Home > Archiv > 2010

Oper

Richard Wagner: Das Rheingold

Ort

Wiener Staatsoper - Opernring 2, 1010 Wien

 

Termine

Samstag, 20. März 2010 - 19.30 Uhr (Rollendebüt)

 

Ausführende

Wotan: Juha Uusitalo
Donner: Markus Eiche
Froh: Gergely Németi
Loge: Adrian Eröd
Fricka: Elisabeth Kulman
Freia: Alexandra Reinprecht
Erda: Janina Baechle
Alberich: Tomasz Konieczny
Mime: Herwig Pecoraro
Fasolt: Sorin Coliban
Fafner: Ain Anger
Woglinde: Simina Ivan
Wellgunde: Michaela Selinger
Flosshilde: Nadia Krasteva

Dirigent: Franz Welser-Möst

Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
Bühnenbild: Rolf Glittenberg
Kostüme: Marianne Glittenberg
Video: Friedrich Zorn

Elisabeth Kulman als Fricka

Elisabeth Kulman als  Fricka
Mehr Fotos ...

 

Ähnliche Archiv-Einträge

Inhalt

In der Tiefe des Rheins hüten die drei Rheintöchter das Gold. Der Zwerg Alberich, der Herr der Nibelungen, beobachtet sie und versucht sich eines der Mädchen zu greifen - vergeblich. Als das Gold in der Morgensonne erstrahlt, erfährt Alberich, dass das Gold nur jener rauben könne, der der Liebe für immer entsagt. Dieser könne aus dem Gold einen Ring schmieden, der dem Träger unermessliche Macht verleiht. Alberich schwört daraufhin der Liebe ab, raubt das Gold und schmiedet den Ring.

Die Riesen Fafner und Fasolt haben für die Götter die Burg Walhall erbaut. Wotan, der oberste Gott, hat ihnen als Preis für ihre Bautätigkeit die Göttin Freia versprochen. Als die Riesen den Preis einfordern, wird er ihnen von den übrigen Göttern verwehrt, doch Wotan weiß, dass er als Herr der Verträge seinem Wort treu bleiben muss. Alle warten auf Loge, den listigen Gott des Feuers, der einen Ausweg finden soll. Dieser kommt schließlich und erzählt von Alberichs Goldraub und Machtgewinn. Die Riesen hören aufmerksam zu und erklären sich bereit auf Freia zu verzichten, wenn sie stattdessen das Gold Alberichs innerhalb eines Tages zum Tausch erhielten. Doch zunächst schleppen sie Freia als Pfand mit sich fort. Augenblicklich beginnen die Götter zu altern, da Freia sich als einzige auf die Pflege der goldenen Äpfel verstand, die ewige Jugend verleihen. Wotan und Loge begeben sich daraufhin nach Nibelheim um Alberich den Ring abzulisten.

Dieser lässt die Nibelungen für sich arbeiten und einen unermesslichen Goldschatz zusammentragen. Mit Hilfe des Goldes möchte Alberich die höchste Macht der Welt erringen und die Götter stürzen. Sein Bruder Mime muss für ihn einen Tarnhelm schmieden, mit dessen Hilfe er sofort jede gewünschte Gestalt annehmen kann. Als Wotan und Loge von Alberich einen Beweis für die Wirksamkeit des Tarnhelms verlangen, setzt Alberich den Tarnhelm auf und verwandelt sich in eine Kröte. Sogleich wird er von Wotan und Loge gepackt, gefesselt und fortgeschleppt. Um seine Freiheit wiederzuerlangen muss Alberich Gold, Tarnhelm und Ring an Wotan ausliefern. Doch im Abgehen verflucht Alberich den Ring: er solle seinem Besitzer außer Macht Tod und Unglück bringen. Wotan gibt das Gold widerstrebend an die Riesen weiter, den Ring aber erst auf Einspruch der Göttin Erda, die vor dem Unglück warnt, das der Ring bringen wird. Freia wird ausgelöst, der Fluch aber zeigt sich bereits an dem Ring: im Streit um das Gold erschlägt Fafner seinen Bruder Fasolt.

Die Götter ziehen in die Burg ein, die Rheintöchter aber beklagen den Verlust des Rheingolds. Nur Loge sieht trotz des prächtigen Einzugs nach Walhall das Ende der Götter voraus.

