Orte
Bamberg - Konzerthalle
Termine
Samstag, 8. Mai 2010 - 20.00 Uhr
Ausführende
Elisabeth Kulman, Mezzosopran
Bamberger Symphoniker
Diirgent: Sebastian Weigle
Programm
Richard Wagner: Ouvertüre zu "Rienzi, der Letzte der Tribunen"
Hans Sommer: Sapphos Gesänge op. 6 (Nr. 1-6)
- Die Blume verblühet auf fließender Fluth
- Wozu soll ich reden? Mein Wort ist so alt!
- Hört mich, ihr grausamen Götter
- Nicht lange ist's her, da lachte die Welt mir und das Meer
- Ich singe der Kraft, die die Erde erhält
- Weine nicht, weil dich die Götter gesendet
Max Reger: Variationen und Fuge über ein Thema von W.A. Mozart op. 132
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Hans Sommer (1837-1922)

Sebastian Weigle, Dirigent
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Text
Hinweis: Am 13. Mai findet ein zweites Konzert mit identischem Instrumentalprogramm statt. Dazu wird Bo Skovhus weitere Lieder von Hans Sommer interpretieren.
Seine Biografie erinnert an die von Charles Ives: Zwar war Hans Sommer nicht wie sein jüngerer amerikanischer Kollege im Versicherungsgeschäft tätig, dafür machte er sich neben der Musik als Naturwissenschaftler einen Namen, lehrte als Mathematikprofessor und war Direktor der Technischen Hochschule seiner Heimatstadt Braunschweig. In seinem Komponieren, das später gänzlich in das Zentrum seines Wirkens rückte, bewegte er sich nicht nur auf der Höhe seiner Zeit, vielmehr gelangte er zu ebenso eigenständigen wie zukunftsweisenden Neuerungen. Seine Opern brachte der Norddeutsche mit einigem Erfolg auf die Bühnen in München, Berlin oder Stuttgart, vor allem aber eroberte er sich mit seinen Liedern einen festen Platz im zeitgenössischen Konzertleben.
Die Lieder Hans Sommers sind ein aufgrund langer Zeit unzugänglicher Quellen bislang wenig erforschtes, aber umso wichtigeres Bindeglied zwischen der Wagner-Nachfolge und dem Liedschaffen Mahlers und Strauss'. Sommers Orchesterfassung von "Sapphos Gesänge" (1884) etwa ist der erste spätromantische Orchesterliedzyklus im deutschsprachigen Raum überhaupt (Wolf begann 1889, Mahler 1892).
Der Musikverlag Universal Edition hat nun neues Notenmaterial erstellt, um den heutigen Interpreten Sommers Musik zugänglich zu machen. Im Zuge der Konzerte in Bamberg wird es CD-Aufnahmen mit 20 ausgewählten Liedern geben, wovon Elisabeth Kulman und Bo Skovhus je zehn Lieder singen werden.
Links
Bamberger Symphoniker: www.bamberger-symphoniker.de
Kartenbestellung: www.bvd-ticket.de/vera_info.cfm?veranstaltungid=13068
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Pressestimmen
"Weht Dir mein Geist durch die Ewigkeit wieder"
Sebastian Weigle dirigierte am Samstag die späte Erstaufführung von Orchesterliedern Hans Sommers
Bamberg - Gibt es tatsächlich nachträgliche Gerechtigkeit? Lässt sich - mit Jahrzehnten Verspätung - das scheinbar unabänderliche Urteil der Musikgeschichte nachhaltig korrigieren? Im Falle von Hans Sommer haben der Dirigent Sebastian Weigle, die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman und die Bamberger Symphoniker am Samstag mit großem Nachdruck und Überzeugungskraft Revision eingelegt. Beim jüngsten Abonnementkonzert der "Bamberger" erlebte die 1884 entstandene Orchesterfassung von Sommers Liedzyklus "Sapphos Gesänge" ihre packende Erstaufführung an der Regnitz.
Mit Sommers op. 6 ist ein Komponist zu entdecken, der - allen erkennbaren Einflüssen zu Trotz - in diesen Liedern einen beachtlich eigenständigen Stil gefunden hat. Mag auch in vielen Details bis hin zum oftmals deklamatorischen Gestus der Einfluss von Wagner und Liszt unverkennbar sein - epigonal wirken Sommers Sappho-Gesänge keineswegs. Vielmehr beeindruckten sie durch einen Farbenreichtum im Klang, durch ihren Nuancenreichtum im Ausdruck, den Sebastian Weigle mit sensiblem Gespür fein differenziert entfalten ließ.
Vor allem aber fand Hans Sommer in Elisabeth Kulman eine Vokalsolistin, die das Publikum mit intensiver Gestaltungskraft in Bann zog, besonders nachdrücklich im Schlussgesang "Weine nicht, weil Dich die Götter gesendet" ("Singst Du dereinst meine Lieder, weht Dir mein Geist durch die Ewigkeit wieder").
Ihr warm timbrierter Mezzosopran klang durchweg präzis fokussiert, wirkte in allen Lagen sicher geführt und abgerundet in der Tongebung. Nie geriet sie in Versuchung, dynamisch zu forcieren - auch dort nicht, wo Sebastian Weigle den Orchestersatz vielleicht eine Spur noch hätte zurücknehmen können. Sorgsam differenzierte Artikulation garantierte stets subtil textbezogene Interpretationen bei durchwegs guter Verständlichkeit. Entsprechend ausdauernd begeistert war denn auch der Beifall des Publikums.
