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Oper

Richard Strauss: Salome

Ort

Wiener Staatsoper - Opernring 2, 1010 Wien

 

Termine

Montag, 24. Mai 2010 - 20.00 Uhr

Samstag, 16. Oktober 2010 - 20.00 Uhr
Donnerstag, 21. Oktober 2010 - 20.00 Uhr

 

Ausführende

Herodes: Thomas Moser (Mai), Wolfgang Schmidt
Herodias: Elisabeth Kulman
Salome: Nancy Gustafson (Mai), Catherine Naglestad
Jochanaan: Juha Uusitalo (Mai), Alan Held
Narraboth: Marian Talaba
Page: Zoryana Kushpler
1. Jude: Herwig Pecoraro
2. Jude: Peter Jelosits
3. Jude: Michael Roider (Mai), Karl-Michael Ebner
4. Jude: Wolfram Igor Derntl
5. Jude: Sorin Coliban (Mai), Dan Paul Dumitrescu
1. Nazarener: Janusz Monarcha (Mai), Sorin Coliban
2. Nazarener: Clemens Unterreiner (Mai), Ejiro Kai
1. Soldat: Marcus Pelz (Mai), Wolfgang Bankl
2. Soldat: Dan Paul Dumitrescu (Mai), Lars Woldt
Cappadocier: Hiro Ijichi (Mai), Johannes Gisser
Sklave: Roland Winkler

Dirigent: Leif Segerstam (Mai), Peter Schneider

Inszenierung: Boleslaw Barlog
Bühnenbild und Kostüme: Jürgen Rose

 

Elisabeth Kulman als Herodias

Elisabeth Kulman als Herodias

 

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Inhalt

"Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen, fesseln und in den Kerker werfen lassen wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, die er zur Frau genommen hatte. Denn Johannes hatte dem Herodes vorgehalten: ‚Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben .Das trug ihm Herodias nach. Sie wollte ihn aus dem Weg schaffen, aber sie konnte es nicht: denn Herodes hatte Scheu vor Johannes. Er kannte ihn als einen gerechten und heiligen Mann und nahm ihn in Schutz. Wenn er ihn hörte, wurde er sehr verlegen, aber dennoch hörte er ihn gern. Da kam ein gelegener Tag. Herodes gab an seinem Geburtstag seinen Fürsten, den Hauptleuten und den Vornehmen Galiläas ein Festmahl..." (Markus, Kapitel VI, Vers 17-21)

Narraboth, ein syrischer Hauptmann, schwärmt von der Schönheit Salomes. Die Tochter der Herodias verläßt das Fest und tritt aus dem Palast. Sie hört die Stimme des in einer Zisterne gefangen gehaltenen Täufers Jochanaan. Dessen Worte erwecken ihre Neugier. Sie will den Propheten sehen. Narraboth, dessen Verliebtheit sie ausnützt, erfüllt ihren Wunsch und läßt Jochanaan heraus, obwohl dies von Herodes verboten worden war.

Jochanaan nimmt keine Notiz von der Prinzessin Salome und predigt wider Herodias und den Tetrarchen. Die abweisende Haltung des Propheten entzündet die Begierde Salomes, den Mund Jochanaans zu küssen.

"Ich bin verliebt in deinen Leib, Jochanaan! Dein Leib ist weiß wie die Lilien auf einem Felde, von der Sichel nie berührt... In dein Haar bin ich verliebt. . . laß es mich berühren ...Deinen Mund begehr ich, Jochanaan . . . laß mich ihn küssen, deinen Mund."