 

Links

Wiener Staatsoper: www.wiener-staatsoper.at

 

Pressestimmen

Der Ring des Nibelungen: Die Göttin, die singend zürnt
Halbzeit im letzten Zyklus der laufenden Wiener-Staatsopern-Saison: mit sensationellen Rollendebüts. Da passiert lebendiges Musiktheater auf unglaublichem Niveau.
Die Qualität eines Opernhauses, so verkündete Franz Welser-Möst in seiner Eigenschaft als künftiger Generalmusikdirektor in Wien anlässlich der Antrittspressekonferenz der neuen Intendanz, erkenne man an der Qualität der drei Damen in der „Zauberflöte“, der Nornen und der Rheintöchter im „Ring des Nibelungen“. Insofern darf vom Auftakt des jüngsten „Ring“-Zyklus, der heute, Donnerstag, mit dem „Siegfried“ fortgesetzt wird, berichtet werden, dass sich Wien, weiß Gott, heute schon nicht zu genieren braucht.
Das Nixen-Terzett, das diesmal das „Rheingold“ eröffnete, war tatsächlich von erlesener Stimmschönheit: Simina Ivan, Michaela Selinger und Nadia Krasteva tönen aber nicht nur als Ensemble so weich und wohlig harmonisch wie die philharmonische Begleitung, die Welser-Möst dank wachsender Vertrautheit mit dem Orchester zu modellieren versteht. Auch en détail gerät die erste „Rheingold“-Szene brillant, denn die drei Damen agieren im Verein mit dem adäquat finster timbrierten, im Zorn wahrlich mächtigen Alberich von Tomasz Konieczny pointenreich und wendig: und zwar szenisch wie stimmlich. So regiert höchste Lebendigkeit im mythischen Spiel von Anbeginn.
Wiens exzellentes „Ring“-Ensemble
Im gewohnt exzellenten Ensemble wurden Protagonisten wie Nina Stemme als Sieglinde, die immer leuchtkräftiger und vor allem in der Tiefe noch sonorer als gewohnt klingt, umjubelt, Janina Baechle als profunde Erda, und Ain Anger als prächtig-böser Hunding, Adrian Eröds kunstvoll-theatralischer Loge nicht zu vergessen. Eine Debütantin aber von wahrhaft überregionalem Format: Elisabeth Kulman gab erstmals die Fricka und ist, ganz knapp gesagt, die beste Wiener Darstellerin dieser Partie seit Langem.
Nicht nur im „Rheingold“, sondern auch in der heiklen Eifersuchtsszene der „Walküre“, in der sie im Dialog mit dem zum Teil geradezu belkantesk agierenden Wotan Juha Uusitalos, dem auch höchste Höhen und tiefste Tiefen im Finale („nagende Galle“) klangschön geraten, die Wende der Tragödie herbeisingt.
Singt, nicht keift.
Diese Fricka outriert nicht, sie unterspielt aber auch keineswegs, sondern vermag mit extrem wortdeutlichen, klug modellierten Vokallinien die eminente Bedeutung dieser Auseinandersetzung hörbar zu machen.
Dergleichen musikdramatische Exzellenz „aus dem Ensemble“ generieren zu können, sichert der Staatsoper singulären Rang.
Was Wagner betrifft, tritt die neue Direktion also – nicht zuletzt auch dank des jetzt bereits spürbar wirkungsvollen Einsatzes des künftigen Generalmusikdirektors – ein gutes Erbe an. Welser-Mösts Gestaltungsvermögen gewinnt mit den Aufführungen dieses „Rings“ zur anfänglich bereits bewundernswerten Sicherheit nun auch jene Freiheit und Flexibilität, die solch ungeprobte Repertoire-Aufführungen zu Opernfesten machen können.
Was in der „Walküre“ an Intensität und Klangschönheit geboten wurde, sicherte auch der keineswegs alleredelst timbrierten neuen Brünnhilde – Susan Bullock sprang für Eva Johansson ein – jenen energetischen musikalischen Vorwärtsdrall, der viele klangliche Halbheiten kaschierend in einem insgesamt hinreißenden instrumentalen Energiestrom aufgehen lässt. Die Spannung in beiden Aufführungen ließ keinen Moment lang nach. Ein paar Konzentrationstrübungen (Fagotte im „Rheingold“, Bratschen im „Walküren“-Finale) machten die Sache eher spannender, als dass sie die Stimmung trübten. Da passiert lebendiges Musiktheater auf unglaublichem Niveau.

