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Lied

Mussorgsky Dis-Covered

Orte und Termine

 

Wien - Casino Baumgarten (CD-Präsentation)
Montag, 17. Mai 2010 - 19.00 Uhr

 

Feldkirch Festival - Pförtnerhaus
Samstag, 9. Juni 2010 - 19.30 Uhr (Feldkirch)

 

Ausführende

 

Elisabeth Kulman, Mezzosopran
Tscho Theissing, Violine, Arrangements
Arkady Shilkloper, Horn, Flügelhorn, Alphorn
Antoni Donchev, Klavier, Melodica
Georg Breinschmid, Kontrabass

 

CD Mussorgsky Dis-Covered

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Links

Neue Website zu "Mussorgsky Dis-Covered": www.mussorgsky.org
Einladung zur CD-Präsentation im Casino Baumgarten
Feldkirch Festival: www.feldkirch.at
Preiser Records Vienna (CD-Bestellung): www.preiserrecords.at

 

Pressestimmen

5 von 5 Punkten, "Klassik-Platte der Woche"
Elisabeth Kulman ist mit den Musikern Tscho Theissing, Arkady Shikloper, Miki Skuta und Georg Breinschmid ins Studio gegangen - um Mussorgsky aufzunehmen.
Elisabeth Kulman, die Frau mit dem Traum-Mezzo, ist nun mit den formidablen Musikern Tscho Theissing, Arkady Shikloper, Miki Skuta und Georg Breinschmid ins Studio gegangen, und zwar um Mussorgsky aufzunehmen. Wer die Namen Theissing und Breinschmid kennt, weiß, dass es sich dabei nicht um Originale handeln kann, sondern um Arrangements – allerdings um Arrangements vom Feinsten.
Kulman hält sich freilich mehrheitlich an Mussorgskys originale Melodielinien, sie singt aber mit dem nämlichen Temperament und der koloristischen Vielfalt, mit der die Musikanten begleiten – ob schwermütig-todtraurig oder hintergründig-witzig. Wie etwa in der Vertonung von Goethes „Flohlied“ – einer Aufnahme, in der die Musik immer wieder suggeriert, der Hörer wäre ganz plötzlich mitten in einem himmelhochjauchzenden, zu Tode betrübten russischen Fest gelandet.

Wilhelm Sinkovicz - DIE PRESSE/Schaufenster - 10. Juni 2010


5 von 5 Punkten
Auf der neusten Kulman-Scheibe gibt es ebenfalls diesen, neugierigen, frischen Zugang zu einem vertraut scheinenden Komponisten. Diesmal führt sie mit vier Mann höchst vitaler, ja rauer Begleitband Modest Mussorgsky auf seine russischen Wurzeln zurück. War der doch stets derjenige unter den arrivierten Tonsetzern, der sich am stärksten ein erdiges Volksidiom bewahrt hatte. Das wird hier durch Umorchestrierungen, Beschleunigungen, eine sehr schöne Art von gestischem Singen überdeutlich. Der klassische Mezzo und die Jazzmusiker ergänzen sich wunderbar in ihrem Groove. Mussorgsky wird so mit seinen Liedern wie neu arrangierten Instrumentalstücken aus seiner Kunstwelt herausgeholt - und doch in keinem Ton an das Crossover verraten.

Manuel Brug - DIE WELT - 18. August 2010


5 von 5 Punkten
Theissing und seine (wie er selbst) brillanten Musiker sowie die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman haben Mussorgsky neu erfunden: Packend, klug und grandios.

Peter Jarolin – KURIER - 30.5.2010


5 von 5 Punkten
Dem russischen Querdenker und Neuerer Modest Mussorgsky (1839-1881) setzen die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman, der Wiener Violinist Tscho Theissing, von dem die Projektidee kam, sowie drei weitere Virtuosen (Georg Breinschmid - Kontrabass, Miki Skuta - Klavier und Mussorgskys Landsmann Arkady Shilkloper - Horn) ein Denkmal besonderer Art: Sie nehmen einige seiner Liedkompositionen wie "Gopak", "Svetik Savishna" oder das bekannte "Lied des Mephistopheles in Auerbachs Keller" und loten in sehr freien, ja frechen Bearbeitungen ihr Potential aus. Dabei wird nicht mit Anspielungen (auch aus Opern- und Orchesterwerken Mussorgskys) gespart: wähnt man sich als Hörer gerade noch recht nahe am Original, geht das Ensemble plötzlich "um die Ecke" in Richtung Gypsy-Swing, Czardas oder Groove. Äußerst angenehm fällt auf, wie stimmungs- und geschmackvoll das virtuose Ensemble agiert – ein spannendes Pendeln zwischen komponierten und improvisierten Anteilen ist das Resultat.

