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Oper

Johann Strauß: Die Fledermaus

Ort

Wiener Staatsoper - Opernring 2, 1010 Wien

 

Termine

Donnerstag, 31. Dezember 2009 - 19.00 Uhr
Montag, 4. Januar 2010 - 19.00 Uhr

 

Ausführende

Gabriel von Eisenstein: Michael Roider
Rosalinde: Alexandra Reinprecht
Adele: Anna Siminska
Dr. Falke: Boaz Daniel
Orlofsky: Elisabeth Kulman
Alfred: Gergely Németi
Frank: Alfred Sramek
Dr. Blind: Peter Jelosits
Ida: Lydia Rathkolb
Frosch: Helmuth Lohner
Iwan: Michael Kuchar

Dirigent: Bertrand de Billy

Nach einer Inszenierung von: Otto Schenk
Bühnenbild: Günther Schneider Siemssen
Kostüme: Milena Canonero

 

Elisabeth Kulman als gelangweilter Orlofsky

Elisabeth Kulman als gelangweilter Orlofsky
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Text

Mit der Fledermaus schuf der Walzerkönig ein Meisterwerk, das innerhalb der Gattung "Operette" seither nicht übertroffen wurde: eine geniale Musik gepaart mit einer bissig-komischen Handlung ohne jedes billige Sentiment!

 

Inhalt

Die Handlung rankt sich um den Ball beim Prinzen Orlofsky. Zu ihm werden im 1. Akt alle handelnden Personen, mit Ausnahme Alfreds, des in Rosalinde verliebten Tenors, der kometengleich am Rande des Geschehens dahinwandelt, magnetisch hingezogen: das Stubenmädchen Adele wird, wie sie glaubt, durch ihre Schwester Ida dorthin eingeladen und muß eine rührende Geschichte von einer kranken Tante erfinden, um nach einigem Hin und Her Ausgang zu bekommen, und ihr Brotherr, der Rentier Eisenstein, wird durch seinen Freund Dr. Falke überredet, sich mit ihm bei Orlofsky zu amüsieren, statt eine Gefängnisstrafe anzutreten, dieihm wegen einer Amtsehrenbeleidigung zugemessen wurde - freilich verfolgt Dr. Falke damit seinen eigenen Plan, denn Eisenstein hat ihn einmal vor der ganzen Stadt blamiert, als er ihn nach einem Maskenball betrunken und als Fledermaus verkleidet durch die Straßen nach Hause gehen ließ. Nun sieht Falke die Gelegenheit zur Rache gekommen. Darum lädt er zum Schluß auch Eisensteins Gattin Rosalinde zum Ball ein. Diese gerät vorher noch in beträchtliche Verwirrung, als nach Eisensteins vermeintlichem Abgang in den Arrest ihr früherer Verehrer Alfred auftaucht, ihr Herz bedrängt, aber vom Gefängnisdirektor Frank an Eisensteins Stelle verhaftet wird. Frank begibt sich nach dieser Amtshandlung befriedigt zum Ball bei Orlowsky.
Dort geraten im 2. Akt alle von Dr. Falke arrangierten Verwicklungen aufs beste. Eisenstein begegnet zu seiner Verblüffung seinem Stubenmädchen Adele, die ihre Identität frech leugnet, schließt Freundschaft mit dem Gefängnisdirektor und verliebt sich schließlich in seine eigene, als ungarische Gräfin kostümierte und maskierte Gattin.
Der 3. Akt löst die Knoten wieder. Er spielt im Gefängnis, das eine dubiose Note durch den niemals nüchternen Gerichtsdiener Frosch erhält. Alle finden sich dort nach und nach ein: nach dem äußerst verkaterten Direktor Frank zunächst Adele, die einen Mäzen zur Ausbildung ihres dramatischen Talents sucht, nebst ihrer Schwester Ida, dann Eisenstein, der zu seinem Erstaunen erfährt, daß er ja bereits die ganze Nacht eingesperrt war; als auch Rosalinde erscheint und gemeinsam mit dem verhafteten Alfred eine Unterredung mit einem Notar fordert, setzt Eisenstein sich verkleidet an die Stelle des Notars Dr. Blind und kommt so hinter die Ereignisse des vergangenen Abends. Zum Glück läßt er sich schließlich überzeugen, daß auch diese ein Teil von Dr. Falkes Racheplan waren, und so geht alles gut aus, um so mehr, als Adele im Prinzen Orlofsky tatsächlich ihren Mäzen findet.