Wilhelm Sinkovicz - DIE PRESSE - 24. März 2010


Moving on from the light hearted fair of yesterday we come to the meat of my trip. The Wagner. I caught the "Gotterdammerung" of Vienna's new ring cycle when it premiered last year and now I'm back for the first two parts. With some terrific casting and the usual brilliance in the pit it was an aurally majestic performance. The staging however is depressingly nondescript.
Not much above a semi-staged performance the designs whilst serviceable bring little to the table. I can't say I was much enamoured of the barely integrated video elements, Alberich's transformation a lacklustre affair, and the overall vision seems limited. Nothing makes much of a statement, The Rheinmaidens pranced around with what appeared to be bin liners and Nibelheim looked a bit like a warehouse but the mountaintop consisted of very little indeed and Valhalla was merely a background glow. Some of the little touches were excellent, Loge's use of the golden heads at the conclusion a clever omen of things to come, but for every choice moment plenty of opportunities for invention were thrown away. The silly attempts at comedy were entirely misplaced, Froh trapping his finger in the gold a particularly objectionable addition. What they were supposed to add I don't know. As a whole though the production does very little badly wrong. The gold looks a bit like gold (in a Superman sort of way) and the Giants look vaguely like Giants.
Whatever production qualms I have the casting couldn't really be faulted. Leading the goodies was the statuesque Juha Uusitalo, a Wotan of serious stature and integrity if not a great deal of chest resonance. Whilst I didn't find his the most exciting of voices there's something very loveable about a singer who not once seemed in any doubt of making the notes and lasting the course. In Adrian Erod we had an unusual demi-god. Loge is not a role normally included in Erod's baritonal fach but despite the odd casting he made the role work on his own terms. The fluttering hands and creepy sexuality were perhaps a touch overdone but he has stage presence in spades and the audience simply loved him. Tomasz Konieczny has many merits but most remarkable was his sheer volume, one of the loudest voices I've heard. Lovely sounding as well, my greatest issue was that his Alberich simply wasn't nasty enough. He dry humped the gold with glee and said some pretty nasty things but visually he was not unattractive (more dirt and prosthetics required) and his voice had a pleasant ring to it. Gorgeous to the ear but not very evil. Sorin Coliban and Ain Anger made a weighty pair of giants, Markus Eiche and Gergely Nemeti a camp but well sung pair of minor gods. Herwig Pecoraro let the side down slightly with an uneven Mime.
Considering it was her debut in the role Elisabeth Kulman looks like she has a great future in the role of Fricka. Matronly and intelligent as an actress, she sung with a maturity and control that many experience singers sorely lack. Vienna seems to have a total stranglehold on her currently but if Covent Garden want to pinch her I'd be most appreciative. Janina Baechle sang a meaty Erda and the three Rhinemaidens made for a strong ensemble, Nadia Krasteva standing out amongst strong company. Franz Welser-Most coaxed a towering performance from this amazing orchestra although slightly over-egged some of the big brassy sections (I love a huge crecendo but Welser-Most took things too far at times). The occasional bursts of speed also rather shortchanged a couple of sections, the giants motif in particular lost impact because the tempo was simply too fast. No marks for the number of harps or the badly integrated microphone anvils but luckily these only play minor roles.
This cycle has clearly been produced with conservative aims. The story is told and the characters all move around the stage well enough but there are few ideas beyond getting us from A to B. Thankfully musically I can't imagine I'll be hearing many better Rheingolds for a long time. A stunning set of soloists and unbeatable orchestra made this a night to remember.