Regers "Mozart-Variationen"
Als klingendes Entree diente zuvor die Ouvertüre zu Richard Wagners früher Oper "Rienzi". Sebastian Weigle sorgte hier für eine klanglich klar gestaffelte Wiedergabe mit einer klugen formalen Disposition. Weigle setzte auf eine dynamisch behutsame Entfaltung der durchaus blechlastig instrumentierten Ouvertüre, ließ die "Bamberger" mit weich abgerundetem Klang musizieren. Erst zum dann doch ungeniert effektvollen Schluss gewährte er Blech und Schlagwerk weitgehend ungehinderten "Auslauf".
Max Regers populärstes Orchesterwerk bildete nach der Pause den Ausklang des Konzertes - die "Mozart-Variationen", die 1914 kurz nach Regers Abschied als Meininger Hofkapellmeister entstanden. Sie sind der überzeugende Beweis gegen die vertretene These, Regers Musik klinge zwangsläufig immer zu überladen, chromatisch überfrachtet und kontrapunktisch regelrecht verknäult.
Dass Regers Musik dicht komponiert, aber nicht überladen tönen kann, demonstierten Weigle und die Bamberger Symphoniker mit ihrer konzentrierten und detailgenauen Deutung der "Mozart-Variationen". Fülle der Details und Klarheit der Kontur wusste Sebastian Weigle ganz selbstverständlich zu verbinden. Vor allem aber ließ er das Orchester stets natürlich atmend musizieren.
Das Resultat war eine Reger-Deutung, die die subtilen Feinheiten der Insturmentierung adäquat und feinsinnig ausgehört zur Geltung brachte. Beachtlich ausdauernder Beifall.
Jochen Berger - FRÄNKISCHER TAG - 10. Mai 2010
Es war beinahe eine Uraufführung, was die Bambergert Symphoniker unter der Leitung von Sebastian Weigle und mit Elisabeth Kulman als Solistin am gestrigen Abend ihren Abonnenten boten. Denn obwohl Hans Sommer (1837 bis 1922) sein Opus 6 „Sapphos Gesänge“ (Sechs Gesänge für Singstimme und Orchester nach Texten von Carmen Sylva) schon 1883 komponiert und ein Jahr später orchestriert hat, sind sie bis heute praktisch unbekannt und nach seinen Lebzeiten vermutlich unaufgeführt geblieben. Die Universal Edition hat diese Lieder nunmehr verlegt und das Ergebnis der Quellenforschung wurde gestern erstmalig dem Publikum zu Gehör gebracht. Man darf auf die im Zusammenhang mit den beiden Konzerten (ein zweites mit Bo Skovhus als Solisten gibt es am Donnerstag) entstehende CD gespannt sein, die insgesamt 20 von Sommers Orchesterliedern enthalten wird.
Sommer studierte zunächst Mathematik und Physik, erforschte im Werk seines Stiefvaters Peter Wilhelm Friedrich Voigtländer auch Patente für optische Linsen und war zunächst „Nebenerwerbskomponist“. Auch wenn er seine Tätigkeit bei Voigtländer 1884 beendete, blieb er bis ins hohe Alter dennoch der Technik und Forschung - zuletzt als Leiter des Polytechnikums in Braunschweig - erhalten. Mit Richard Strauss freundete er sich in Weimar an – Strauss hat später auch mehrere Werke von Sommer zur Uraufführung gebracht - und Franz Liszt´s positives Urteil gab schließlich den Ausschlag sich verstärkt der Komposition zu widmen.
Die Instrumentierung von „Sapphos Gesänge“ folgt keinem einheitlichen Bild. Das dritte Lied („Hört mich, ihr grausamen Götter“) erinnert deutlich an Richard Wagner, im zweiten Lied („Wozu soll ich reden ?“ ) dominieren beinahe volksliedhafte Töne. Diese Vielfalt macht es auch schwer, von einem eigenen „Sommer-Stil“ zu sprechen. Da und dort werden Blechbläser solistisch wie bunte Tupfen in einem Gemälde eingesetzt, die Streicher klingen manchmal nahezu kammermusikalisch und dann wieder breit aufwallend, einzelne Instrumente werden solistisch eingesetzt (etwa zu Beginn des sechsten Liedes, bei dem nicht nur ich an den jungen Seemann in „Tristan“ denken musste). Viel verlangt der Komponist auch von der Stimme, geht doch die Bandbreite der sechs Lieder über gut zwei Oktaven und reicht vom schlichten beinahe Volksliedton zu annähernd wagnerischer Dramatik.
Sebastian Weigle hat sich mit dem Komponisten Hans Sommer eingehend auseinander gesetzt und auch an der Neuedition mitgewirkt. Man sieht es ihm an, dass er mit ganzem Herzen hinter dieser Neuentdeckung eines vergessenen Komponisten steht. Und diese Begeisterung überträgt sich auf die Bamberger Symphoniker, die das neue Werk hörbar engagiert und mit Begeisterung spielen. An diesem Abend (das Vorspiel zu Rienzi eröffnete das Konzert und nach der Pause gab es die Mozart Variationen von Max Reger) bewiesen die Musiker, dass sie nicht zu Unrecht eines der wesentlichen deutschen Orchester sind. Als Gesangssolistin hat Sebastian Weigle die für Neues immer offene Elisabeth Kulman vorgeschlagen und mit ihr eine hervorragende Interpretin gefunden. Mit ihrem facettenreichen und ausdrucksstarken Mezzo vermittelt sie alle Feinheiten der Komposition und zwingt ein aufmerksam lauschendes Publikum in ihren Bann. Die Konzertbesucher jubelten berechtigt.
Michael Koling – CAPPRICCIO FORUM – 9. Mai 2010
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