Martin Schuster - CONCERTO 4/2010


„CD der Woche“
Beim Anblick des Covers fällt nicht nur die derzeit gefragteste Nachwuchssängerin Österreichs Elisabeth Kulman mit ihrer unglaublichen Mähne ins Auge, es stellt sich auch die Frage: wieso Mussorgsky Dis-Covered? Was gibt es an dem Schöpfer der Bilder einer Ausstellung und des Boris Godunow noch zu entdecken? Viel, sehr viel liegt über die Geschichte des revolutionären Russen hierzulande im Dunklen. Als Sohn ehemals reicher Großgrundbesitzer wurde er mit seinem Mächtigen Häuflein zum Sinnbild der eigenständigen, sprachbetonten Musik am Wolgastrand.
Insofern ist es eine perfekte Fügung, dass gerade die aus dem sonnigen Burgenland stammende Sängerin sich der unbekannten Lieder annahm; sie spricht Russisch schon seit der Schulzeit. Da tanzt sie gemeinsam mit dem Jazz-Ensemble rund um Tscho Theissing einen rassigen Gopak, ganz schön furchteinflössend gelingt das Lied des Mephisto aus Goethes Faust. In Mussorgskys Erzählung vom Bengel und dem Moosweiblein kommt die Nähe des russischen Volkslieds zu modernem Jazz gut zum Tragen. Wobei Theissings Arrangements nicht einfach Jazz-Bearbeitungen sind, sondern eine schöne Reminiszenz ans genuin Slawische. Kulmans wunderbar runde Stimme wirkt oft nicht nur solistisch, sondern als Bestandteil des Ganzen.

Daniel Wagner – RADIO STEPHANSDOM – 5. Juni 2010


Mitreißend, dynamisch und facettenreich!

a.viso / ORF - 13. Juni 2010


Nach ihrer Debüt-CD mit Liedern von Gustav Mahler (siehe OG 4/2010) hat die österreichische Mezzosopranistin und Altistin Elisabeth Kulman nun eine neue CD mit Liedern vom körperlich erschöpften und geistig zerrütteten Genie Modest Mussorgsky veröffentlicht. Die Künstlerin ist, was die Begleitung betrifft, ihren ungewöhnlichen Arrangements treu geblieben. So wird sie auch bei ihrer Neueinspielung wieder von einem Quartett, bestehend aus Violine, Kontrabass, Klavier und Horn, auch als Flügel-und Alphorn eingesetzt, begleitet. Im Unterschied zur Mahler-Einspielung sind es jedoch dieses Mal Jazzmusiker, die den Gesang auf fulminante Weise ergänzen. Das Ergebnis ist aber nicht eine Verjazzung von Mussorgskys Musik, sondern ein Weiterdenken im Jazz-Kontext. Die Sängerin singt keinen Jazz, sondern bleibt bei den vom russischen Komponisten geschriebenen Melodien; nur die Bearbeitungen gehen darüber hinaus und werden durch eigene Improvisationen erweitert. Gerade Mussorgskys von einer folkloristisch rhythmischen Komponente charakterisierte Musik eignet sich hervorragend für eine solche Erweiterung, stellt doch ihre eigene Harmonik und das Nebeneinanderstellen von Akkorden ein Grundelement des Jazz dar. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Musik des Russen wird durch die dunkle, erdige, in allen Lagen sicher und bruchlos geführte Stimme Kulmans veredelt. Der Interpretin steht dabei eine große Ausdruckspalette zur Verfügung; vom tonlosen Flüstern über Wispern bis zum Kreischen und Jubeln. Zu hören sind u.a. Gopak", das lebenslustig herausfordernde Lied einer jungen Frau, die einen alternden Kosaken zum Mann nimmt und ihm nicht mehr gehorchen will, Pesnja Mefistofelja" (Lied des Mephistopheles in Auerbachs Keller), Goethes groteske Miniatur mit besonders reichen Klangfarben in der Stimme der Kulman, Serenada" und Trepak" aus dem Zyklus Lieder und Tänze des Todes" - zum einen das mit abgründig unheimlicher Tongebung vorgetragene Todeslied mit einem wahrhaft beklemmenden Schluss, zum anderen ein mit üppiger Stimme fulminant dargebotenes Tanzlied; und schließlich, als Höhepunkt der CD, Svetak Savishna" (Schöne Sawischna),ein skurriles Liebeslied mit Alphorn. Abgerundet und ergänzt wird die CD mit instrumentalen, vom Wiener (Jazz-) Musiker Tscho Theissing in unüblichem Klangbild arrangierten Mussorgsky-Bearbeitungen. Diese sind durch das virtuose Spiel der vier Musiker interessant anzuhören und werden Hörerinnen und Hörer, die für gekonnte Bearbeitungen offen sind, durchaus begeistern.