Rob Walport - TTTCRITIC.BLOGSPOT.COM - 21. März 2010


Am Sprung: Klassische Sänger aus Österreich
Alle reden von österreichischen Oscars. Dabei bemerken die wenigsten, dass derzeit eine ganze Generation klassischer Sänger von internationalem Format aus Österreich kommt.
Zu den bemerkenswertesten Details des diesjährigen Salzburger Festspielprogramms zählt die Besetzungsliste der „Orpheus“-Premiere. Riccardo Muti hat für seine Einstudierung der Gluck-Oper zwei junge Protagonistinnen gewählt, die den Musikfreunden hierzulande bestens vertraut sind, weil man sie sozusagen von Kindesbeinen an kennen und schätzen gelernt hat: Den Orpheus wird Elisabeth Kulman singen, die Eurydike Genia Kühmeier.
Das Außergewöhnliche an dieser Besetzung ist die Tatsache, dass damit zwei junge österreichische Künstlerinnen Seite an Seite zu Festspielehren kommen. Genia Kühmeier genießt dabei sozusagen Heimvorteil. Sie stammt aus Salzburg und war bei den Festspielen schon mehrfach vertreten. Als blutjunger Geheimtipp unter den heimischen Sopranistinnen gewann sie 2002 den Mozart-Wettbewerb in ihrer Heimatstadt und stand im Dezember desselben Jahres bereits in Mailand auf der Opernbühne: Riccardo Muti verpflichtete die Sängerin für eine Aufführungsserie von Glucks „Iphigenie in Aulis“. Sie fand im „Ausgedinge“ statt, weil das Mailänder Opernhaus damals renoviert wurde. Doch auch anlässlich der Wiedereröfffnung des Teatro alla Scala stand Kühmeier auf der Bühne – in Antonio Salieris „Europa riconosciuta“. Riccardo Muti blieb in der Folge der wichtigste Mentor der Frau mit der samtweichen Stimme. Er holte sie als Pamina auch in seine Salzburger Festspiel- „Zauberflöte“ und nun eben als Partnerin von Elisabeth Kulman für den diesjährigen Sommer.
Ausgefeilt. Kulman, gebürtige Burgenländerin, ist als Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper in den vergangenen Jahren zum Publikumsliebling Nummer eins aufgestiegen. Die Frau mit der auch in Alttiefen so wohltönenden Mezzostimme hat kurioserweise als Sopran begonnen. Sie hat sogar im Fach der Genia Kühmeier Furore gemacht: Die Pamina war in der Volksoper eine ihrer besten Partien. Doch irgendetwas, das fühlte Kulman, war nicht in Ordnung: „Es hat zu viel Mühe gekostet“, befand sie einst über ihre Eroberungen des Sopranregisters. Und zum Leidwesen aller, die in ihr eine der besten österreichischen Sopranistinnen heranwachsen hörten, sattelte sie um: „Ich war immer ein Mezzo“, meint sie heute, und wurde in der tieferen Lage vom österreichischen Supertalent zur international gesuchten Interpretin. Spätestens seit sie in ihrem Staatsopern-Engagement von kleineren Rollen zur Marina in Mussorgskys „Boris Godunow“ wurde, war auch den kritischsten Beobachtern klar: Da wächst eine ungemein kultivierte, auch intellektuell ungewöhnlich anspruchsvolle Sängerin heran, die ihre Rollengestaltungen nicht nur stimmlich akribisch ausfeilt. Jüngst bejubelte das Publikum Kulmans Debüt als Fricka in Wagners „Ring des Nibelungen“ unter Franz Welser-Mösts Leitung.
Da machte in der zentralen Auseinandersetzung der Göttin mit Allvater Wotan eine Sängerin die eminente Fallhöhe der mythologischen Tragödie spürbar: Dieser Konflikt, das hörte man in wachsender Berührtheit von Phrase zu Phrase, gerät zum unentrinnbaren Wendepunkt des Dramas. Dergleichen musikdramatische Spitzenleistungen erwartet man in der Regel von hoch bezahlten Gastsolisten. Dass sie an der Wiener Staatsoper sozusagen zum „Regelfall“ werden können, weil Sängerinnen dieses Kalibers fix ans Haus gebunden sind, gehört zu den Aktivposten der zu Ende gehenden Ära von Direktor Ioan Holender. Dass es österreichische Sänger sind, die so reüssieren können, stimmt besonders froh.