Ihr Tun treibt Narraboth in den Selbstmord. Voller Verachtung kehrt Jochanaan in die Zisterne zurück.
Herodes und Herodias kommen aus dem Palast. Böse Ahnungen peinigen den Tetrarchen. Herodias fordert den Kopf des Jochanaan, dessen mahnende Stimme wieder aus der Zisterne ertönt. Aber Herodes lehnt ab; er fürchtet den Propheten. Der Streit der Juden über die Auslegung von Schriftstellen mehrt seine Unsicherheit. Auch die Botschaft zweier Nazarener, die von der Ankunft des Messias berichten, ängstigt ihn.
Salome soll für Herodes tanzen. Sie läßt sich erst dazu bewegen, nachdem der Tetrarch geschworen hat, ihr als Belohnung einen Wunsch zu erfüllen.
Nach dem Schleiertanz nennt Salome ihren Wunsch: den Kopf des Jochanaan. Herodes ist fassungslos. Er wehrt ab. Aber alle dargebotenen Reichtümer vermögen die Tochter der Herodias nicht umzustimmen. Der Tetrarch muß seinen Eid halten. Herodias nimmt ihm den Ring, das Siegel des Todesurteils, vom Finger und reicht ihn dem Henker. Der Kopf des Jochanaan wird Salome auf einer Silberschüssel gereicht.

"Du wolltest mich nicht deinen Mund küssen lassen, Jochanaan. Wohl, ich werde ihn jetzt küssen.
Ich dürste nach deiner Schönheit. Ich hungre nach deinem Leib."

Salome küßt den Mund des Propheten.,, Denn das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes." -Von Grauen erfaßt, befiehlt Herodes, Salome zu töten.

 

Links

Wiener Staatsoper: www.wiener-staatsoper.at

 