DAS OPERNGLAS - Juli/August 2010


Sinnlich, erdig, vielseitig
Zwischen Mahler, Mussorgsky und Gluck: Elisabeth Kulman, die in Salzburg den Orpheus singt, liebt ungewöhnliche Projekte.
Gustav Mahlers berstende Liedemotion wird rund um seinen 150. Geburtstag neu erlebt. Die Gesänge von Schwulst und Übertreibung zu befreien, erweist sich als Trend, und ein Wesentliches haben die Interpreten gemeinsam: die österreichische Herkunft.
Wie Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager entdeckte auch ihre Fachkollegin Elisabeth Kulman die Wirkung des schlichten Tons in ausgewählten Vertonungen der Gedichte Friedrich Rückerts und der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ sowie in den „Liedern eines fahrenden Gesellen“. Kulmans warmes Timbre, die Expansion der Stimme und ihre unprätentiöse erzählerische Kraft sucht nach den Ursprüngen der Lieder, was auf ihrer Debüt-CD in Partnerschaft mit dem Ensemble Amarcord eindrucksvoll gelingt (material records).
Wer für Vesselina Kasarova einspringt, zu Österreichs TV-Kultursendungen sowie Annettes DaschSalon gebeten wird und zum Ensemble der Wiener Staatsoper gehört, ist kein Geheimtipp mehr. Durch ihre Mahler- und die neue, sensationelle Mussorg­sky-CD, vor allem aber durch ihren Gluck‘schen „Orpheus“ bei den Salzburger Festspielen wird Elisabeth Kulman nun einem breiten Publikum bekannt. Die Burgenländerin studierte Russisch, Ungarisch und Musikwissenschaft, sang Pop, Jazz und in Wiener Chören und begann erst mit 22 Jahren ihre Gesangsausbildung an der Wiener Musik­universität. 2001 schloss sie als Sopranistin beide Studienrichtungen (Oper und Lied/Oratorium) mit Auszeichnung ab, 2004 wechselte sie ins Mezzosopran- und Altfach, ein Jahr später sprang sie an der Opéra National de Paris als Glucks Orpheus ein. An der Wiener Staatsoper erregte sie in Wagners „Ring des Nibelungen“ als Fricka und Waltraute sowie in der Uraufführung von Aribert Reimanns „Medea“ Aufsehen.
Dass die Kulman auch anders kann, zeigt ihre hinreißende CD „Mussorgsky Dis-Covered“ (Preiser Records), die die Aufmerksamkeit ebenso stark auf Tscho Theissing (Violine, Arrangements), Arkady Shilkloper (Horn), Antoni Donchev (Piano) und Georg Breinschmid (Bass) lenkt. Was da entstand, ist sinnlich, erdig, kultig. Theissing, der vielseitige Musiker, einst auch Partner von Werner Pirchner, hat Lieder und instrumentale Teile des russischen Komponisten Modest Mussorgsky nicht bearbeitet, wie es so viele taten, sondern weitergesponnen. Nahm Eigenwilligkeit, Tonfall, Rhythmen und das Fragmentarische Mussorgskys auf, entdeckte jazzige Verwandtschaft und etwas, das ihn offenbar heftig ansprach.
Die Musiker sind eines Sinnes mit ihm, und so entstand Freies, Emotio­nales aus Klassik, Jazz, Volks- und Neuer Musik. Elisabeth Kulman bleibt am Original, nimmt sich aber auch Freiheiten. Sie taucht, nicht Star, sondern partnerschaftlich, ihren runden Wohllaut, ihren Humor und ihre große Seele in die Mentalität dieser Lieder und den herrlichen Klang der Sprache.