Verblüffende Kür. Im „Ring“ entdeckte man zuletzt auch die überdurchschnitliche Gestalterbegabung des Baritons Adrian Eröd. Seine schön geführte, lyrisch-ausdrucksvolle Stimme gilt unter Wiener Musikfreunden seit Jahren als Besonderheit. Doch mit dem Husarenstück, die Tenorpartie des Loge im „Rheingold“ einzustudieren, gelang Eröd die verblüffende Kür. Seine Stimme, in der Höhe erstaunlich wendig, hat mit der für einen Tenor zwar niedrigen, für einen Bariton aber doch extremen Tessitura, die Wagner seinem Feuergott zudenkt, keine Mühe – und die gelenkige Darstellungsweise, die der stimmlichen Agilität durchaus entspricht, reicht in der Inszenierung Sven-Eric Becholds hie und da sogar ans Kabarettreife. Aber dergleichen ungewöhnliche szenische Herausforderungen ist der Sänger gewohnt: Katharina Wagner hat ihn auch als Beckmesser in ihrer heftig diskutierten Bayreuther „Meistersinger“-Inszenierung schauspielerisch kräftig gefordert. Der junge Wiener ist längst international geworden. Er heißt in seiner Heimatstadt übrigens nach wie vor der „junge Eröd“, stammt er doch aus der Familie des Komponisten Ivan Eröd – und bildet mit seiner Frau, der Sopranistin Monica Theis-Eröd, überdies ein exquisites Sängerpaar.
Familienbetrieb. Familiäre Zusammenhänge sind in der Wiener Sängerszene keine Seltenheit. Sowohl Baritonliebling Heinz Holecek als auch der legendäre Bass Otto Edelmann haben mit ihren Söhnen für eine bemerkenswerte Aufforstung der tieferen Stimmregis-ter gesorgt: Sebastian Holecek, an der Volksoper ein prachtvoller Kaspar im „Freischütz“, wird demnächst in England erstmals den Wotan singen. Die beiden Edelmann-Söhne Paul-Armin und Peter reüssieren international im Baritonfach. Als Sproß einer Sängerfamilie hat auch Florian Boesch auf sich aufmerksam gemacht: Der Sohn des Lieblings-Papagenos einer ganzen Generation ist einer der feinfühligsten Liedgestalter. Boesch, von Nikolaus Harnoncourt auch immer wieder zu Oratorien aufs Musikvereinspodium geholt, ist im Opernfach auch schon zu Salzburger Festspielehren gekommen: Im Vorjahr war er der Guglielmo in „Così fan tutte“.
Wie der exzellente Tiroler Bariton Daniel Schmutzhard, der des Volksopernpublikums liebster Papageno geworden ist, fühlt sich auch der burgenländische Tenor Daniel Johannsen nicht nur auf der Opernbühne, sondern auch im Konzertsaal und in der Kirche wohl. Johanssen hat zuletzt in der von Bertrand de Billy geleiteten Aufführung von Haydns „Jahreszeiten“ brilliert: Klare Diktion, perfekt geführte Stimme und ein offenbar instinktiver Sinn für die Harmonisierung von sprachlichem und vokalem Ausdruck machen ihn so hörenswert wie auf seiner hinreißend sympathisch gestalteten Website die ganz persönlich verfassten biografischen Anmerkungen lesenswert sind.
Welser-Möst schwärmt. Via Internet findet man auch mühelos Informationen über einen weiteren vielversprechenden Tenor, den Brigitte Fassbaender in ihrem Tiroler Landestheater unter die Fittiche genommen hat: Wer dieser Tage Franz Welser-Möst trifft, hört ihn sicher schwärmen von „einer der schönsten Tenorstimmen, die ich je gehört habe“. Sie gehört dem Tiroler Martin Mitterrutzner, der in Innsbruck fix engagiert ist, in Wien aber bereits die Eberhard-Waechter-Medaille erhalten hat. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis man die eminente Leuchtkraft dieser Stimme überregional zu schätzen beginnt.
Welser-Möst spielt übrigens auch keine geringe Rolle bei der Entdeckung der koloraturgewandten Sopranistin Daniela Fally, die er von einem Festival im Salzkammergut sozusagen direkt auf die Wiener Staatsopernbühne verpflichtete, wo sie seit der laufenden Saison zum Ensenble gehört.
Wie die quirlige Daniela Fally, die ihr theatralisches Temperament bereits in jugendlichem Alter auf niederösterreichischen Kleinbühnen ausprobiert hat, ist auch Michaela Selinger eine geborene Singschauspielerin. Ebenfalls Ensemblemitglied der Staatsoper, hat die Absolventin des Linzer Musikgymnasiums von Direktor Holender bald nach ihrem Engagement 2005 bereits große Aufgaben zugewiesen bekommen – und sang unter Christian Thielemann die Magdalena in den mittlerweile auf DVD veröffentlichten „Meistersingern“. Sie feilt aber auch an kleineren Partien akribisch: Ihre Wellgunde im „Rheingold“ etwa ist eine kleine Charakterstudie.
Aus solchem Holz ist ein exzellentes Ensemble geschnitzt. Doch gibt es auch Karrieren, die ganz anders funktionieren. Etwa jene von Georg Nigl, der als sensibler Lied- und Kantateninterpret ebenso Furore macht wie anlässlich von Opernproduktionen bei Festspielen oder an Stagione-Häusern. Den ehemaligen Solisten der Wiener Sängerknaben, der längst internationale Reputation erlangt hat und in aller Welt gastiert, kann man demnächst in der Titelpartie von Alban Begs „Wozzeck“ bei den Wiener Festwochen bewundern.

Wilhelm Sinkovicz - DIE PRESSE (Schaufenster) - 2. April 2010

 

ARCHIV.kulman.info 2010

Elisabeth Kulman - www.kulman.info