Pressestimmen

Die geniale Musik von Richard Strauss lässt jede Kritik an dem perversen Sujet verstummen. Von unseren seitlichen Merkersitzen im 4.Rang hat man eine so wunderbare Einsicht in den Orchestergraben, und ebenso voll und transparent dringt der Klang zu uns herauf. Da ist man bei einer orchestral so groß dimensionierten Oper fast völlig ausgelastet mit Bewunderung der Komposition und ihrer Wiedergabe. Wenn dann am Pult des philharmonischen Wiener Staatsopernorchesters auch noch ein so hochgradiger Strauss-Experte wie Peter Schneider steht, ist für Vollbeschäftigung aller Sinne gesorgt. Denn die werden von Strauss dezidiert angesprochen.
An die amoralische Geschichte von Oscar Wilde, wie sie Richard Strauss offenbar mit wilder Lust unter Ausnützung aller einem klassischen Orchester zur Verfügung stehenden Mittel so provokant und sinnenfroh vertont hat, ist nicht mit dem Intellekt heranzukommen. Nur wenn man die Story so nimmt, wie sie ist, ohne viel darüber zu grübeln, wird sie auch verständlich. Richard Wagner hätte wohl von „Gefühlsverständnis“ gesprochen.
Dennoch dürfen Dirigent und Musiker trotz der verführerisch-süßen Instrumentalkantilenen, die zu echten Ohrwürmern werden, in denen man sich so schön verlieren kann, die Kontrolle über die zu produzierenden Klänge nicht verlieren, zumal „Salome“ ja auch eine optimale Gesamtstruktur besitzt. Wie sich von der ersten lässig in den Raum gleitenden Klarinettenfigur bis zu den harten Finalakkorden die Tragödie von Lust und Laster am Hof des Tetrarchen Herodes in pausenlosen 105 Minuten konsequent zuspitzt, das ist einfach dramaturgisch meisterhaft gemacht. Und wurde an diesem Abend ebenso meisterhaft realisiert. Gerade weil „Salome“ nicht als leises Stück gelten kann, wirken die leisen Stellen umso stärker. Das haben Prof. Schneider und seine Musiker auch optimal hingekriegt: Sei es bei der so unendlich beruhigenden Prophezeiung vom „See von Galiläa“ mit ihrem scheinbar nicht enden wollenden Wohlklang, bei Jochanaans tonlos-schaudererregendem „Niemals. Tochter Babylons“, bei der mit balsamischen Tönen des Nazareners geäußerten Botschaft: „Er ist gekommen…“, bei Salomes insistierendem „Ich will den Kopf des Jochanaan“ oder in Momenten des Entsetzens wie „Man soll ihr geben, was sie verlangt“ – da schafft es der Dirigent mit dem Riesenapparat jedes Mal, dass man zu atmen vergisst. Umso effektvoller dann die Stellen, wo Strauss es „knallen“ lässt. Doch auch bei Jochanaans Abstieg in die Zisterne nach der Verfluchung Salomes, von der Peter Schneider einmal gesagt hat: “Da darf schon die Welt untergehen!“, herrschte nicht brutale Kraftentfaltung, sondern das – musikalisch mit seinen düsteren Blechbläserklängen sehr transparente - kalte Grauen. Und dazwischen ein Tanz der sieben Schleier, bei dem jeder Abschnitt zu einer neuerlichen musikalischen Provokation geriet, wie ein wiederholtes Neu-Einatmen, um sich dann desto ungezügelter dem Sinnentaumel hinzugeben. Die klagend-herausfordernden Oboen, die lasziven Klarinetten, die frechen Flöten, die Hörner mit ihren brutalen Trillern, und Tuba und Posaunen mit ihren feierlich-mahnenden Klängen wie ein jüngstes Gericht, faszinierten mit ihrer dramatischen Aussage, und jedes Mal, wenn dann der Streichercorps, egal, welche Instrumente gerade dran waren, in einer der Straussischen Glissando-Passagen das Ruder übernahm, mischte sich das Staunen über die Raffinesse der Komposition mit der puren Freude an der kongenialen Wiedergabe, sodass ich mich mehrmals dabei ertappte, dass ich auf die Bühne zu schauen beinah vergessen hatte.
Dort dominierten das Tetrarchenpaar und der Prophet allein schon von der Stimmqualität her. Kräftige Stimmen haben in dieser Oper noch nie geschadet. Sowohl die fabelhafte Elisabeth Kulman mit ihrem prächtigen Mezzo samt Bombenhöhe und sattem Altregister, prägnanter Diktion und energiegeladener Darstellung der Herodias als auch ihr Bühnengatte Wolfgang Schmidt, der aus seinem früheren Fach die heldentenorale Kraft mitgebracht hat und diese nun in Verbindung mit seiner Wortdeutlichkeit und viel Bewegungseinsatz im Dienste der perversen Rolle des groß mit seiner Autorität auftrumpfenden und dennoch ängstlichen Herodes bühnenwirksam präsentiert, sind absolut erste Wahl. Aus der Tiefe der Zisterne tönte mächtig der dunkle Bassbariton von Alan Held, der dann auf ebener Erde mit jener furchterregenden prophetischen Selbstsicherheit fesselte, die keinen Widerspruch gelten lässt, umso weniger, als die Stimme auch schön ist. Die Autorität des Propheten und seine schwer erkämpfte Beherrschung angesichts von Salomes Avancen wurde sehr glaubhaft vorgeführt.
Ja, und sie, um die sich alles drehte? Catherine Naglestads Wiener Rollendebut als Salome machte Vorzüge und Schwächen der Sängerin wieder deutlich. Sie spielt sehr intensiv, hält dramatische Rollen wie Tosca oder Salome klaglos durch und steigert sich mit Erfolg in aufregende Finali hinein. Schade, dass ihr Sopran keine besondere klangliche Qualität hat und unter Druck zu einem Überforderungs-Vibrato neigt. Die sinnliche Ausstrahlung, die man von der Prinzessin von Judäa erwartet, fehlte auch. Dass ihr Schleiertanz nicht richtig zu Geltung kam, ist auch der mangelhaften Beleuchtung dieser Szene zuzuschreiben. Verführerischer klang die Stimme des Pagen in Gestalt der Mezzosopranistin Zoriana Kushpler. Dem Narraboth von Marian Talaba scheint das tägliche Schmachten um die Gunst Salomes nicht gut getan zu haben – seiner Stimme fehlte der Kern und sie klang in der Höhe kehlig.
Das Gezänk der 5 Juden war dank 5 exzellenter Sänger – Herwig Pecoraro, Peter Jelosits, Karl-Michael Ebner, Wolfram Igor Derntl und Dan Paul Dumitrescu - fast zur Gänze verbal zu verstehen - eine Seltenheit! Sorin Coliban und Eijiro Kai verdingten sich stimmstark als Nazarener, Wolfgang Bankl und Lars Woldt als Soldaten, Johannes Gisser als Kapadozier und Hermann Winkler als Sklave.
Boleslaw Barlogs zeitlos gültige Jugendstil-Inszenierung mit den prachtvollen Kostümen stellt einen Rahmen, der dem Auge annähernd das bietet, was Richard Strauss mit seiner Musik sagen will. Dass letztere immer der beherrschende Faktor bleiben wird, ist unvermeidlich.