Ursula Strohal - TROLER TAGESZEITUNG - 29. Juli 2010


Mahler & Mussorgsky, neu entdeckt
Zugegeben, man kann skeptisch sein, wenn von Crossover-Produktionen die Rede ist. Man kann Neudeutungen der Musik von Mahler oder Mussorgsky durch stil- und grenzüberschreitende Musiker und Solisten aber auch offen gegenüberstehen. Genau dies ist meine Empfehlung, wenn es um zwei neue CDs geht, die Kompositionen von Gustav Mahler und Modest Mussorgsky in neuen Perspektiven sehen.
Da wäre zum einen das Ensemble Amarcord Wien, seit Jahren ein Garant für die spannende Transformation von Musik vergangener Tage in die Gegenwart. Auf das Satie- folgt jetzt das Mahler-Projekt. Für dieses Vorhaben haben sich die vier Musiker mit der Mezzosopranistin Elisabeth Kulman künstlerisch gefunden. Das Ergebnis ist eine berückend schöne, kammermusikalisch exzellente Neuaufnahme von Mahler-Liedern, sowohl den bekannten, im Volkston als auch weniger oft gehörten. Und wer meint, das berühmte und vielzitierte Adagietto aus Mahlers fünfter Symphonie dürfe nie und nimmer mit einem Streichtrio und Akkordeon aufgeführt werden, soll sich unbeeinflusst und unvoreingenommen diese zarte, feinfühlige und zugleich sehr bestimmte Version anhören.
Dies gilt auch für das zweite zu empfehlende Album. "Mussorgsky Dis-Covered" heißt das leichtfüßige Werk. Auch hier ist Elisabeth Kulman mit unverbrauchter, explorierender Stimme dabei, zusammen mit Geiger Tscho Theissing, Hornist Arkady Shilkloper, Miki Skuta am Klavier und dem famosen Georg Breinschmid am Bass. Da geht man mit dem Liedmaterial Mussorgskys noch großzügiger um als bei Mahler, betrachtet die Songs als willkommene Fundstücke. Das dürfen sich natürlich nur Musiker erlauben, die sich mit ihrem Können und ihrer Virtuosität so frei auf dem Feld bewegen, wie es das Cover mit der schwungvollen Vokalistin vermittelt. Man spürt: Es wird - auch musikalisch - durchgeatmet. Wer meint, schon alles gehört zu haben: Diese Neuentdeckung lohnt sich!