 

Links

Wiener Staatsoper: www.wiener-staatsoper.at

 

Pressestimmen

Aus welchem Grund die Direktion für diese Vorstellung Gala-Preise verlangte, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel – KEIN Startgast und die Besetzung bestand aus Ensemblemitgliedern und einer Hausdebütantin, die den Sprung vom Schönbrunner Schlosstheater an die Staatsoper schaffte. Das aber soll die Leistung der Sänger auf keinen Fall schmälern, im Gegenteil – mit ein paar Abstrichen konnte man wirklich gute Leistungen sehen und hören – und die Rückkehr von Helmuth Lohner in der Rolle des Frosch hat sich bezahlt gemacht.
Lohner war schlicht und ergreifend großartig, bewies auch mit einer gewagten Kletterpartie auf den wackeligen Kleiderschrank seine gute körperliche Verfassung und – nach vielen Jahren hörte man wieder einmal einige neue Gags! Dem „Slibowitz“ zusprechend philosophierte er über Pröllmann auf Mauritius (dem Kaiser hat seinerzeit schon Mauer gereicht), über den Pleitegeier, der über Alpen und Adria den Wörthersee heimsuchte und dass HYPOthetisch noch ein paar Zellen frei wären, auch der Klimawandel kam zur Sprache – so werden in einem gewissen südlichen Burgenland bald Bäume mit Orangen und blauen Pflaumen wachsen ...
Bleiben wir bei den Erzkomödianten – Alfred Sramek als Frank war in Hochform, flirtete mit einer Flötistin und war ein kongenialer Counterpart zu Lohner – genauso wie als Doktor Bartolo oder Taddeo ist er in dieser Rolle für die Staatsoper unverzichtbar!
Ein weiterer Pluspunkt dieser Vorstellung waren die weiblichen Hauptprotagonistinnen. Da möchte ich mit der Debütantin Anna Siminska beginnen. Ursprünglich war für die Rolle der Adele ja Ileana Tonca vorgesehen, dann fand man den Namen von Eva Liebau in den Ankündigungen, schlussendlich hatte die junge, attraktive Polin die Möglichkeit, einen Staatsopernauftritt in ihren Lebenslauf zu schreiben. Siminska überraschte sehr positiv, hat auch in den Sprechpassagen überhaupt keine Probleme. Sie hat alle Höhen, eine gute Gesangstechnik. Das einzige, das man ihr zugestehen muss, ist die Tatsache, dass ihre Stimme für dieses Haus (noch) zu klein ist.
Alexandra Reinprecht hat sich von der Adele nun zur Rosalinde weiterentwickelt. Als Wienerin hat sie natürlich überhaupt keine Probleme mit dem Dialekt (und dass die Rosalinde früher als Künstlerin tätig war – vielleicht in einem Vorstadttheater, das hört man sehr deutlich!). Der Csardas war gut gelungen, und wenn sie nicht zu sehr forcierte, war auch kein Wobble zu hören.
Hervorragend wie immer präsentierte sich Elisabeth Kulman als Orlofsky, der sich wirklich zu Tode langweilt. Da wächst eine ganz, ganz starke Bühnenpersönlichkeit heran. Den zweiten Akt dominierte sie mit ihrer Präsenz. Ihr wurde auch nach dem Ende der Vorstellung (gemeinsam mit Sramek) der größte Applaus zuteil. Ihren Lakaien Iwan spielte Michael Kuchar solide.
Die ziemlich undankbare Rolle der Ida wurde von Lydia Rathkolb problemlos gemeistert und Peter Jelosits stotterte sich gekonnt als Dr. Blind durch die Partie.
Gergely Németi entwickelt sich langsam aber sich zur Luxusbesetzung als Alfred – es ist schön, die Fortschritte dieses Sängers bemerken zu können. Das teddybärhafte passt ja auch irgendwie zu dieser Rolle (zumindest ist das eine Auffassung, die durchaus legitim ist).
Nicht ganz so glücklich konnte man aber mit dem Schmetterling und der Fledermaus sein. Michael Roider ist ein guter Schauspieler, der auch den Wiener Dialekt perfekt beherrscht. Die sängerische Leistung war aber – positiv formuliert – maximal durchschnittlich und fiel ziemlich ab. Ein glatte Fehlbesetzung war Boaz Daniel in der Rolle as Dr. Falke. Ein wagnerscher Heerrufer als straußscher Drahtzieher der Intrige – das passt wie die Faust aufs Auge. Daniel hat schön gesungen, es fehlte ihm aber jedwede wienerische Note, auch bei den Sprechpassagen merkte man, dass er sich nicht wirklich wohl fühlte. Das war eigentlich schade – dieser junge und talentierte Sänger wirkte wie ein Fremdkörper in diesem Ensemble.
Bertrand de Billy war ein umsichtiger Kapellmeister, der mit viel Schwung das Staatsopernorchester leitete und auch beim Schlussapplaus seine berechtigten „Bravos“ erhielt. Naturgemäß konnte er z.B. bei der Ouvertüre nicht derartige Feinheiten der Partitur herausarbeiten wie es gerade jetzt beim Neujahrskonzert George Pretre getan hat.
Ein letztes Wort noch zur Schenk/Schneider-Siemssen – Produktion. Sie funktioniert noch immer und gehört auch m.E. nach zu den „Unantastbaren“ des Hauses. Beim Szenenwechsel im zweiten Akt mittels Drehbühne kam es wieder einmal zu spontanem Applaus für das Bühnenbild – wie oft kommt das heutzutage bei Produktionen in Wien noch vor?
Es war ein amüsanter Jahresausklang am Haus am Ring – schade, dass der große Sparmeister die zusätzlichen Einnahmen nicht in einen Stargast investiert hat.