Sieglinde Pfabigan - DER NEUE MERKER - 18. Oktober 2010


"Salome": Opern-Experiment für zwischendurch
Catherine Naglestadt erobert sich, von den Philharmonikern unterstützt, Richard Strauss von ungewohnter Seite.
Philharmonischer Wochenendstress: Opernpremiere am Sonntag, ein Einspringer im Abonnementkonzert. Und zwischendrin ausgerechnet „Salome“, eine der schwierigsten Opern der frühen musikalischen Moderne. Natürlich läuft sie in Wien ordentlich ab, weil Peter Schneider das Orchester durch die heikle Partitur geleitet, wie ein Vater sein Kind über die gefährlichsten Stellen auf einer Bergwanderung. Während einer solchen Tour nicht nur auf die Klippen, sondern auch auf die schöne Landschaft achten zu wollen, wäre im Alltag wohl Vermessenheit.
Aus dem Ensemble: die „fünf Juden“, die ihr heikles Quintett routiniert so verschachteln, dass die musikalische Ordnung unmittelbar danach wieder hergestellt ist. Das ist es, was Strauss komponiert hat. Luxuriös: Wolfgang Bankl als Erster Soldat, weniger wohltönend die Nazarener-Gesänge. Und Marian Talaba als Narraboth steht so verloren in Jürgen Roses immer noch stimmungsvoller Art-Deco-Dekoration von 1972 herum, wie das Aviso „193. Aufführung in dieser Inszenierung“ vermuten lässt. Regie wird längst nur noch „eingeschleppt“. Von Ensemble-Mitgliedern wie Elisabeth Kulman, die eine ungewöhnlich schön singende Herodias ist und eine selbst gestrickte veritable Komödie inmitten des grausamen Spiels aufführt.
Und von Gästen. Nicht von Alan Held, der lediglich tut, was Jochanaan tun muss: Aus der Zisterne predigt er hörbar, sobald er ans Tageslicht kommt, findet er beinah machtvolle Töne. Von Catherine Naglestad aber. Als Salome neu für Wien, hat sie offenkundig in jüngster Zeit die Rolle irgendwo mit Bedacht einstudiert, setzt also dem etwas steifen Herodes von Wolfgang Schmidt eine höchst lebendige Choreografie entgegen. Dass sie den Tanz züchtig bedeckt beendet, hat Charme in Zeiten, in denen die Direktion mit nackten Tänzerinnen zu kämpfen hat. Dass sie jugendfrisch-lyrische Töne auch in Fortissimo-Partien mehrheitlich strahlend schön absolviert, freut das Publikum. Der Zeitgeist korrigiert den Komponisten, der da meinte, seine Titelheldin erfordere eine Primadonna „großen Stils, die auch an Isolde und derartiges gewöhnt“ sei. Naglestadt ist an Norma und Donna Elvira gewöhnt; doch sie schafft es – auch dank der eminenten Routine des Wiener Orchesters – fast durchwegs gut hörbar zu bleiben.

Wilhelm Sinkovicz - DIE PRESSE - 17. Oktober 2010


Ihre Mutter war wieder Elisabeth Kulman. Sie bringt eine angenehm jugendliche, großartig singende Herodias auf die Bühne. Die gutaussehende Künstlerin macht natürlich den Konkurrenzkampf der beiden Frauen sehr verständlich. Und sie ist eigentlich das Ungeheuer. (Hoffentlich kommt die nun freischaffende Künstlerin auch oft wieder an ihr "Exhaus" zurück.)

