Glanz und Kraft, nichts ist ihr zu hoch und nichts zu tief. Sie verfügt über eine perfekte Technik, die jedes Legato-Strömen und jedes Kreischen, Flüstern, Keuchen, jeden „Juchzerer“ (Mussorgskys „unakademische“ Musik ist voll von Möglichkeiten) perfekt meistert, und wenn man auch nicht Russisch versteht, so ist man doch voll vorbei, weil der musikalische Ausdruck jegliche Sprache überflüssig macht.
Vielleicht ist es für Elisabeth Kulman in dieser Phase ihrer Karriere gut, dass der nächste Staatsopern-Direktor mit ihr nicht mehr so viel vor hat wie der jetzige (sie singt laut ihrer eigenen Website nächstes Jahr nur viermal die Herodias, dreimal in der Wiederaufnahme von Medea und sechsmal in der Neuinszenierung von „Anna Bolena“ – das ist nicht allzu viel) – denn so, wie alles an ihr jetzt „stimmt“, ist ihr Wien vermutlich zu klein, da müssten andere Häuser kommen. Ich höre in ihrer Stimme eine prachtvolle Eboli, nun müsste sie wieder Carmen sein, Aufgaben, die das Außergewöhnliche verlangen, das sie jetzt geben kann. Und wenn die Konzerthäuser klug wären, dürfte sie sich vor Angeboten für den Mussorgsky-Abend nicht retten können: Denn die CD ist sicherlich fabelhaft, aber die Kulman live zu erleben, kann durch nichts ersetzt werden.
Renate Wagner - DER NEUE MERKER - 18. Mai 2010
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