Kurt Vlach - DER NEUE MERKER - 1. Januar 2009


Blättert man in der Originalausgabe der Neuen Freien Presse vom 8. April 1874 findet man bereits auf der Titelseite die Kritik der neuen Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauss. Ein gewisser W. schreibt dort: "Nennt man den Namen einer Strauss'schen Operette, so ist damit bereits gesagt, dass in derselben eine Fülle reizender Walzer und Polkas enthalten ist, dieselbe eigentlich nur aus einer Kette anmuthiger Tänze besteht." Und kritisch wird angemerkt: "Der zweite Act enthält einige Trivialitäten, die Couplets des russischen Prinzen zum Beispiel und das Champagnerlied, welches durchaus nichts Prickelndes und Moussierendes hat." Das Gesamturteil fällt knapp aus: "Wir wollen seine Operette nicht in den Himmel heben, sondern hübsch auf Erden bleibe, dass der Mann nicht übermüthig werde. Sein Talent ist beschränkt und seine Musik eine musichetta!"
Wie sich auch Rezensenten täuschen können! Eindrucksvoll wird dies jährlich zum Jahreswechsel in der Wiener Staatsoper bewiesen, wo das Strauss-Werk traditionellerweise eine Aufführungsserie erlebt und auch am Programmzettel des Silvesterabends steht. Die von mir besuchte Vorstellung am 4. Jänner war die 136. (!) Aufführung der bewährten Inszenierung von Otto Schenk. Und immer noch strahlt sie Frische und perlende Lebenslust aus. Die Verwandlung zum Souper im zweiten Akt brachte sogar Szenenapplaus für Kulisse und Ausstattung!
Das Ensemble des Hauses brachte den Wiener Charme und Witz ideal rüber, auch die hier erstmals auftretende junge Polin Anna Siminska (mit erfrischendem Spiel und perfekter Stimme) fügte sich nahtlos ein. Die Rache des Dr. Falke wurde von Boaz Daniel in eher intellektueller Manier eingefädelt. Dass ein üblicherweise als Posa oder Heerrufer auftretender Sänger diese Rolle statisch anlegt verwunderte nicht allzu sehr, sein prachtvoller Bariton entschädigt aber dafür umso mehr. Komödiantischer gingen es da schon Michael Roider als Eisenstein, der unverwechselbare Alfred Sramek als Gefängnisdirektor Frank und Lydia Rathkolb als Ida an. Eine solide Gesangsleistung bot Alexandra Reinprecht als Rosalinde, wobei aber gerade die Mittellage und ihre tieferen Töne mich nicht restlos überzeugen konnten. Strahlend hingegen der Tenor von Gergely Nemeti, der seinen Alfred gefährlich nahe an der Grenze zur Parodie anlegte, ich fand ihn aber herzerfrischend. Und damit wäre ich auch schon bei der absoluten Nummer 1 des Abends, beim Gastgeber Orlofsky. Dass Elisabeth Kulman durch ihre Sprachkenntnisse für diesen russischen Prinzen entsprechenden Heimvorteil besitzt, ist ja hinlänglich bekannt. Was mich aber viel mehr begeisterte, war ihre warme Mezzo-Stimme in dieser Rolle zu hören. Eigentlich hätten die "Ballett-Ratten" und Damen der Gesellschaft sich sofort in den Hausherrn verlieben müssen, ich bedauerte jedenfalls sehr, von ihr nicht eingeladen worden zu sein. Und dann gab es natürlich noch Helmuth Lohner als Frosch: Nie übertreibend, die altbekannten Pointen treffend setzend, sodass man auch nach dem x-ten Mal darüber lachen konnte, die aktuellen Anspielungen auf die Tagespolitik eher in homöopathischen Dosen gesetzt, phänomenal!
Im Graben merkte man Bertrand de Billy an, dass er schon den gleichen Atem hat wie seine Wahlheimatstadt Wien. Er wählte mit den Philharmonikern zwar generell wesentlich flottere Tempi als sein Landsmann Georges Pretre im Neujahrskonzert,  wenn die Zeit aber beinahe still zu stehen scheint, wie beim Chorwalzer "Brüderlein und Schwesterlein", und schließlich der Atem des 19. Jahrhunderts wieder in einem sphärischen "Duidu" lebendig wird, erzeugt dies bei Urwienern wie mir die sprichwörtliche Gänsehaut. Schaumgebremster Jubel des vorwiegend touristischen Publikums, das mit Halsentzündungen und Müdigkeit (müssen die beiden Pausen wirklich so lang sein?) zu kämpfen hatte.

Ernst Kopica - DEROPERNFREUND.DE - 5. Januar 2009


Dieses (das Ensemble, Anm.) wurde angeführt von Elisabeth Kulman, wie immer voll souverän als Prinz Orlofsky in Gesang und Rollengestaltung und nicht mir ihren Russischkenntnissen geizend.

Peter Jelinek - DER NEUE MERKER 02/2010

 

ARCHIV.kulman.info 2009/10

Elisabeth Kulman - www.kulman.info