Elena Habermann - DER NEUE MERKER 11/2010


Man versteht es ja. Wenn man Sängerin wäre, welche Rolle  würde man wohl lieber spielen als die Salome? Eine einzige Herausforderung, stimmlich wie darstellerisch, eine Figur, die man sich persönlich zurecht legen kann, um ihren Wahnsinn und ihre Besessenheit glaubhaft zu machen. Verdammt schwer und ebenso verdammt wirkungsvoll zu singen. Kein Wunder, dass jede Sängerin Salome sein will – auch die, die es absolut nicht sollten. Wir hatten in Wien zuletzt eine ganze Menge Salome-Interpreten, und ziemlich viele davon waren eher schwach. Wie schade, dass man Nancy Gustafson, die nun an der Wiener Staatsoper erstmals diese Rolle sang, ganz am unteren Rand der Skala ansiedeln muss ...
Man hat Nancy Gustafson, die schon 2002 Österreichische Kammersängerin wurde, früher oft an der Staatsoper gesehen. Nun schon seit längerer Zeit nicht, und auch nächste Spielzeit wird sie (das Vorschauheft hat ein praktisches Register) nicht hier zu hören sein. Wie schade, dass sie sich für das kurze Comeback nun eine Rolle ausgesucht hat, für die sie von der ersten Minute ihres Auftretens an ungeeignet erscheint. Sie kommt – und ist nicht zu hören. Und das bleibt auch auf weite Strecken so. Sie kann sich zwar die Höhen der Partie (und die sind, wie man weiß, zahlreich) in unterschiedlicher Qualität abringen, aber ihre Mittellage, auf der schließlich sehr viel basiert, ist ohne Kern, ohne Substanz, ohne Kraft. Weite Strecken unhörbar, wie gesagt.
Dass sie für die Salome zu alt ist (jedenfalls viel älter als ihre Mama auf der Bühne), sollte man nicht vermerken, das ist politisch unkorrekt und nicht anständig, wenn auch nicht zu übersehen – doch, okey, das mit der Kindfrau findet sich selten genug. Aber mit ihrem freundlichen Gesicht, mit dem sie in der ersten Hälfte der Rolle immer ziellos nett lächelt, in der zweiten Hälfte um dramatischen Blick bemüht ist, fehlt ihr jede Glaubwürdigkeit, die sie auch keine Sekunde lang erspielt. Und der Tanz ... über dieses Gehopse sollte man wirklich schweigen. Da würde wohl nicht einmal der netteste alte, bescheiden gewordene Opa wild. Da passiert weit mehr, wenn Herodias sich wütend den Schleier schnappt, den Salome dem Herodes zugeworfen hat, weil ihr der Geilspecht-Gatte und die aufmüpfige Tochter gewaltig auf die Nerven gehen.
Überhaupt die Herodias! In der Gestalt von Elisabeth Kulman ist sie die einzige Temperamentsbombe des Abends. Verdammt schlecht gelaunt von Anfang an, weil ihr Mann nach ihrer Tochter hechelt ... das kann man nachvollziehen. Aber gut Kirschen zu essen ist mit der Dame wirklich nicht, Hohn und Fiesheit triefen durchaus, wie es die Rolle will, sie ist wütend und verunsichert über Jochanaan, um dessen Gefängnisloch sie weit grimmiger und sinnlicher herumschleicht als die Tochter, und der Triumph, dass diese den Kopf des Mannes verlangt, ist eigentlich der ihre, wenn man bei dieser Gelegenheit zu ihr schaut ... Eine tolle Leistung, und von Elisabeth Kulman mit Höhen über das Orchester gepfeffert, die zeigten, dass nicht alle sich von Leif Segerstam unterkriegen ließen.