Heinz M. Fischer - FRONTAL - 1. September 2010


Elisabeth Kulman, Mussorgsky und ein großer Abend
Wer Elisabeth Kulman je als Marina in „Boris Godunow“ gehört hat, kennt ihre unglaubliche Affinität zur Musik von Modest Mussorgsky. Sie hat bekanntlich das russische Sprachstudium zu einer Zeit gewählt, als sie sich das Leben einer Sängerin noch gar nicht vorstellen konnte. Aber offenbar werden die Fleißigen, die Ambitionierten gelegentlich doch belohnt – heute kann sie „das russische Repertoire, das für meine Stimme so geeignet ist, nicht nur singen, sondern auch verstehen, was ich singe.“
Nun, da die 36jährige sich hörbar auf einem Karriere-Hoch befindet (das auch im Sommer durch das Engagement bei den Salzburger Festspielen gekrönt wird), ist sie wieder zu Mussorgsky gekommen. Seit Jahren schon, seit 2006, arbeitet sie mit der von Tscho Theissing angeführten Gruppe Pago Libre (Arkady Shilkloper, Horn / Georg Breinschmid, Kontrabass / wechselnde Pianisten, an diesem Abend Antoni Donchev) zusammen, die sich allesamt als „Grenzgänger“ zwischen Klassik und Jazz verstehen, aber die billige „Crossover“-Schiene verschmähen. Vielmehr haben sie gerade in der zutiefst unkonventionellen Musik von Mussorgsky die Herausforderung gefühlt, diese mit ihrem individuellen Können anzureichern. Das Ergebnis ist verblüffend.
Elisabeth Kulman und Tscho Theissing haben ein Programm aus Mussorgsky-Liedern zu eigenem, eigenwilligem „Sound“ zusammengestellt, das sie 2008 im Ehrbar-Saal präsentierten. Damals kam nach dem Konzert der Chef von Preiser Records mit dem spontanen Wunsch auf sie zu, unbedingt eine CD mit ihnen machen zu wollen. („Wo gibt es denn das heute noch?“ wundert sich Tscho Theissing bei seinem Loblied auf den Produzenten.) Für Elisabeth Kuman ist wichtig, dass man lange und in Ruhe daran arbeiten konnte und nun ein „gereiftes Programm“ präsentiert. Gereift, ja, aber keinesfalls gesetzt. Denn als Elisabeth Kulman und ihre Musiker „Mussorgsky Dis-Covered“ nun im Casino Baumgarten dem Publikum vorstellte, bebte der Saal direkt vom Temperament der Interpreten.
Die CD hat 14 Nummern, immerhin fünf davon bekamen die Zuhörer, die den Saal überaus dicht füllten, zu hören: Die Frau hat wirklich Fans und entzückte sie im schwarzen Minikleid, darüber einen langen roten Mantel à la Russe (tiefer Ausschnitt, Pelzbesatz an den Ärmeln, Bordüren) und mit dem für sie so charakteristischen Zurückwerfen der langen schwarzen Haare. Zu Beginn hörte man „Gopak“, ein derber ungarischer Tanz, wie Moderator Peter Schneeberger erklärte, es klang allerdings wie die Schenkenszene aus „Boris“, und die Kulman sang nicht nur, die wippte, sie tänzelte die Musik mit ihrem ganzen Körper, alles war Ausdruck und Leidenschaft, auch bei den nächsten Liedern, die teils wie Arien wirkten, „Serenada“, ein beschwörendes Todeslied, „Pesnja Mefistofelja v pogrebke Auerbacha“, Mephistos Flohlied in Auerbachs Keller, „Ozornik“, dem köstlichen Geschimpfe eines Lausbuben, und schließlich „Svetik Savishna“, in dem sich auch die Musiker austoben durften und die Kulman in ein Duett mit einem von Arkady Shilkloper geblasenen Alphorn trat ...
Die Stimme der Kulman ist wunderschön, hat einen strahlenden, leuchtenden dunklen Goldton, Glanz und Kraft, nichts ist ihr zu hoch und nichts zu tief. Sie verfügt über eine perfekte Technik, die jedes Legato-Strömen und jedes Kreischen, Flüstern, Keuchen, jeden „Juchzerer“ (Mussorgskys „unakademische“ Musik ist voll von Möglichkeiten) perfekt meistert, und wenn man auch nicht Russisch versteht, so ist man doch voll vorbei, weil der musikalische Ausdruck jegliche Sprache überflüssig macht.
Vielleicht ist es für Elisabeth Kulman in dieser Phase ihrer Karriere gut, dass der nächste Staatsopern-Direktor mit ihr nicht mehr so viel vor hat wie der jetzige (sie singt laut ihrer eigenen Website nächstes Jahr nur viermal die Herodias, dreimal in der Wiederaufnahme von Medea und sechsmal in der Neuinszenierung von „Anna Bolena“ – das ist nicht allzu viel) – denn so, wie alles an ihr jetzt „stimmt“, ist ihr Wien vermutlich zu klein, da müssten andere Häuser kommen. Ich höre in ihrer Stimme eine prachtvolle Eboli, nun müsste sie wieder Carmen sein, Aufgaben, die das Außergewöhnliche verlangen, das sie jetzt geben kann. Und wenn die Konzerthäuser klug wären, dürfte sie sich vor Angeboten für den Mussorgsky-Abend nicht retten können: Denn die CD ist sicherlich fabelhaft, aber die Kulman live zu erleben, kann durch nichts ersetzt werden.