Das zweite große Debut an diesem Abend bot „Wotan“ Juha Uusitalo als Jochanaan, mit dramatischem Blick unter der schwarzen Perücke. Man hat die Rolle schon schöner orgeln gehört, aber der Prophet ist ja kein Freundlicher, also kann er auch so relativ hart und metallig agieren wie der Finne. Thomas Moser war wieder die Soft-Version des Herodes, den man schon als herrlich neurotischen Hysteriker gesehen hat, der bei ihm aber noch relativ gemäßigt bleibt. Wenn ein Herodes unschön klingt (was ein paar Mal passierte), kann man es auf die Rechnung Rollenprofil schreiben. Der verliebte Narraboth hingegen könnte tenoraler schmelzen als Marian Talaba, hinter dem Zoryana Kushpler als Page verzweifelt herläuft.
Zu Beginn ist vor allem Marcus Pelz als Auskunft gebender Soldat verlässlich vorhanden (sein Kollege Dan Paul Dumitrescu bekam von Richard Strauss weniger Möglichkeiten). An der Spitze des Juden-Gezänks debutierte Herwig Pecoraro (er wird auch noch lernen, das „Seit dem Propheten Elias hat niemand Gott gesehen!“ so zu kreischen, dass es den Zuhörer aus dem Sessel hebt), als fünfter Jude war Sorin Coliban neu, die anderen können ihre Rollen wirklich (Peter Jelosits, Michael Roider, Benedikt Kobel), ebenso wie Janusz Monarcha und Clemens Unterreiner als Nazarener versuchen, etwas baritonale Ruhe und Würde zu verbreiten, wozu sie allerdings wenig Gelegenheit bekommen.
Am Pult wieder der „Dramatiker“ unter den Dirigenten, bei dem man sich nie langweilt. Der zweite Finne des Abends, Leif Segerstam, optisch die scheinbar niedliche Mischung aus Rübezahl und Wurzelzwerg, ist wahrlich der Herr der unendlichen Heerscharen, die Richard Strauss da in das Orchester pflanzt (sieht man bei Rossini hinunter, kommt einem der Graben vergleichsweise ganz leer vor!), und er nimmt keinerlei Rücksichten: Wo Strauss die Musiker „brüllen“ lassen will, brüllen sie auch, ob die Sänger mitkommen oder nicht. Wie auch oft bei seinen Wagner-Dirigaten, spürt man den Segerstam’schen Drive ...
Nun noch die Hoffnung, dass der nächste Direktor (der für 2010/11 sechsmal „Salome“ ansetzt, zweimal mit der Nylund, viermal mit der Naglestad) auch künftig diese Barlog-Inszenierung unangetastet lässt (auch wenn die links Sitzenden ungerechterweise nichts von Herodias mitkriegen, weshalb man sich am Stehplatz immer rechts stellen sollte) – und sei es nur wegen der wunderbar dekadenten, in den Kostümen herrlich geschmackvollen Jugendstil-Ausstattung von Jürgen Rose. Und solle diese jemals entsorgt werden müssen, dann bitte in Form einer Versteigerung, damit man sich wenigsten einen Schleier der Salome als Transparent-Abendkleid sichern kann – und sei es für die Enkelin ...

Renate Wagner - DER NEUE MERKER - 25. Mai 2010


Funkelnde Musik von Strauss mit zaghafter Salome
Er brauche für die Rolle der Salome eine Sängerin ganz großen Stils, die an Isolde und derartiges gewöhnt sei. 1905 formulierte Richard Strauss dieses Anliegen an den Dirigenten Ernst von Schuch die Uraufführung seines neuen Musikdramas nach Oscar Wilde betreffend. An der Wiener Staatsoper gab Nancy Gustafson am Pfingstmontag ihr Rollendebüt als Prinzessin von Judäa.
Es war ein zweifelhaftes – wenn auch vom Publikum beklatschtes – Unterfangen. Zu zaghaft und vorsichtig wirkt die Sopranistin als wollüstig den Jochanaan begehrende Salome. Zu oft konnte Gustafsons kultivierter Sopran den Orchestergraben nicht überqueren.
Stimmlich und szenisch unbeirrbar agiert Juha Uusitalo als Jochanaan. Auch er gab sein Rollendebüt. Mit akkurater Diktion und großer Präsenz gestalten Thomas Moser (Herodes) und Elisabeth Kulman (Herodias) ihre Partien.
Der tatsächliche Hauptakteur des Abends war allerdings nicht auf der Bühne zu finden: Voluminös tönte das Orchester der Wiener Staatsoper. Die fesselnd komponierte und meisterhaft instrumentierte Musik funkelte facettenreicher als alle Edelsteine, die Herodes Salome anstelle von Jochanaans Kopf anzubieten versucht. "Da sitzt jede Note", konstatierte Gustav Mahler. Erst recht, wenn der Dirigent Leif Segerstam heißt.

Marion Eigl - WIENER ZEITUNG - 25. Mai 2010

 

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Elisabeth Kulman - www.kulman.info