Renate Wagner - DER NEUE MERKER - 18. Mai 2010


Die Musiker wurden fündig und das Publikum entdeckte Mussorgsky neu - „Mussorsky Dis-Covered“ beim Feldkirch Festival wurde begeistert aufgenommen.
Im Rahmen des Feldkirch Festivals näherten sich außergewöhnliche Musikerpersönlichkeiten der Musik von Modest Mussorgsky und transferierten sie in ihre eigenen Welten des Jazz. Die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman stand im Mittelpunkt des originellen Musikprojekts, Tscho Theissing, Arkady Shilkloper, Antoni Donchev und Georg Breinschmid bildeten ein souverän agierendes Ensemble. Zu Beginn des Konzertabends im Pförtnerhaus legten sich die Musiker jedoch ein allzu enges Korsett auf. Glücklicherweise gelang es ihnen im weiteren Verlauf dieses abzustreifen. So entwickelte sich ein mitreißendes Konzerterlebnis.
Die einleitende Fantasie „Prelude, Groove and Drift“ entwickelten Tscho Theissing an der Violine und Georg Breinschmid am Kontrabass spannend, indem sie Obertöne tanzen ließen. Nach diesem feinen Tongewebe erklangen die musikalischen Ausgangsthemen aus Mussorgskys Opern „Chowanschtschina“, „Boris Godunow“ sowie der sinfonischen Dichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berg“ in einem für diese Besetzung ungewohnt klassischen Gewand. Die Musiker übersteigerten die Motive und transferierten sie rhythmisch, fassten sie neu und führten sie wieder zurück in einen klassisch anmutenden Duktus. Dabei blieben sie jedoch zu sehr an den Vorlagen. Deshalb wirkte die Musik auf eigentümliche Weise gebändigt und wenig authentisch. Einen ähnlichen Eindruck hatte ich auch beim Lied „Serenade“ aus den „Liedern und Tänzen des Todes“, die Elisabeth Kulman zusammen mit dem Ensemble sang. Zwar erlebte das Publikum hervorragende Musiker und eine faszinierende Mezzosopranistin, doch überzeugten mich die Arrangements wenig.
Das Innenleben gestaltet
Erst mit „Trepak“, ebenfalls aus den „Liedern und Tänzen des Todes“, überraschte das Ensemble mit einer farbenreichen Bearbeitung. Glissandi und andere Spieltechniken belebten die Musik. Und von da an schienen sich die Musiker und die Sängerin gefunden zu haben. Mussorgskys Musik diente als Inspirationsquelle für melodische Einfälle, die in den typischen Pago Libre Sound, dem bekanntlich Tscho Theissing, Georg Breinschmid und Arkady Shilkloper angehören, überführt wurde. Originell, humorvoll, mit vielerlei melodischen, spieltechnischen und rhythmischen Wendungen wurde das Publikum mit abwechslungsreichen Bildergeschichten unterhalten. Den rastlosen musikalischen Fortgang in „Svetik Savishna“ sang Elisabeth Kulman vielgestaltig. Vor allem die Variationen mit Pausen brachten den musikalisch unermüdlichen Fluss gehörig ins Wanken. Dabei driftete die Sängerin weit ab von der Ausgangsidee und spannte beziehungsreiche Bögen, die Musiker lieferten sich witzige Dialoge. Wie immer zog Arkady Shilkloper das Publikum mit seiner meisterhaften Spielweise auf dem Flügel- und Waldhorn sowie seinen unerhörten Klangkaskaden auf dem Alphorn in seinen Bann. Am Klavier unterstützte ihn Antoni Donchev, von dem ein großer Aufforderungscharakter ausging. Die dritte Wiederholung erklang sogar im Duett mit Tscho Theissing. So wurde das Original aufgesplittet, vergrößert und wirkungsvoll gesteigert.
Energie zu Tage gefördert
Das zweite Set ging bei drückender Schwüle über die Bühne. Doch die Stimmung im Saal war hervorragend, weil das Publikum sehr gut auf die Musik einging. Ideenreich waren die Arrangements der Mussorgsky-Vorlagen aus den „Ballets russes“ mit einem launigen Spiel von Arkady Shilkloper. Illustrativ mit unzähligen Zwischentönen formte Elisabeth Kulman „Mephistos Lied in Auerbachs Keller“. Ihr tiefes Timbre im Lied „Mit der Puppe“ aus Mussorgskys Liederzyklus „Kinderstube“ sowie die minimalistischen Figurationen öffneten einen surrealen Klangraum. In schnellem Tempo beendeten die Sängerin und die Musiker mit „Gopak“ den Konzertabend, versprühten Energie und deuteten die musikalische Vorlage hintergründig aus. Auf diese Weise entwickelte sich der Mussorgsky-Abend zu einer wirklichen Entdeckungsreise im besten Sinn.

Silvia Thurner – KULTUR-ZEITSCHRIFT - 12. Juni.2010

 

ARCHIV.kulman.info 2010

Elisabeth Kulman - www.kulman.info